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Dieser Junge lernt schwimmen, aber nicht jedes Kind kommt in diesen Genuss: Auch in Frankfurt fällt der Schwimmunterricht oft aus oder es gibt ihn gar nicht. Die GEW schlägt jetzt Alarm.

Bildung

Lehrergewerkschaft fordert Erhalt der Schulschwimmbäder

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Das Bäderkonzept für Frankfurt sieht den Neubau eines Schwimmzentrums am Sportzentrum der Goethe-Uni vor. Dort sollen ab 2024 Schüler, Sportler und Studenten trainieren können. Jetzt meldet sich die GEW dazu zu Wort: Die Gewerkschaft lehnt die Pläne ab und fordert den Erhalt aller sieben Schulschwimmbäder.

Immer mehr Kinder in Deutschland können nicht schwimmen. Dies ergab jüngst eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Demnach sind 60 Prozent der Grundschüler keine sicheren Schwimmer. Die Schuld daran gibt der DLRG auch den Grundschulen, der Schwimmunterricht komme an vielen Schulen zu kurz oder finde gar nicht statt. Das gilt auch für Frankfurt.

Sieben Schulschwimmbäder gibt es im Stadtgebiet. Eigentlich. Das Bad der Ernst-Reuter-Schule (Niederursel) etwa kann seit Jahren wegen Statikproblemen nicht genutzt werden. Auch an der Dahlmannschule (Ostend) ist das Schwimmbad noch immer nicht eröffnet. Andere Lehrschwimmbäder sind stark in die Jahre gekommen. Da wundert es nicht, dass die Schulschwimmbäder neben den Freizeitbädern im Bäderkonzept 2025 der Stadt berücksichtigt werden. Anstatt marode Schulschwimmbäder zu sanieren oder neu zu bauen, schwebt Sportdezernent Markus Frank (CDU) vor, bis 2024 am Sportcampus Ginnheim der Goethe-Uni ein Schwimmsportzentrum zu bauen. Dort sollen dann künftig Schüler, Sportler und Studenten trainieren können. Für ältere, marode Schulschwimmbäder könnte dies langfristig das Aus bedeuten. Zudem soll die Organisation der Schulbäder an die Bäderbetriebe Frankfurt (BBF) übertragen werden. Heute liegt die Organisation des Schwimmunterrichts in der Verantwortung des Stadtschulamts.

All diese Pläne alarmiert den Frankfurter Bezirksverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Gewerkschafter lehnen das Bäderkonzept ab und fordern die Stadt auf, alle sieben Schulschwimmbäder zu erhalten und zu sanieren. „Jede Schließung hat große Auswirkungen auf benachbarte Schulen und Sportvereine, die die Halle mitbenutzen, führt zur höheren Belastung der öffentlichen Bäder und Kürzungen des Unterrichts, zu größeren Transportwegen, Zeitverlusten und Kosten“, heißt es seitens der GEW. Angesichts der wachsenden Stadt würden viel eher weitere Schulschwimmbäder gebraucht. Die zentralisierte Lösung für das Schulschwimmen, wie sie Markus Frank vorschwebt, wäre auch für inklusive Klassen problematisch. Die Kinder mit einer Behinderung würden eine vertrauensvolle, überschaubare Umgebung brauchen, wo sie ungestört schwimmen lernen können.

Die Gewerkschafter pochen zudem darauf, dass das Hallenbad der Ernst-Reuter-Schule unbedingt neu gebaut wird. In dem Bäderkonzept jedoch findet ein Neubau für die Gesamtschule keine Berücksichtigung mehr. Es wird lediglich angemerkt, dass die Schüler ob der Nähe zum Sportcampus das neue Schwimmzentrum in der Ginnheimer Landstraße mitnutzen sollen – ebenso wie die Schüler der Liebigschule in Praunheim. Nach Ansicht der GEW seien aber auch nicht die Bäderbetriebe befugt, Schulentwicklungsplanung zu betreiben. Dafür sei Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) zuständig.

Die Stadträtin jedoch lässt über ihre Sprecherin Jetta Lüdecke mitteilen: „Ein großes Schwimmsportzentrum ist auf jeden Fall begrüßenswert, viele Schulen in Frankfurt könnten davon profitieren.“ Das Bäderkonzept verstehe sich als Empfehlung, die Einzelmaßnahmen würden gesondert votiert. „In der Tat obliegt es dem Dezernat für Integration und Bildung, im Rahmen der Schulentwicklungsplanung zu entscheiden, wo Schulschwimmbäder benötigt werden und wo nicht.“ Die Dezernentin spricht sich für den Neubau des Schulschwimmbades an der Ernst-Reuter-Schule aus.

(jlo)

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