28 Bilder des Fotografen Rainer Drexel,
+
28 Bilder des Fotografen Rainer Drexel,

Innenstadt: Frankfurt mal ganz anders

Leere Räume und Ränge ohne Gedränge

  • VonAlexandra Flieth
    schließen

Großformatige Foto-Reihung am Bauzaun zeigt Bilder der verwaisten Stadt

Die Eisfläche in der Eissporthalle ist verwaist, die Sitzreihen unbesetzt, selbst vor den Bierständen herrscht gähnende Leere. Genau dort, wo sonst die Menschen zusammenkommen, um ein sportliches Ereignis zu feiern und gemeinschaftlich die Spannung zu erleben, die ein Eishockey-Match mit sich bringt, ist die Stille eingezogen. Eine Stille, die bedrückend ist angesichts dessen, was sie ausgelöst hat: der lange Lockdown in den Winter- und Frühlingsmonaten. Aber auch eine Stille, die den Ort mit seiner Architektur zum Vorschein bringt in einer Art, die sonst so für Besucher nicht sichtbar gewesen wäre. Eingefangen aus der Sicht des Fotojournalisten Rainer Drexel.

"Kein Mensch da" ist seine rund 120 Arbeiten umfassende Serie betitelt, deren Motive er in der Zeit von November 2020 bis März 2021 aufgenommen hat. 28 Fotografien davon sind noch bis zum 28. August am Bauzaun vor dem Dom um das Hauptportal ausgestellt - eben Kunst am Bau, die rund um die Uhr angeschaut werden.

Senckenberg und Naxoshalle

Damit Drexel seine Idee realisieren konnte, bekam er in einer Zeit Zugang zu Kultur- und Sportstätten, die für die Allgemeinheit wegen der Corona-Pandemie geschlossen waren. Dazu zählen Museen wie das Städel und das Senckenberg Museum, der Palmengarten, die Titus-Thermen oder Kulturorte wie das Theater Willy Praml und die Naxoshallen. Alles wurde zuvor genauestens organisiert. Für das Projekt arbeitete Drexel mit seinem Sohn Philipp zusammen, der die Koordinierung hierfür übernahm.

Als Frankfurter, der seine Stadt mit all ihren Angeboten schätze, habe er diese ungewöhnliche Zeit festhalten wollen, um später daran zu erinnern, wie herrlich und wichtig diese in Vor-Corona-Zeiten häufig als selbstverständlich wahrgenommenen Orte für alle seien. "Die Bedeutung dieser Räume sind so viel größer, als es uns bisher vielleicht bewusst war", erzählt Drexel anlässlich der Ausstellungseröffnung. "Mir ist bewusst geworden, wie wichtig diese Orte für unsere Gesellschaft sind, für das Zusammenkommen, das gemeinsame Erleben", fügt er hinzu.

Die vielen Räume, die er für seine Serie ausgesucht habe so leer zu sehen, ohne Besucher im Museum oder Restaurant, tobende Kinder im Schwimmbad oder kuschelnde Paare im Kino - das sei für ihn besonders ergreifend gewesen.

Stille ist eigentlich die Grundvoraussetzung für das Lernen in der Deutschen Nationalbibliothek. Doch selbst hier, so scheint es auf der von Drexel in den dortigen Räumen gemachten Fotografie, wirkt die Stille und die damit verbundene Leere so, als ob der Ort in der Zeit festhängt, wie eingefroren - ob der leeren Tische und Stühle, die vor den Bücherregalen stehen.

Der Blick in eine andere Zeit

Und selbst die präparierten Tiere, die in den Vitrinen in den Ausstellungsräumen des Senckenberg Museums ihren Platz gefunden haben, wirken durch die fehlenden Besucher wie in einer Dystopie, einer möglicherweise in der Zukunft liegenden Zeit, in der das Leben nicht mehr so ist, wie es die Menschen kannten.

Das Projekt möglich gemacht hat ein Wettbewerb, den der Deutsche Journalisten Verband (DJV) - Landesverband Hessen unter dem Motto "Ich bin frei" in Kooperation mit der Hessischen Kulturstiftung für freiberuflich tätige Journalisten ausgerufen hatte. Die Idee hierzu geht zurück auf den Ortsverein Frankfurt. Drexel, der als freier Fotojournalist arbeitet, ist einer der Bewerber, die mit ihrer Idee die Jury überzeugen und eines der mit dem Wettbewerb verbundenen Projektstipendien erhalten hat. Für ihn ist das Motto Programm: "Ich bin frei, weil Unabhängigkeit immer zu den wichtigsten Grundsätzen meines Berufes als Fotojournalist zählte", beschreibt er selbst seine Perspektive hierauf. Er erzähle mit seinen Bildern Geschichten ausschließlich zu Themen, für die er sich selbst entschieden habe. Der in München geborene Foto-Journalist arbeitet seit mehr als 40 Jahren für verschiedene Magazine wie Spiegel, Geo und Stern. Alexandra Flieth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare