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Leere Flaschen, voller Pfand

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Von: Gernot Gottwals

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Früher wurden sie einfach weggeschmissen: In der Charity-Tonne sammeln Bewohner des Grand Towers nun Pfandflaschen. Der Erlös kommt den Helferfreunden Frankfurt zugute. FOTO: Rainer Rüffer
Früher wurden sie einfach weggeschmissen: In der Charity-Tonne sammeln Bewohner des Grand Towers nun Pfandflaschen. Der Erlös kommt den Helferfreunden Frankfurt zugute. © Rüffer

Bewohner des Grand Towers sammeln die Plastikbehälter jetzt für die Helferfreunde

Europaviertel -Eigentlich ist der nächste Supermarkt gleich nebenan im Skyline Plaza. Doch wer kennt das nicht: Wenig Zeit, lange Schlangen, öfter mal ein voller oder defekter Automat- und schon landen die Pfandflaschen lieber in der hauseigenen Tonne. So auch im Grand Tower: Doch dort haben engagierte Bewohner nun eine Charity-Tonne eingeführt, damit die gesammelten Flaschen einem karitativen Zweck zugutekommen.

„Denn häufig waren die Altglastonnen mit leeren Pfandflaschen so überfüllt, dass die Leute ihre Flaschen sogar reihenweise daneben gestellt haben“, berichtet Bewohnerin Katharina Dimitri. Also entstand die Idee, die gesammeltem Flaschen regelmäßig wegbringen zu lassen und den Erlös aus dem Pfand zu spenden. Und da Mitbewohnerin Tanja Jost im Verwaltungsrat aktiv ist und über die CDU Sara Steinhardt aus dem Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel) kennt, waren über gemeinsame Bekanntschaften schon bald die Helferfreunde Frankfurts als Partner gefunden.

Zweiter Container ist schon geplant

Dort wird der Erlös aus dem Flaschenpfand den fünf bis zehn Speisungen zugutekommen, die die Helferfreunde pro Jahr für Bedürftige im Tagestreff Weser 5 anbieten. „Die Initiative gibt es erst seit gut vier Wochen. Und doch ist die Resonanz so groß, dass ich etwa mit gesammelten rund 190 Flaschen auf einen Erlös von rund 40 Euro kommen kann“, sagt Monika Witt von den Helferfreunden. Und da inzwischen schon manche Pfandflaschen auch aus Platzmangel im Altglascontainer für Einwegflaschen landen, soll ein zweiter Charity-Container für dauerhafte Abhilfe sorgen, die Leerung könnte bald auch regelmäßig zweimal pro Woche erfolgen . Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt eine einfache Rechnung: „Schon für 50 Euro kann ich eine Linsensuppe für 150 Personen kochen“, stellt Witt fest. Wenn auch ohne Würstchen, wie sie schmunzelnd anmerkt. Wie viel wirklich zusammenkommt, hängt allerdings auch von den Pfandflaschen selbst ab: Einfache Bierflaschen bringen 8 Cent, einige mit Bügelverschluss und Glasflaschen für Mineralwasser 15 Cent, Dosen und PET-Plastikflaschen sogar 25 Cent.

Zusammen mit dem Gründer André Daniel, der die Helferfreunde vor sieben Jahren ins Leben gerufen hat, engagiert sich Witt für hilfsbedürftige Menschen in Frankfurt. Die Helferfreunde sind in der Obdachlosen-, Bedürftigen- und Flüchtlingshilfe tätig und organisieren verschiedene Projekte für die Hilfe zur Selbsthilfe und Aktionen zugunsten behinderter und schwererkrankter Kinder. Sarah Steinhardt stellte den Kontakt zwischen den Helferfreunden Frankfurt und den Bewohnern des Grand Towers her. „Denn ich weiß, dass dort immer Geld für die laufenden Aktionen gebraucht wird“, sagt das Ortsbeiratsmitglied.

Projekt könnte Schule machen

Und so wünscht sich die Lehrerin mit den Aktivisten, dass das Projekt Charity-Tonne Schule machen könnte: „Schließlich gibt es in der Nachbarschaft noch mehrere Wohntürme und sonstige Hausgemeinschaften, die sich beteiligen könnten.“ Grund zur Zuversicht besteht durchaus, wie Jost betont: „Wir werben in unserem Newsletter und haben von vielen Bewohnern positives Feedback bekommen“, sagt er. Denn sie werfen ihre Flaschen inzwischen nicht mehr aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit in die Tonne, um den Weg zum Supermarkt zu sparen, sondern um die Helferfreunde aktiv zu unterstützen. Das macht Mut.

Gernot Gottwals

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