"Mahl ganz anders": Die kurze Inszenierung wurde am Nachmittag des Gründonnerstags an acht Stationen in der Frankfurter Innenstadt aufgeführt - so auch auf dem Römerberg. Fotos: Holger Menzel
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"Mahl ganz anders": Die kurze Inszenierung wurde am Nachmittag des Gründonnerstags an acht Stationen in der Frankfurter Innenstadt aufgeführt - so auch auf dem Römerberg. Fotos: Holger Menzel

Ostergeschichte

Das letzte Abendmahl vorm Römer

  • vonSandra Kathe
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„Mahl ganz anders“ heißt das Projekt, mit dem das Team von „evangelisch.de“ an die Ursprünge des Osterfestes erinnern will. Nach dem Vorbild des Da-Vinci-Gemäldes zogen 13 Darsteller am Gründonnerstag durch die Innenstadt.

Irritiert schauen Passanten am Gründonnerstag einer Menschengruppe hinterher, die durch die Straßen der Innenstadt wandert. 13 Leute, unter dem linken Arm Klappstühle, in der rechten Hand Requisiten für eine eigenartige Vorstellung, die die Menschen in der Stadt an die religiösen Hintergründe des Osterfests erinnern soll. Begleitet werden sie von einem Filmteam.

Vor der Katharinenkirche an der Hauptwache bleiben sie stehen, Spielleiter Frank Muchlinsky legt einen blauen Faden aus, die Bühne. Die Darsteller klappen ihre schwarzen Stühle auf, setzen sich. Vier bauen eine lange Tafel auf, andere decken den Tisch und platzieren Schüsseln mit Trauben, Wasserflaschen und einen Laib Brot. Sie nehmen ihre Plätze ein. Dieselbe Szene später am Opernplatz, auf dem Römerberg und auf dem Eisernen Steg. Die 13 spielen das letzte Abendmahl nach, die biblische Geschichte vom letzten Treffen von Jesus und den zwölf Aposteln.

Dass sie es mit Straßentheater zu tun haben, erkennen viele Zuschauer erst auf den zweiten Blick. „Vielleicht Speed-Dating“, rätselte etwa Rita Kaminski, die an der Alten Oper auf die Darsteller gestoßen war. Die nehmen derweil an der fertig gedeckten Tafel ihre Positionen ein, verharren, stimmen einen langen Ton an, der lauter und lauter wird. Schließlich wirft die Darstellerin, die den Judas spielt mit lautem Knall einen prall gefüllten Münzbeutel auf den Tisch. Das Geld, das Judas für den Verrat Jesu erhalten haben soll.

Die Spielszene endet so abrupt wie die Schauspieler sie begonnen haben. „Schnell und rational“, kommentiert Rita Kaminski.

Zwei der Amateur-Schauspieler an der Abendmahl-Tafel sind Christian und Steffi. Christian wurde über Bekannte auf das Projekt aufmerksam gemacht und war direkt begeistert von der Idee, die biblische Szene in seiner Heimatstadt aufzuführen. Steffi ist wie einige der anderen Schauspieler Theaterpädagogin. „Der Hinweis, dass Ostern nicht nur mit bunten Ostereiern und Schokolade zu tun hat, ist heutzutage schon angebracht“, finden auch sie.

Initiator Frank Muchlinsky, der die Aktion 2011 erstmals mit Amateur-Schauspielern in Hamburg inszenierte, ist zufrieden mit der Resonanz. Er und seine Helfer verteilen Flugblätter, auf denen die Aktion erklärt ist. „Unser Ziel war es, die Leute an den christlichen Hintergrund des Osterfests zu erinnern“, erklärt Muchlinsky. „In der Hoffnung, dass einige auch mal wieder in den Gottesdienst gehen.“

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