Baustellen, Auslagen und Schilder behindern die Fußgänger in der Leipziger Straße. Das ist einer Einkaufsstraße nicht würdig, kritisieren Bürger aus dem Stadtteil- erst recht nicht in Pandemie-Zeiten. Sie fordern, dass sich etwas ändert und es mehr Platz gibt. Foto: Anna Erdelmann
+
Baustellen, Auslagen und Schilder behindern die Fußgänger in der Leipziger Straße. Das ist einer Einkaufsstraße nicht würdig, kritisieren Bürger aus dem Stadtteil- erst recht nicht in Pandemie-Zeiten. Sie fordern, dass sich etwas ändert und es mehr Platz gibt.

Bockenheim: Kein Durchkommen

Leipziger Straße in Frankfurt gleicht einem Hindernisparcours

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
    schließen

Baustellen und Schilder blockieren den Gehweg - Mindestabstand ist nicht einzuhalten

Fußgänger müssen in der Leipziger Straße im Moment einen Hindernisparcours bewältigen: Es gibt mehrere Baustellen, Schilder und Auslagen der Geschäfte blockieren die Gehwege. Als sei das nicht schon beschwerlich genug, muss man Entgegenkommenden ausweichen und coronabedingt darauf achten, den Mindestabstand zu Kunden einzuhalten, die vor Geschäften anstehen. "Sicheres Bewegen ist hier nicht mehr möglich. Das entspricht in keinster Weise einer Einkaufsstraße, das sind keine Bedingungen für Fußgänger", sagt Matthias Biemann. Er fordert Konsequenzen.

Biemann wohnt seit 20 Jahren in Bockenheim. Während dieser Zeit habe er die kontrovers geführten Diskussionen um ein Durchfahrtverbot für Autos, die Umwandlung der Leipziger in eine Fußgängerzone und dergleichen verfolgt. Passiert sei aber nichts, sagte er in der konstituierenden Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald), in der er eine Präsentation engagierter Bürger zur Situation in der Leipziger zeigte. "Die Bilder sind Momentaufnahmen, die Situation wird aber schlimmer", mahnte er mit Blick auf die sinkenden Inzidenzzahlen und die dann bevorstehenden Ladenöffnungen mit noch mehr Passanten in der Einkaufsstraße.

Platz für wartende Kunden schaffen

Handlungsbedarf diesbezüglich sieht auch der Ortsbeirat. Er verabschiedete einen Antrag mit dem Ziel, die Parkplätze in der Leipziger während der weiteren Corona-Pandemie zumindest zu den Geschäftszeiten temporär zu sperren. Die Flächen könnten wartende Kunden als Aufstellfläche nutzen und müssten so nicht auf dem auf dem schmalen Bürgersteig in der Schlange stehen. Parkplätze für behinderte Menschen sollen hiervon ausgenommen bleiben.

Damit nahm das Stadtteilparlament den von Biemann geäußerten Vorschlag auf. Er hatte darauf hingewiesen, dass Baustellen ja auch kurzfristig und unkompliziert eingerichtet werden könnten. "Was für Baustellen möglich ist, muss auch für die Gesundheit der Menschen möglich sein", hatte er für die temporäre Sperrung der Parkplätze argumentiert.

"Das ist die einfachste Lösung, dem kann ich nur zustimmen", sagte Linke-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Hammelmann. Und er fügte an: Er wundere sich, dass es während der Corona-Pandemie überhaupt erlaubt sei, ausladende Aufsteller vor Geschäften aufzustellen.

Verkehrsdezernent ignoriert Beschluss

Das Thema Leipziger Straße werde das Gremium noch weiter beschäftigen, erklärte Ortsvorsteher Thomas Gutmann (Grüne). Große Hoffnungen, dass jetzt schnell etwas passiere habe er nicht, weil erst ein neuer Verkehrsdezernent zu bestimmen sei. Doch auch vom Neuen werden sich die Stadtteilpolitikern den Schneid nicht abkaufen lassen und ihn an die Umsetzung ihres mehrheitlich beschlossenen Testlaufs erinnern.

Samstags soll die Leipziger auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rohmerstraße für den Verkehr gesperrt werden. Noch-Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte dies ignoriert. Das mögliche Durchfahrtverbot ist aber auch im Stadtteil äußerst umstritten. Einzelhändler lehnen es ab, weil sie angesichts fehlender Parkmöglichkeiten in der Nähe ihrer Geschäfte Umsatzeinbußen befürchten.

Zuletzt war es recht still ums Durchfahrtverbot geworden. Das Thema wurde mit der Corona-Pandemie aber wieder aktuell. Weil beim Einkaufen auf den schmalen Bürgersteigen der Mindestabstand nicht mehr eingehalten werden könne, hatten sich Bürger Anfang 2020 an Gutmann gewandt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Völker unterstützte den Vorstoß, zum Schutz der Bürger die Leipziger zur Fußgängerzone umzuwandeln. So entstünde mehr Platz, weil dann auch die Fahrbahn zum Gehen genutzt werden könne.

Das brachte den damaligen CDU-Ortsbeirat Christian Loose (CDU) auf die Palme. Er warf Völker und Gutmann vor, sie versuchten unter dem Deckmantel von Corona nun die Sperrung durch die Hintertür durchzuboxen. Die lehnt Loose mit der Begründung ab, sie sei nicht durchdacht und plädierte für ein Gesamtverkehrskonzept für die Einkaufsstraße: In der allgemeinen Corona-Hektik helfe es nicht, die Straße einfach nur vom Autoverkehr zu befreien. Engagierte Bürger sehen das offenbar anders, wie man jetzt an den Beschwerden sieht. Matthias Bittner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare