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Felix Titzka arbeitet in seiner Lehrwerkstatt in der Borsigallee mit jungen Flüchtlingen.

Auszeichnung

In der Lehrwerkstatt wird am respektvollen Umgang gearbeitet

Die Lehrwerkstatt „Ursprung“ wurde von der hessischen Staatskanzlei als „Ort des Respekts“ ausgezeichnet. Werkstattleiter Felix Titzka hat dafür ein neues Projekt erarbeitet, bei dem Flüchtlinge in Gleichberechtigung und Toleranz geschult werden.

Handwerkliches Geschick üben und ganz nebenbei Deutsch lernen – das ist das Ziel von Felix Titzkas Einrichtung „Ursprung“. Nun wurde die Lehrwerkstatt in der Borsigallee von der Hessischen Staatskanzlei als „Ort des Respekts“ ausgezeichnet. „Respekt ist die Grundlage für ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben, für ein Miteinander in der Gesellschaft“, erklärte Staatssekretär Patrick Burghardt, als er Titzka gestern stellvertretend für die Staatskanzlei die Urkunde übergab. „,Ursprung‘ erkennt die Notwendigkeit, den jungen Geflüchteten die Grundregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die Vertiefung von demokratischen Grundwerten und den respektvollen Umgang miteinander zu vermitteln“, hob der Staatssekretär hervor.

Bereits im Sommer hatte sich Titzka für das Landesprogramm „Orte des Respekts“ beworben, hat eigens dafür ein neues Projekt erarbeitet: In sechs Modulen sollen zehn Jugendliche einmal pro Woche in Themen wie Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung und Toleranz geschult werden. „Die Kursteilnehmer sind alle Ehemalige aus der Lehrwerkstatt“, so Titzka.

Dem gelernten Werbetechniker ist bei seiner Arbeit aufgefallen, dass die jungen Flüchtlinge viele

Fragen zum Miteinander

in Deutschland haben. „Es kommen zum Beispiel Fragen rund um Partnerschaft und Freundschaft auf“, erzählt Titzka. „Die Flüchtlinge sind wild darauf, Kontakte zu einheimischen Jugendlichen zu knüpfen.“ Für die Umsetzung des Projekts stellt die Staatskanzlei der gemeinnützigen GmbH 6200 Euro zur Verfügung. „Für das Geld haben wir schon Materialien gekauft und Dozenten engagiert.“

Titzka treibt auch die anderen Angebote der Werkstatt voran. So etwa die Kooperation mit der Wilhelm-Merton-Schule. An vier Nachmittagen kommen jeweils zehn Schüler der Integrationsklassen in die Borsigallee und werkeln, schleifen und löten. „Wir sind quasi ein außerschulischer Lernort“, beschreibt Titzka. Zudem gibt es an zwei Nachmittagen freiwillige Arbeitsgemeinschaften. Gemeinsam verschönern die Jugendlichen die Räume der Werkstatt, haben zum Beispiel die beiden Toiletten renoviert und bauen die Küche auf, um gemeinsam zu kochen.

„Wir haben außerdem einen Elektro-Roller gesponsert bekommen, dessen Motor wir in ein altes Mofa einbauen und damit dann im September am Mofa-Cup teilnehmen wollen“, berichtet Titzka. Er selbst sieht sich mehr als Vertrauensperson für die Schüler, und nicht als Lehrer. „Eine Schülerin hat mal gesagt, an einem Nachmittag bei mir lernt sie mehr, als in zwei Wochen in der Schule.“

Vor fünf Jahren hat Titzka die gemeinnützige GmbH mit seinem Freund und Geschäftspartner Michael Wahl gegründet. Das Ziel: Jugendliche aus dem Stadtteil an die Werkbank bringen. „In die Arbeit mit Flüchtlingen sind wir eher so reingerutscht“, sagt er. Bereut hat er das aber definitiv nicht.

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