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10 Lektionen, die ich auf einer Warhammer-Party gelernt habe

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Von: Christophe Braun

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Warhammer ist kein Spiel, Warhammer ist eine ganze Welt.
Warhammer ist kein Spiel, Warhammer ist eine ganze Welt. © Christophe Braun

Die Menschheit lässt sich heute grob in zwei Gruppen aufteilen - diejenigen, die Warhammer spielen, und diejenigen, die es nicht tun.

Die Menschheit lässt sich heute grob in zwei Gruppen aufteilen - diejenigen, die Warhammer spielen, und diejenigen, die es nicht tun.

Vertreter dieser beiden Gruppen mögen hin und wieder aufeinandertreffen (im Aufzug, in der Supermarktschlange, beim Sex) - trotzdem wissen sie eigentlich nichts voneinander.

Daran wollte ich etwas ändern. Ich wollte endlich verstehen, worum es bei diesem Spiel geht, das ich bislang nur durch die Fensterscheiben der verschiedenen Games-Workshop-Filialen kennengelernt hatte. Also habe ich mich zu einer größeren Schlacht im Frankfurter Workshop als Beobachter angemeldet.

Während sich draußen verschwitzte Passanten von einem Laden zum nächsten schleppten, schaute ich drinnen einer Gruppe erfahrener Spieler über die Schultern, die sich über kleine Figuren beugten, die ihrerseits aussahen, als seien sie heute richtig schlecht drauf.

Folgende Erkenntnisse habe ich gewonnen.

1. Warhammer ist kein Spiel, sondern eine Welt (und eigentlich sogar zwei)

Warhammer ist nicht

ein

Spiel, sondern eigentlich

zwei

. Warhammer: Age of Sigmar spielt in einer Fantasy-Welt mit Orks und Rittern, Zauberern und Elfen, wie man sie von Tolkien kennt. Warhammer 40.000 spielt in einer dystopischen Zukunft, in der Alienvölker und Menschen sich Kriege um die Vorherrschaft im Universum liefert. Es kommt aber noch besser: Ursprünglich waren beide Szenarien in

einem

Spiel vereint, aber schon nach wenigen Jahren wurden die Unterschiede zu groß, Warhammer musste aufgesplittet werden.

Beides sind Tabletop-Spiele, also rundenbasierte Strategiespiele, die mit aufwändigen, überwiegend selbstgebauten Modellen auf großen Spieltischen ausgetragen werden.

Die Warhammer-Spiele wurden in den 80er Jahren veröffentlicht und seither stetig weiterentwickelt. Sie haben ihre jeweils eigene Mythologie, die in Romanen, Computerspielen, Filmen und Comics weitererzählt wird.

2. Hobbyist ist nicht gleich Hobbyist

Warhammer-Fans heißen

Hobbyisten

. Aber aufgepasst: Hobbyist ist nicht gleich Hobbyist.

Denn was Warhammer-Fans aus dem Spiele-Kosmos herausholen, kann ganz verschieden sein. Die einen interessieren sich vor allem fürs Basteln der Miniaturen; anderen macht das Bemalen am meisten Spaß. Dann gibt es - natürlich - diejenigen, denen das Spielen am wichtigsten ist. Und schließlich die, die die Miniaturen tauschen und sammeln.

Treffen Sie also einen Hobbyisten, sollten Sie gleich herausfinden, um was für einen Hobbyisten es sich handelt. Mit einem Miniaturenmaler über Schlachtenstrategien zu sprechen, ist eher mau.

3. Das Regelwerk ist ALLES

Die Warhammer-Spiele haben jeweils ein eigenes Regelwerk. Darin werden die grundlegenden Regeln erklärt: dass eine Partie in Runden gespielt wird; wie das Schlachtfeld vorzubereiten und wie Einheiten darauf zu bewegen sind und so weiter.

Zusätzlich gibt es spezielle Regelbücher für die einzelnen Völker, in denen geklärt wird, welche Kreaturen, welche Waffen- und Ausrüstungstypen miteinander kombiniert werden dürfen.

Die Auslegung dieser Regelbücher ist eine eigene Wissenschaft und mindestens so kompliziert wie ein Wittgenstein-Oberseminar an der Uni. Sollten Sie mal in eine Diskussion zwischen zwei Hobbyisten geraten, beschränken Sie sich am besten auf schweigen und ehrfürchtig nicken.

