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Die Gehwege in der Leipziger Straße sind schmal, die empfohlenen anderthalb Meter Sicherheitsabstand zu Mitmenschen können nicht eingehalten werden. Der zuständige Ortsbeirat fordert deshalb Maßnahmen, um Platz zu schaffen.

In der Leipziger auf Abstand gehen

Aus Angst vor Corona: Wann wird die Leipziger Straße für Autos gesperrt?

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Der für Bockenheim zuständige Ortsbeirat diskutiert über Straßensperre während der Corona-Krise. Verkehrsdezernent Oesterling (SPD) macht wenig Hoffnung.

  • In der Leipziger Straße könnte es Straßensperren geben
  • Die Sperrung soll Fußgängern während Corona Platz verschaffen
  • Bisher sieht es nicht nach Straßensperren in Bockenheim aus

Frankfurt - Experten betonen gebetsmühlenartig, den Sicherheitsabstand zu Mitmenschen zu wahren, um sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Beim Einkaufen in der Leipziger Straße ist das aber nach Angaben von Thomas Gutmann, Sprecher der Grünen im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) überhaupt nicht möglich. Auf den Gehwegen stünden Menschen in Schlangen vor den Läden, Passanten müssten sich entweder vorbei drängeln oder auf die Fahrbahn ausweichen, wodurch sie sich in Gefahr brächten. "Eigentlich müsste man über eine Sperrung für den Verkehr nachdenken, um Platz zu schaffen", sagte Gutmann in der Online-Bürgerfragestunde des Gremiums.

Die SPD-Fraktion werde einen solchen Vorstoß unterstützen, versichert deren Fraktionsvorsitzender Martin Völker. Zumal davon auszugehen sei, dass die Abstandsregeln noch länger gelten und die Maßnahme zügig umzusetzen sei. Er plädierte dafür, für die Mai-Sitzung einen entsprechenden Antrag zu formulieren. Eventuell müsse auch über eine Maskenpflicht nachgedacht werden. Gutmann regte zudem an, die Parkbuchten zu sperren, um den dringend benötigten Raum zu schaffen.

Leipziger Straße ohne Autoverkehr? - Loose: "Versuch durch die Hintertür"

Das alles hält Christian Loose (CDU) allerdings für nicht vertretbar. "Die Corona-Krise zu verwenden, um über die Hintertür die Leipziger vom Autoverkehr frei zu machen, halte ich in dieser Art und Weise für nicht geeignet", sagte er und führte als Begründung eigene Beobachtungen vom Wochenende an. Bedingt durch eine Sperre habe sich die Leipziger in eine Fahrradstraße verwandelt. Dadurch sei die Situation für Fußgänger jedoch noch um Einiges gefährlich geworden. Auch er sei fast umgefahren worden, sagte Loose. Er glaubt nicht, dass es in der allgemeinen Corona-Hektik helfen würde, die Straße einfach nur vom Autoverkehr zu befreien und beharrt auf ein Gesamtkonzept.

Darüber diskutiert und ringt der Ortsbeirat schon seit vielen Jahren. Kürzlich hatte man sich zumindest auf eine von der FDP-Fraktion angeregte probeweise Sperrung an Samstagen auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Kurfürstenstraße geeinigt - Loose hatte das abgelehnt. Wann der Versuch beginnt, steht allerdings noch nicht fest.

Gefahr für Fußgänger durch Sperren auf der Leipziger Straße

Um eine Gefährdung für Fußgänger, die auf die Fahrbahn ausweichen, um den Abstand einhalten zu können, zu minimieren, schlug Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) vor, die Geschwindigkeit auf 12 Kilometer pro Stunde zu reduzieren. Lothar Krauß (Piraten) würde Schrittgeschwindigkeit bevorzugen. Das Problem: Dazu dürfe es aber keinen Niveauunterschied zwischen Gehweg und Fahrbahn geben.

Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) gab zu bedenken, dass die ohnehin schon arg gebeutelten Geschäftsleute nicht begeistert von einer Straßensperrung sein könnten. Er will für die kommende Sitzung des Ortsbeirates (27. Mai im Plenarsaal des Römer) Vertreter einladen, um ein Stimmungsbild zu bekommen.

Keine Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung der Sperre macht Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Zunächst müsse geprüft werden, auf welcher rechtlichen Grundlage eine Sperrung der Straße möglich wäre. "Das ist ein langes Verfahren", sagte er. Im Übrigen ist er der Ansicht, dass das Abstandhalten in der Leipziger möglich sein müsse, im Nordwestzentrum beispielsweise klappe das doch auch. Dem widerspricht Katharina Knacker, die in Bockenheim wohnt. "Die Gehwege sind zu schmal, das ist unmöglich."

Kommentar von  Matthias Bittner

Sich für Gesundheit und Unversehrtheit der Menschen einzusetzen, ist mit die oberste Politikerpflicht - das gilt in besonderem Maße für Krisenzeiten wie diese. Deshalb ist das Argument von CDU-Mann Christian Loose, die Corona-Pandemie solle jetzt dazu genutzt werden, um durch die Hintertür die umstrittene Sperrung der Leipziger Straße durchzuboxen, doch ziemlich abwegig. Der CDU-Mann war schon immer ein Gegner eines Durchfahrtverbots für Autos in der Leipziger Straße. Das ist ja auch sein gutes Recht.

Jetzt gibt es aber eine ganz neue Situation. Wir haben Abstandsregeln. Die lassen keinen Platz mehr für alte Argumente und das Beharren auf die persönliche Überzeugung. Bei der Bewältigung von Problemen und auf der Suche nach Alternativen ist das zudem wenig hilfreich.

Die Sorgen und Ängste der Bürger, die auf den Missstand hingewiesen haben, müssen ernst genommen werden. Und das machen SPD und Grüne, wenn sie sich überlegen, welche Maßnahmen schnell helfen könnten, damit die Abstandsregeln beim Einkaufen in der engen Leipziger eingehalten werden können.

Mit Taktieren hat das nichts zu tun. Das ist einfach nur Pflichtbewusstsein!

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