Früher war Michael Groß auch privat öfter im Rebstockbad. Zudem fand im März 1991 der letzte Wettkampf des Freistil- und Delfinspezialisten dort statt. Klar, dass er bei der "Abschiedsparty" nicht fehlen durfte.
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Früher war Michael Groß auch privat öfter im Rebstockbad. Zudem fand im März 1991 der letzte Wettkampf des Freistil- und Delfinspezialisten dort statt. Klar, dass er bei der "Abschiedsparty" nicht fehlen durfte.

Freizeit

Leiser Abschied vom Frankfurter Rebstockbad

  • vonKatja Sturm
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Mehr als 22 Millionen Besucher kamen in den vergangenen 40 Jahren in das Schwimmbad. Im September wird es abgerissen.

Frankfurt – Ein letztes Mal, zumindest offiziell, versetzt die Technik das Wasser in Bewegung. Das Rauschen steigt an. Die wachsenden Wellen laufen am Beckenrand aus. Mancher der Umstehenden blickt mit Wehmut darauf. Das Rebstockbad, wie die Frankfurter es bislang kannten, wird bald Geschichte sein. Irgendwann im September, wenn die Fensterscheiben ausgebaut sind, werden die ersten Bagger anrollen, um die auffällige Konstruktion mit dem geschwungenen Dach dem Boden gleichzumachen. Die Zeit bis dahin muss genutzt werden, um alles auszuräumen und das, was noch gebraucht werden kann, zu den anderen Schwimmanlagen in der Stadt zu schaffen.

Michael Groß gehört zu denen, die am Freitagnachmittag Abschied nehmen. Der Albatros, wie der hoch aufgeschossene Schwimm-Olympiasieger von 1984 und 1988 wegen der beeindruckenden Spannweite seiner Arme von 2,13 Metern bis heute gerne genannt wird, war auch dabei, als am 13. November 1982 die Eröffnung mit "großem Kino" gefeiert wurde. Damals, erinnert sich der 56-Jährige, sei das Bad in Deutschland einzigartig gewesen, weil es Freizeit und Sport auf bis dahin nicht bekannte Art und Weise miteinander vereinigte. Das Modell habe sich jedoch überholt. Der Neubau, der bis 2025 an gleicher Stelle entstehen soll, trennt sorgfältig zwischen konzentriert arbeitenden Wettkampfathleten und jenen, die nur zum Spaß planschen wollen. Eine Glasfront mit schließbaren Türen soll, wie Boris Zielinski, der Geschäftsführer der Bäder-Betriebe erklärt, die beiden Bereiche voneinander separieren, ohne dass der Blick auf die weitläufige Halle eingeschränkt wird. Selbst eigene Umkleiden und einen extra Eingang wird es neben einem 25-Meter-Becken und einem Sprungturm für die ambitioniert Trainierenden geben.

Frankfurt: Neubau des Rebstockbades soll 2025 fertig sein

Außer dem, was über die Investition in die Moderne bereits bekannt war, ist mittlerweile noch eine Erweiterung geplant. Im Außenbereich, verrät Zielinski, werde man sich ein zusätzliches Freibecken mit einer Länge von 20 oder 25 Metern gönnen. "Das hat sich im Zuge der Detailplanungen ergeben" und sei "mit vertretbarem Kostenaufwand" zu leisten, erklärt der verantwortliche Mann. Das Badeparadies sei stets auch im Sommer ein Anziehungspunkt für Erholungssuchende gewesen. Deshalb biete sich die zukünftige Kraulmöglichkeit inmitten der Liegewiese an.

Von den mehr als 22 Millionen Besuchern, die in den knapp 40 Jahren des Bestehens der Schwimmoper den Aufenthalt dort genossen, ist an diesem Nachmittag nichts zu spüren. Sämtliche Becken liegen verlassen da. Durften seit Ende des vergangenen Jahres erst Schul- und ab März auch Vereinskinder wieder zum Üben ins Wasser, wurde auch diese kleine Freiheit zuletzt durch die Corona-Notbremse des Bundes erneut eingeschränkt. Selbst der Beginn der Freibad-Saison ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Zielinski musste den Großteil seiner Mitarbeiter zurück in Kurzarbeit schicken.

Die letzte Chance, noch einmal durchs Rebstock-Becken zu pflügen, will von den zur endgültigen Schließung geladenen Gästen keiner wahrnehmen. Auch Michael Groß nicht, obwohl, wie Michael Ulmer, der Sportdirektor der SG, verrät, dessen Technik noch immer herrlich anzuschauen sein soll. "Ich habe keine Badehose dabei", erklärt der Gelobte nur.

Im kleinen Kreis wurde das Rebstockbad verabschiedet, bevor es ab September abgerissen wird.

Früher sei er auch privat öfter hier gewesen, verrät der Freistil- und Delfinspezialist. Zudem fand im März 1991 sein letzter Wettkampf im Rebstockbad statt: eine Abschiedsgala für den großen Sohn der Stadt, der seine Meriten für den Ersten Offenbacher Schwimmclub verdiente. Kurz zuvor war Groß mit der ersten gesamtdeutschen Nationalmannschaft medaillenbeladen von der Weltmeisterschaft in Perth zurückgekehrt. Sogar Tribünen wurden aufgebaut für Zuschauer, die noch einmal den Stil des Ausnahmesportlers bewundern wollten.

Ein paar Tage lang wird jetzt noch Wasser in den Becken sein. Die Arbeiter könnten sich also Kühlung verschaffen, wenn sie beim Abbau der Einrichtung ins Schwitzen kommen. Für die Öffentlichkeit haben sich die Türen zu dem Bade- und Wellnesstempel aber endgültig geschlossen. Was laut Sportdezernent Markus Frank (CDU) in den 80er Jahren "ein Symbol der Aufbruchstimmung in der Stadt" war, ist nun dem Abbruch geweiht. Ein "neuer Leuchtturm" werde entstehen. Bis er zum Strahlen kommt, das dauert jedoch noch seine Zeit. (Katja Sturm)

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