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Porträt von Thomas Mausbach, langjähriger Leiter des Gagern-Gymnasiums, geht in den Ruhestand. Bernhard-Grzimek-Allee 6-8, Frankfurt. Aufgenommen am 16.01.2018.

Thomas Mausbach

Leiter des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums geht in den Ruhestand

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Thomas Mausbach hat die Schule bislang nur für ein paar Uni-Jahre verlassen. Jetzt beginnt für den Leiter des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums der Ruhestand.

Zuletzt konnte er den schlechten Tagen, an denen so gar nichts laufen wollte, sich zu viele Kollegen krank meldeten und dazu auch noch ärgerliche Anfragen kamen, sogar etwas abgewinnen: „Das Schicksal will mir den Abschied erleichtern.“ In ein paar Tagen muss sich Thomas Mausbach von „seinem“ Heinrich-von-Gagern-Gymnasium trennen. Am 7. Februar wird die Schule ihren langjährigen Direktor verabschieden.

Gefühlt hat Mausbach sein ganzes Leben an dem Gymnasium verbracht, das gegenüber dem Zoo liegt und in dem bis heute Latein als erste Fremdsprache gebüffelt wird. Über die wilden 68er Jahre, von 1962 bis 1971, war der Frankfurter Bub’ dort selbst Schüler. 1979, nach dem Lehramtsstudium für die Fächer Latein, Alt-Griechisch und Geschichte, kehrte er als Referendar zurück. Im Jahr 2000 dann, nach Lehr- und Lehrerjahren an der Ziehen- und später an der Helmholtzschule, wurde er zum Schulleiter befördert – am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium.

Fast 20 Abitur-Feiern, ebenso viele Einschulungen für die neuen Fünftklässler, ungezählte Latein-Vokabel-Tests, Lehrerkonferenzen, Elterngespräche und jede Menge neue Ideen aus Wiesbaden und dem Römer – Mausbach hatte irgendwie an allem seine Freude: „Mein Vorsatz war: Wenn ich morgens nicht mehr gern zur Schule gehe, dann höre ich auf.“ Aber er sei über all die Jahre gern aus seinem Haus in Offenbach in seine Schule nach Frankfurt gekommen.

Schülern, Eltern und Kollegen trat der Chef stets korrekt und freundlich gegenüber. Richtig streng erlebte die Schulgemeinde den Chef selten. Er ist keiner, der laut wird. Der Altsprachler, der seine Kollegen an den anderen Schulen auch mal als „Amtsbrüder“ bezeichnet, weiß anders mit Worten zu treffen, versteckte in seinen Begrüßungsreden gern mal ein paar treffende Kommentare an ehrgeizige Eltern, freche Schüler oder aufdringliche Politiker.

Deren Wirken sah Mausbach häufig kritisch: „Es gab jede Menge Schulreformen und pädagogische Neuerungen. Aber man hatte von politischer Seite nie die Geduld, die Wirkung einer Maßnahme auch abzuwarten.“ Bevor eine neue Methode tatsächlich hätte greifen können, sei schon wieder die nächste propagiert worden.

Aber Mausbach ist keiner, der jeder schnellen Mode folgt. Sein Gymnasium nennt sich mit Stolz humanistisch, hat ein altsprachliches Profil, Naturwissenschaften, Kunst und Musik werden aber ebenfalls stark gefördert – in nur acht Jahren bis zum Abitur. Als eines von noch drei Frankfurter Gymnasien ist das „Gagern“ 2013 beim sogenannten Turbo-Abi geblieben. Seitdem halten viele die Schule für strenger als andere, ist sie eines der wenigen etablierten Gymnasien in der Stadt, das bei der Anmeldung für die fünfte Klasse nicht völlig überrannt wird.

Mausbach hält den Kurs, den vorwiegend er vorgegeben hat und für den es auch immer wieder Gegenwind gab, für richtig: „Mir und dem Kollegium war am Ende unser Schulprogramm wichtiger. Das baut nunmal auf G 8 auf.“ Die Kinder überfordere das Gagern nicht. „Wenn ich unsere Schulkonzerte höre, habe ich nicht das Gefühl, dass hier keiner mehr Zeit zum Üben hat.“ Wenn den Kindern etwas Zeit und Konzentration stehle, dann sei es „das ganze Mediengerummel“.

Mausbach wird als frisch gebackener Pensionär wohl eher zum klassischen Buch als zum Tablet greifen. Große Pläne hat er für seinen Ruhestand noch gar nicht gemacht. Aber auf eines freut er sich riesig: „Endlich muss ich keine Arbeiten mehr korrigieren. Das habe ich an meinem Beruf wirklich nie gemocht.“

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