Keiner da, der Unterricht macht: Weil Lehrer fehlen, steigt auch die Zahl der Unterrichtsstunden, die ausfallen.
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Keiner da, der Unterricht macht: Weil Lehrer fehlen, steigt auch die Zahl der Unterrichtsstunden, die ausfallen.

Brandbrief an Minister Lorz

Lehrer-Mangel in Frankfurt: Warum Hessen trotzdem keine Anreize schaffen will

  • VonInga Janovic
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An Frankfurter Schulen haben Lehrer mehr Arbeit als anderswo im Land. Deshalb finden sich nicht allzu viele Bewerber. Das Land will für die Pädagogen trotzdem keine besonderen Anreize schaffen.

Grund- und Förderschullehrer werden in ganz Hessen gesucht, in Frankfurt fehlen allerdings besonders viele und der Mangel droht sich in den nächsten Jahren noch zu verschärfen. Denn die Arbeit an den Großstadtschulen ist anstrengender und das Leben in der Mainmetropole teuer, es lässt sich kaum ein Pädagoge an die hiesigen Schulen locken. Sonderwege für Frankfurt oder das Rhein-Main-Gebiet will das Kultusministerium trotzdem nicht gehen.

Unterricht in Gefahr

Daran ändert wohl auch ein Brandbrief nicht, den der Sprecherrat der Grundschulleitungen jetzt mit den Unterschriften von 57 Direktoren und 18 Konrektoren an den zuständigen Minister Alexander Lorz (CDU) geschickt hat. Darin schildern die Pädagogen die Lage an den Frankfurter Grundschulen drastisch: Bis zu 25 Kinder in einer Klasse, von denen rund 20 ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult wurden. Die Familien der Kinder kommen aus verschiedenen Kulturkreisen, ihre Elternhäuser sind sehr heterogen und sogar Aufgaben wie die Erziehung zu Umgangsformen, die medizinische Versorgung und die Ernährung werden an die Schule abgegeben. Daraus erwachse für die Lehrer „eine kaum zu bewältigende Arbeitsbelastung sowohl in zeitlicher als auch in psychischer Dimension“, schreiben die Schulleiter. Nun drohe alles noch schlimmer zu werden, weil es an Lehrern fehlt. Und das ausgerechnet jetzt, da die Flüchtlingskinder in die Schulen integriert werden sollen und immer mehr Klassen inklusiv arbeiten, also auch Kinder mit Behinderungen dazugehören. Guter Unterricht sei unter diesen Umständen kaum mehr möglich – und gerade die Kinder, die es besonders bräuchten, könnten nicht in ausreichendem Maße gefördert werden.

„Momentan sehe ich keine Lösung am Horizont, wenn nicht die Politik schnell handelt“, sagt Benedikt Gehrling, Leiter der Erich-Kästner-Schule und Sprecher aller seine Kollegen. Es brauche Anreize, um Lehrer nach Frankfurt zu holen. Gehrling kann sich dafür zwei Maßnahmen vorstellen: Frankfurter Pädagogen sollten eine Ballungsraum-Zulage erhalten, weil sich vom Grundschullehrer-Gehalt die Mieten kaum bezahlen lassen. Ein anderer Weg könnte die Reduzierung der Unterrichtsstunden sein, die die Pädagogen geben müssen, um die hohen Anforderungen zu kompensieren.

Allen das Gleiche

Doch in Wiesbaden denkt man nicht daran, eine Extrawurst für Frankfurt zu braten: „Wir müssen allen gegenüber fair sein. Auf die besonderen Bedürfnisse achten wir, aber wir werden keine Regelung treffen, die Frankfurt herausstellt“, sagte Philipp Bender, Sprecher im Kultusministerium. Auch müsse man die Kosten im Auge behalten. Anders gesagt, die Forderungen aus Frankfurt wären teuer.

Aber selbst Bender bestätigt, dass an Frankfurter Schulen vieles anders ist als etwa in ländlichen Regionen. Und dass hier Lehrerstellen noch schwerer zu besetzen sind. „Ich glaube aber nicht, dass das etwas mit der Bezahlung zu tun hat.“ Bender leitet das von den hohen Bewerberzahlen für das Grundschullehramt ab. Er räumt aber ein, dass entgegen dem allgemeinen Trend in der Großstadt bei Grundschullehrern das Gegenteil gilt: Sie kommen gar nicht erst oder bitten alsbald um Versetzung. Schulleiter Gehrling ist sich sicher, dass das mit den hohen Lebenshaltungskosten zu tun hat.

Von Inga Janovic

In Frankfurt gibt es viel zu wenig Grundschullehrer. Die Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte ist enorm gestiegen.

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