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Wohnhaus mit Discounter: So soll der Neubau in der Mainzer Landstraße mal aussehen. Stadtrat Mike Josef hätte gerne mehr davon. Visualisierung: Lidl

Pilotprojekt

Lidl-Neubau im Gallus als Vorbild: Leben auf dem Supermarkt

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In einigen Wohnvierteln gibt es noch Supermarkt-Gebäude, die viel Raum ungenutzt lassen: ein Erdgeschoss, viele Parkplätze und sonst nichts. Stadtrat Mike Josef (SPD) will das ändern. Sein Planungsamt hat systematisch nach Einzelhandelsstandorten gesucht, an denen Wohnungen entstehen könnten. Vorbild ist ein Lidl-Neubau im Gallus.

Ein Bauprojekt in der Mainzer Landstraße im Gallus soll Schule machen. Die Discounter-Kette Lidl reißt dort eine ältere, eingeschossige Filiale ab, um sie durch einen mehrgeschossigen Neubau zu ersetzen. Im Erdgeschoss soll weiter eingekauft werden, aber darüber wird es neue Wohnungen geben. „Es ist ein Pilotprojekt“, sagte der für Stadtplanung zuständige Dezernent Mike Josef (SPD) am Montagabend im Planungsausschuss. „Wir wollen, dass noch mehr solcher mindergenutzten Grundstücke sinnvoll bebaut werden.“

19 Standorte im Fokus

Das Stadtplanungsamt hat sich deshalb 213 Standorte von Disountern und Getränkemärkten in ganz Frankfurt angesehen. 82 davon seien nur eingeschossig bebaut, hätten also grundsätzlich Potenzial für eine Aufstockung, sagte Josef. Wobei Aufstockung hier meint: Abriss und Neubau. Denn schon allein der Statik wegen, ist es in der Regel nicht möglich, die Wohngeschosse einfach auf den bestehenden Supermarkt zu setzen.

Von diesen 82 Standorten wiederum lägen 51 in Wohngebieten, in denen entsprechende Neubauprojekte planungsrechtlich ohne Probleme genehmigt werden könnten. 19 davon stufte das Planungsamt dann nach weiteren Prüfschritten als vielversprechend ein.

„Insgesamt könnten auf diesen Grundstücken etwa 1000 Wohneinheiten entstehen“, sagte Stadtrat Josef im Ausschuss. „Das entspricht immerhin einem Stadtquartier.“ In anderen deutschen Städten sei das Potenzial allerdings noch größer. Das liege daran, dass Frankfurt in vielen Gebieten schon jetzt sehr dicht bebaut sei.

„Wir werden mit den Einzelhandels-Unternehmen zügig ins Gespräch treten“, versprach Josef. Bundesweit sei bei diesen Firmen inzwischen ein Umdenken vorhanden. Denn sie hätten erkannt, dass sich Wohnungsbau wirtschaftlich lohnen könne.

Fraktionen stimmen zu

Im Planungsausschuss stieß Josefs Vorstoß auf breite Zustimmung. Alle Fraktionen begrüßten die Vorarbeit des Stadtplanungsamts. Nils Kößler (CDU) sagte, die Idee, das Potenzial solcher Supermarkt-Standorte zu nutzen, sei in Frankfurt nicht neu. „Aber wir freuen uns, dass die Stadt das jetzt offensiv angeht.“

Sieghard Pawlik (SPD) regte an, nicht nur über zusätzliche Stockwerke sondern auch über eine Bebauung oder Begrünung der Parkplätze nachzudenken. „Das würde der Stadt gut tun.“ Die Autos könnten in eine Tiefgarage.

Ulrich Baier (Grüne) lobte Mike Josef und sein Stadtplanungsamt für die „tolle Idee“ und sagte: „Es war jahrelang leider nicht möglich, Wohnen und Gewerbe zu verbinden. Mathias Mund (Bürger für Frankfurt) schlug vor, diese Verbindung noch weiter zu denken. „Weshalb nur in Wohngebieten geeignete Standorte suchen? Die meisten großen Supermärkte sind doch in Gewerbegebieten“, sagte Mund. „Vielleicht ist dort im Einzelfall eine Befreiung vom Bebauungsplan möglich.“

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