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Licht und Schatten auf der Zeil

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Von: Matthias Bittner

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Einen ?Flagship-Store?, eine Art Vorzeigeladen, will ein Telefonanbieter im Haus Zeil 81 eröffnen.
Einen ?Flagship-Store?, eine Art Vorzeigeladen, will ein Telefonanbieter im Haus Zeil 81 eröffnen. © Bernd Kammerer (.)

Umbauarbeiten, Neubauten und mehrere Geschäftswechsel stehen der Zeil demnächst bevor. Das genügt Einzelhandelspräsident Joachim Stoll aber nicht.

Wer durch die Schaufenster der ehemaligen Strauss-Filiale auf der Zeil schaut, sieht Handwerker arbeiten. Nicht mehr lange wird es dauern, dann eröffnet hier die Drogeriemarktkette „dm“ eine weitere Filiale. Schräg gegenüber wird es närrisch: Der Karnevalspezialist Deiters bereitet die Eröffnung seiner mittlerweile 20 Filiale im Bundesgebiet vor. Ab Juli bietet das Unternehmen mit Hauptsitz in Frechen auf rund 1200 Quadratmetern Kostüme für Fastnacht, Trachten und Bekleidung für Mottopartys an.

Bewegte Zeiten stehen der umsatzstarken Einkaufsstraße aber vor allem wegen größerer Bautätigkeiten bevor. Die Zeilgalerie wird größtenteils abgerissen und durch den Neubau „Upper Zeil“ ersetzt (wir berichteten). Ende 2018 soll das sieben Stockwerke hohe Gebäude fertig sein. Hauptnutzer wird die Galerie Kaufhof, die sich vergrößert und knapp 11 000 Quadratmeter in dem Komplex belegt. Weitere Mieter sind der Telefonanbieter Vodafone und die Modefirma „Reserved“.

Bereits begonnen hat der Abriss des Gebäudes Zeil 107, dessen Einzelhandelsflächen zuletzt die Bekleidungskette „New Yorker“ nutzte. Es ist aber noch offen, ob das Modeunternehmen in den Neubau wieder einziehen wird. Am angestammten Standort 111 wird auch künftig die traditionsreiche Hirsch-Apotheke zu finden sein. Das in den 1950er Jahren errichtete Gebäude weicht einem modernen Neubau. Bauherrin für das Torhaus zwischen Holzgraben und Zeil ist die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung mit Sitz in Bad Homburg. Der Abriss läuft bereits, fertig sein soll das Wohn- und Geschäftshaus im Herbst 2017.

Positives Zeichen

Es wird also eng in den nächsten beiden Jahren auf der oberen Zeil. Einzelhandelspräsident Joachim Stoll nimmt es aber gelassen: „Man kann sich nicht waschen, ohne nass zu werden.“ Er bezeichnet die Bauarbeiten als ein positives Signal, die Renovierungsarbeiten seien eine willkommene Aufwertung für Frankfurts Haupteinkaufsmeile. „Die Bautätigkeiten sind ein Zeichen, dass wieder investiert wird“, sagt er. Nach Stolls Einschätzung sind weiterreichende Anstrengungen als nur schicke Neubauten nötig, um den durch den Online-Handel ausgelösten Trend umkehren zu können. „Weltweit gehen immer weniger Menschen in die Stadt. Dem kann sich auch die Zeil nicht entziehen. Der Einkauf muss heutzutage ein Erlebnis sein. Um Kunden locken zu können, muss ihnen Entertainment geboten werden“, betont der Einzelhandelspräsident. Davon sei in Frankfurt aber so gut wie nichts zu spüren.

Stoll vermisst grundsätzlich ein Marketing-Konzept. Viele Menschen wüssten oft gar nicht, was in Frankfurt so alles passiere. Als Beispiel nennt er das Grüne-Soße-Festival. Das kenne man vielleicht noch im Stadtgebiet, im Taunus sei die Veranstaltung den meisten Menschen jedoch völlig unbekannt. „Die fahren doch lieber ins Main-Taunus-Zentrum nach Sulzbach anstatt nach Frankfurt“, bedauert er.

Einen Neuanfang wagen

Deshalb sieht Stoll das drohende Aus für den Marketingverein CityForum ProFrankfurt sogar als Chance. Der Verein hatte kürzlich Insolvenz angemeldet (wir berichteten). Vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem ehemaligen Geschäftsführer Heinz Schmitz, dem gekündigt worden war und dem der Verein jetzt nach dem Urteilsspruch 200 000 Euro zahlen muss. Das Geld kann der Verein aber nicht aufbringen. „Es muss eine Nachfolgeorganisation geben, vielleicht als städtische GmbH mit eigenem Etat“, schlägt er vor. Wirtschaftsförderung, Tourismus GmbH und auch Hoteliers sowie Einzelhändler könnten nach Ansicht von Stoll beteiligt sein, um ein effizientes Marketingkonzept nach dem Vorbild der Stadt Hamburg auf den Weg zu bringen. Das hat Stoll beim CityForum ProFrankfurt vermisst, das zuletzt nicht über eine Alibi-Funktion hinausgekommen sei.

Der Frankfurter Rudolf (39) sieht die Sache nicht ganz so negativ. Grundsätzlich sei alles zu bekommen in der Innenstadt, er vermisst nur ein schönes Café auf der Zeil. Hermann Weinert (63) aus Osterwieck und auf der Durchreise, ist sogar sehr angetan von der Zeil: „Es ist so sauber hier.“ Das dürfte sich ändern, wenn die Baumaßnahmen beginnen...

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