4. Genieße das Vorspiel!

Mindestens so wichtig wie das Spielen ist das Vorbereiten der Figuren.

Und das hat es in sich. Die Miniaturen kommen in kleinen Sets. Sie müssen ausgestanzt, zusammengeklebt und bemalt werden. Fortgeschrittene Spieler kombinieren  Ausrüstungs- und Waffentypen und bauen so ganz eigene, einzigartige Einheiten.

In einer aufwendigen Figur können Wochen, manchmal sogar Monate, an Arbeit stecken. Es ist daher ganz normal, dass Hobbyisten einen großen Teil ihrer Freizeit im Keller verbringen - kein Grund zur Sorge.

5. Die wollen doch nur spielen

Wo waren Sie während des Finales des zweiten Teils der Warhammer-40.000-Aufbaukampagne "Rise of the Heroes 2"? Auf diese Frage sollten Sie sich gefasst machen. Ich war im Games Workshop. Diese Finalschlacht war übrigens ihrerseits Höhepunkt einer sechswöchigen Kampagne, der kleinere Schlachten und Scharmützel vorangegangen waren.

So eine Schlacht dauert locker mal den halben Tag; im Zweifel auch den ganzen. Es ist daher nicht ratsam, sich mit einem Hobbyisten am Abend eines Schlacht-Tages zu verabreden. Er wird nicht kommen.

6. What You See Is What You Get

Klingt

wie 'ne Zeile aus einem alten 50-Cent-Song,

ist

eine wichtige Warhammer-Regel: Ob eine Miniatur aufwändig bemalt ist oder nicht, ist egal - auch unbemalte Einheiten gelten im Spiel als voll ausgestattet. Diese Regel soll Newcomern den Einstieg erleichtern.

Erfahrene Spieler rümpfen natürlich die Nase - wer lässt seine Einheiten schon nackt in die Schlacht ziehen? Wenn Sie mit einem erfahrenen Spieler anbändeln, sollten Sie sich also bei Gelegenheit über die unbemalten Figuren seiner Kontrahenten lustig machen. Er wird es zu schätzen wissen.

7. Ohne Glück geht hier nichts

Jeder Spieler hat ein komplettes Würfelset dabei. Denn bei praktisch jedem Zug spielt Glück eine entscheidende Rolle. Wie weit eine Einheit marschieren kann, ob sie das anvisierte Ziel trifft oder nicht, entscheidet oft erst der Wurf. Sollten Sie also mal in die Situation kommen, einen Hobbyisten trösten zu müssen, tut es ein simples "Pech gehabt!"

8. Fürchte Liebe Achte den Zollstab!

Schlachtfeld und Einheiten sind genau vermessen. Wenn Einheiten bewegt oder Angriffe durchgeführt werden, kommt es auf den Zoll an. Jeder Spieler hat seinen eigenen Zollstab dabei. Immer wieder muss das Spiel für ein paar Minuten unterbrochen werden, weil drei oder vier Spieler sich mit ihren Zollstöcken über eine Szene beugen und diskutieren, wer hier wen trifft - oder eben nicht.

Ganz ernsthafte Hobbyisten greifen übrigens nicht zum Zollstab, sondern zum Laser-Messgerät. Die dürften sich auch hervorragend als Geschenk eignen.

9. Sei stolz auf Dein Nerdtum!

Warhammer ist ein Hobby, sagen sie alle. Im Nebensatz erwähnen sie dann noch, dass sie mehrere Monate in die Ausgestaltung einer einzigen Figur gesteckt haben. Oder dass sie sich längst ein zweites Haus hätten kaufen können, hätten sie sich nicht diese oder jene Armee geleistet.

Kurz: Sie nehmen das hier schon sehr, sehr ernst, die Hobbyisten. Scherzen Sie daher nicht über Zeit- und Geldaufwand!

10. Wie Schach mit Würfeln

Letzte, aber grundlegende Erkenntnis: Warhammer ist wie Schach in einem ultra-komplexen Universum, mit hunderten verschiedener Einheiten, einem dreidimensionalen Brett, filigranen, selbstgebauten Figuren und potenziell unendlich vielen Mitspielern.

Und daher ziemlich cool.

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