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Christian Dietz von der Goethe-Uni (Mitte) erklärt den Zuhörern bei seiner Führung im neuen Lerngarten, was die Seerose alles kann.

Campus Riedberg

Ein Lerngarten für die Goethe-Uni

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Damit angehende Biologielehrer praxisorientiert arbeiten können, gibt es am Campus Riedberg jetzt einen Lerngarten. Nach den Sommerferien sollen sie dort Kindern die heimischen Pflanzen und Tiere näher bringen.

Vorsichtig zieht Christian Dietz eine Seerose in Richtung Ufer des kleinen Weihers, um seinen Zuhörern die Pflanze besser erklären zu können. Bei einer Führung präsentiert der wissenschaftliche Mitarbeiter der Goethe-Universität den neuen Lerngarten im Wissenschaftsgarten auf dem Campus Riedberg, der gestern eingeweiht wurde. Genannt wird das Projekt „Close to Science – Schule im Wissenschaftsgarten“.

Nach den Sommerferien sollen Kinder aller Altersklassen das kleine Biotop besuchen, um die heimischen Pflanzen und Tiere kennenzulernen. „Es gibt schon erste Anfragen von Schulen“, sagt Dietz. Angehenden Biologielehrern dient der Garten als universitäre Ausbildungsstätte. „Wenn sie nur Texte und Arbeitsblätter austeilen, verfehlt dies, was die Naturwissenschaften in Wirklichkeit sind“, erklärt Dietz. „Die Lehrer müssen mit den Schülern auf Wildblumenwiesen und an kleine Gewässer gehen. Wie man biologische Phänomene erklärt, lernen die Lehrer hier.“

Die Idee stammt von Paul Dierkes, Leiter des Schülerlabors „Biolab“ und Professor für Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe-Uni. Zwei Jahre haben er und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter an dem Konzept gearbeitet. Finanziell gefördert wurde der Garten vom Umweltfonds der Fraport AG mit 150 000 Euro.

In dem Lerngarten gibt es auf 1300 Quadratmetern einen kleinen Teich, Obstbäume und Beerensträucher, eine Wildhecke, eine Wildblumenwiese und Grabeland. Erste alte Apfelbaumsorten und Johannisbeersträucher sind gepflanzt. Noch ist aber von einer blühenden Landschaft nichts zu sehen. Braune Erde und kahle Bäume überwiegen das Bild. „Wir haben schon alles eingesät. Aber leider war in den vergangenen Wochen die Witterung zu schlecht“, sagt Dietz.

In dem kleinen Teich sind dennoch schon Krebsscheren, Sumpfdotterblumen und Seerosen zu finden. Auch die ersten Kaulquappen sind schon zu sehen. „Obwohl wir sie hier nicht eingesetzt haben“, sagt Dietz nicht ohne Stolz. „Mal schauen, was sich noch alles ansiedeln wird.“

Auf der Wildblumenwiese soll eine Vielzahl von Insekten Platz finden, damit die Kinder verschiedene Blütenformen entdecken können und lernen, dass es neben der Honigbiene noch viele verschiedene Wildbienen-Arten in der Natur gibt. „Zudem wollen wir noch ein Wildbienen-Hotel mit den Kindern bauen“, sagt Dietz.

Die Wildhecke soll Insekten, Vögeln und Amphibien Nist- und Ruheplätze bieten, sodass die Schulklassen die

Tiere beobachten

und kennenlernen können. Im Grabeland können die Kinder Beete mit Karotten oder Kartoffeln anlegen. Ein Gewächshaus und ein Schuppen, ausgestattet mit allen möglichen Gerätschaften wie Rechen, Kescher und Mikroskop, sollen noch aufgebaut werden. Auch Stühle, Tische und ein Sonnenschutz sollen noch folgen.

Schon jetzt muss Dietz allerdings feststellen: „Das ist ein sehr pflegeintensiver Bereich.“ Mindestens ein Mal pro Woche müsse man in dem Garten vorbeischauen und Unkraut beseitigen. „Sonst werden wir der Sache nicht mehr Herr.“

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