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Lebensraum für den Heldbock erhalten

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Von: Matthias Bittner

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Der Heldbock ist kein Forstschädling und hat das Totholz im Vordergrund nicht zu verantworten. Der Käfer ist vom Aussterben bedroht und geschützt. Zum Schutz und Erhalt seines Lebensraumes im Biegwald soll nun einiges passieren.
Der Heldbock ist kein Forstschädling und hat das Totholz im Vordergrund nicht zu verantworten. Der Käfer ist vom Aussterben bedroht und geschützt. Zum Schutz und Erhalt seines Lebensraumes im Biegwald soll nun einiges passieren. © Archiv

Die Biegwald-Wege in Bockenheim werden zurückgebaut.

Frankfurt. Der Biegwald soll als Naherholungsgebiet für Bürger und als Lebensraum für den Heldbock, eine vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Käferart, erhalten bleiben. Die Zeit drängt, weil Klimawandel und sinkender Grundwasserspiegel dem Baumbestand in dem Gebiet nördlich der A 648 zusetzen. Viele Bäume sind krank, mussten rigoros zurückgeschnitten werden. Umweltamt und Grünflächenamt wollen nun die Wege im Biegwald zurückbauen und zudem den Eichenbestand verjüngen, um den Wald und damit Lebensraum für die Käfer langfristig zu sichern.

Waldcharakter geht verloren

„Wir verlieren allmählich den Waldcharakter, jeder Baum steht für sich da“, mahnte Kirsten Lindner von der Unteren Naturschutzbehörde zur Eile. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) am Montagabend stellte sie mit Vertretern von Umwelt- und Grünflächenamt ein Konzept vor, um den Wald zu erhalten. Der Ortsbeirat fordert den Magistrat in einem gemeinsamen Antrag von Grünen, CDU, SPD und FDP auf, das Vorhaben zu unterstützen und schnell umzusetzen.

Für das Grünflächenamt hat das Konzept sogar einen Vorteil: Weniger Wege bedeuten weniger Verkehrssicherungspflicht. Im Moment sind nur 1,5 Hektar der Gesamtfläche von knapp 19 Hektar nicht verkehrssicherungspflichtig. „Auch 30 Meter rechts und links der Trampelpfade muss regelmäßig kontrolliert werden“, sagte Sabine Ellinger vom Grünflächenamt. Der finanzielle Aufwand sei beträchtlich. Deshalb soll der als Grünfläche ausgewiesene Biegwald künftig als Wald eingestuft werden. Dann sind nur noch Hauptverkehrswege am Waldrand und angrenzend an Kleingartenanlagen oder Bebauung sowie die Haupterholungswege im Wald zu kontrollieren. Die nicht verkehrssicherungspflichtige Fläche würde sich auf 4,5 Hektar erhöhen. Eine zentrale Nord-Süd-Verbindung durch das Gebiet soll es weiter geben, Waldbesucher können auch weiter auf Rundwegen im Biegwald laufen.

Weil künftig weniger Wege zu kontrollieren sind, reduzieren sich die erforderlichen Eingriffe. Der Wald hat somit Zeit, um sich zu erholen und zu stabilisieren. „Ohne Aufforstung wird es sicher nicht gehen“, erklärte Jürgen Burkert vom Grünflächenamt. Denn die natürliche Verjüngung sei nur bedingt möglich. Absterbende Stileichen - diese nutzt der Heldbock als „Wohnungen“ - seien dadurch nicht eins zu eins zu ersetzen. Deshalb müssten sie nachgepflanzt werden.

Wegen exzessiver Waldbewirtschaftung wurde der Heldbock zuletzt mehr und mehr zurückgedrängt. In Deutschland ist er nur noch im Süden heimisch, Frankfurt bildet die nördliche Grenze. Die größte Population des bis zu 5,5 Zentimeter großen Käfers am Main ist im Schwanheimer Wald zu finden. Auch in Sachsenhausen, im Rebstockwäldchen und im Fechenheimer Wald lebt der Heldbock. Letzterer geriet in die Schlagzeilen, weil Teile davon wegen der geplanten Verlängerung der A 66 über den Riederwaldtunnel bis zur A 661 gefällt werden sollen. Der Heldbock müsste zuvor aber umgesiedelt werden.

Das ist grundsätzlich möglich und wurde im Vorfeld der Entwicklung des Wohngebietes am Rebstock Anfang des Jahrhunderts nötig. Laut Volker Rothenburger von der Unteren Naturschutzbehörde im Umweltamt wurden dazu Bäume, die den Käfern als Lebensraum dienten, gefällt, zerteilt und im Biegwald abgelegt. „Die Stämme sieht man heute noch dort“, sagt er. Im nördlichen Teil des Biegwaldes besiedeln die Käfer mit den langen Fühlern etwa 50 alte Stileichen - so steht es in einer Masterarbeit, die für die Senckenberg Naturgesellschaft geschrieben wurde. Laut Ellinger sind Bohrlöcher in der Rinde und Holzmehl am Boden ein Zeichen dafür, dass die Käfer eine Eiche besiedelt. Weibchen legen ihre Eier in die Rinde eines Brutbaumes. Die Larven entwickeln sich über drei bis fünf Jahre. Nach fünf- bis sechswöchiger Puppenruhe schlüpfen die Käfer, die keine Forstschädlinge sind. Matthias Bittner

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