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Protest gegen hohen Öl- und Benzinverbrauch: Demonstranten blockieren A 66 und A648

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Von: Thomas J. Schmidt

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Demonstranten sitzen während einer Blockadeaktion der Protestgruppe "Letzte Generation" auf der A66 vor Polizisten und blockierten Autobahn. Dahinter stauen sich Autos kilometerweit.
Demonstranten sitzen während einer Blockadeaktion der Protestgruppe "Letzte Generation" auf der A66 vor Polizisten und blockierten Autobahn. Dahinter stauen sich Autos kilometerweit. © dpa

Verkehrsblockaden auf den Stadtautobahnen aus Protest gegen den hohen Öl- und Benzinverbrauch: Die "Letzte Generation" hat gestern an verschiedenen Stellen die Stadt lahmgelegt.

Frankfurt - Pendler hatten es schwer gestern: Aktivisten der "Letzten Generation" blockierten am Vormittag die Autobahnen 648 und 66 in Frankfurt. Die Länge der Staus bemaß sich in vielen Kilometern.

Jeweils einige Dutzend Aktivisten setzten sich auf die Autobahnen und klebten ihre Hände mit Sekundenkleber fest. Schauplätze waren unter anderem die Miquelallee, Ecke Hansaallee, die A 66 in Höhe der Ginnheimer Landstraße sowie die A 66 zwischen der Ginnheimer Landstraße und Bockenheim. An der A 648 war unter anderem der Katharinenkreisel Schauplatz der Blockaden. Insgesamt gab es am Vormittag sieben solcher Aktionen. Die Verkehrsblockaden dauerten jeweils etwa eine Stunde, es waren je etwa ein Dutzend Aktivisten dabei.

Protestaktion: Demonstranten blockieren Autobahnen

Auf der A 66 etwa klebte die Aktivistin Melanie Guttmann. Ihre Aktion begründete sie mit den Worten: "Ich kann nicht weiter zusehen wie fossile Brennstoffe unser aller Leben zerstören. Trotzdem plant die Bundesregierung fossile Infrastruktur weiter auszubauen. Das ist fossiler Wahnsinn."

Wie die Polizei mitteilte, wurden die Straßen durch die Polizei abgesperrt. Um die Festgeklebten vom Asphalt zu lösen, sei die Hinzuziehung von Ärzten erforderlich gewesen, so die Polizei. Anschließend gab es für sie Platzverweise. Nachdem zwölf der Aktivisten der "Letzten Generation" der Aufforderung nicht nachgekommen sind, wurden sie ins Polizeigewahrsam gebracht.

Am Nachmittag ging es weiter. Diesmal waren nicht die Autofahrer, sondern zwei Bankzentralen das Ziel: Deutsche Bank und Commerzbank. Die "Letzte Generation", eine bundesweite Organisation, deren Aktivisten jeweils auch bundesweit anreisen, hatte Frankfurt als Ziel erkoren, weil hier, im Zentrum der Finanzwirtschaft, auch die finanziellen Entscheidungen zugunsten der Investitionen in die von den Teilnehmern abgelehnten fossilen Energieträger getroffen werden.

Um kurz vor halb drei Uhr stoppte ein weißer Kleinbus mit Münchener Kennzeichen auf einem Behindertenparkplatz in der Großen Gallusstraße. Die Insassen stiegen aus, legten rote Westen um und wuchteten je zu zweit große Ölfässer von der Ladefläche. Sie schleppten sie die Treppen zur Commerzbank hinauf - um oben die Stöpsel herauszudrehen und große Mengen schwarzer Farbe die Treppe hinablaufen zu lassen. Andere nutzten farbgefüllte Feuerlöscher, um die Glasfassade der Bank zu kennzeichnen: Pechschwarze Schlieren spritzten bis hoch über den Eingang.

Die Farbaktion war blitzschnell durchgeführt und ließ die Security der Bank sprachlos. Durch die Glasfassade starrten sie fassungslos auf das Geschehen vor der Tür. Vier der insgesamt zwölf Aktivisten setzten sich nebeneinander vor einem der Fenster auf den Boden. Ihre Handflächen versahen sie mit Sekundenkleber und pressten sie auf das Glas.

Protestaktion: Demonstranten äußern sich zur Blockade

Stefan Lux (40), Entwicklungsingenieur aus Ingelheim, war einer von ihnen. "Ich bin nicht gerne hier", sagte er. "Ich fühle mich unwohl." Doch die Commerzbank habe zwölf Milliarden Euro ins Ölgeschäft investiert, die Deutsche Bank - wo zeitgleich eine ähnliche Aktion der "letzten Generation" stattgefunden hat - noch mehr. "Und die Bundesregierung deckt Öl-, Kohle- und Gasgeschäfte durch Exportbürgschaften in Höhe von 145 Milliarden Euro ab."

Die "Letzte Generation" fordert den sofortigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Aktivisten hatten bereits im Februar eine Zufahrtsstraße zum Frankfurter Flughafen blockiert. Kurz nach Beginn des Bundesliga-Spiels der Frankfurter Eintracht am Sonntag gegen den SC Freiburg banden sich zwei Aktivisten mit Kabelbindern am Torpfosten fest und sorgen so für eine rund fünfminütige Spielunterbrechung. Seit Januar blockiert die "letzte Generation" den Straßenverkehr in verschiedenen Städten. (Thomas J. Schmidt)

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