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Sie können es einfach nicht lassen: Nach dem Festakt im Kaisersaal zum 25-jährigen Bestehen des Franziskustreffs servierten Bruder Michael (links) und Bruder Paulus Leckereien. Solche geben sie ansonsten an Bedürftige und Obdachlose aus.

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Seit 1993 gibt es im Schärfchengäßchen den Franziskustreff. Er ist im Kapuzinerkloster untergebracht. Gegründet wurde er vom Franziskanerbruder Wendelin – mit

Seit 1993 gibt es im Schärfchengäßchen den Franziskustreff. Er ist im Kapuzinerkloster untergebracht. Gegründet wurde er vom Franziskanerbruder Wendelin – mit einem Startkapital von 1 500 Mark. Wendelin hatte die Idee, einen Treffpunkt für Bedürftige zu schaffen, eine Zufluchtstelle und einen Anlaufpunkt, sagte jetzt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Kaisersaal in seiner Ansprache zum 25-jährigen Bestehen des Treffs. „Anfangs kamen nur 20 bis 30 Bedürftige“, so der Rathauschef. Heute gebe es dort eine Art „Schichtbetrieb“.

Nicht nur angesichts dieses Andrangs hätten sich die Verantwortlichen – Bruder Paulus und Bruder Michael – die Frage gestellt, ob es angebracht sei, zu feiern. Schließlich wäre es besser, wenn der Franziskustreff, wo Arme und Obdachlose für wenig Geld frühstücken können, überflüssig wäre. Und gefeiert werden könnte, dass er aufgrund mangelnder Nachfrage geschlossen werden könnte. „Aber wir werden schon noch eine Weile gebraucht“, sagte Bruder Paulus, der den Franziskustreff von 2010 bis 2014 leitete. Danach wurde er von Bruder Michael abgelöst.

Die Feier sei ein Dank an die haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. „Es gibt viele Menschen, die ohne sie nicht wüssten, wohin“, lobte Feldmann. Und wies darauf hin, dass nicht nur die Zahl der Bedürftigen gestiegen, sondern auch die der Unterstützer gewachsen sei – „zum Glück“. Dies spreche für die Mainstadt. „Die Menschen, die helfen, tun das nicht mehr nur voller Demut und Bescheidenheit, sondern sie stellen sich hin und sagen, dass das richtig ist. Das ist keine Nischenarbeit“, lobte der OB. Der Franziskustreff sei ein „starker integraler Bestandteil der Stadt“.

Zu den Helfern zählen Regina und Gregor Merckle. „Ich bin für die Hauswirtschaft zuständig und seit 14 Jahren im Treff tätig“, erzählt Regina Merckle, die mit ihrem Mann dort seit zehn Jahren zusammenarbeitet. Das sei eine Herausforderung, denn manchmal stützten sie sich, „aber manchmal sind wir uns auch im Weg“. Zu den Helfern zählt auch der Pilot Christian Hirschmann, der viel unterwegs ist, aber dennoch versucht, einmal im Monat ehrenamtlich zu helfen. „Es ist schön, meine Zeit für eine gute Sache zu teilen“, sagt er. Er habe im Leben Glück gehabt und wolle etwas zurückgeben. „Der Franziskustreff ist ein besonderer Ort, an dem die Nächstenliebe einen hohen Stellenwert hat.“

OB Feldmann betonte, ein Anliegen des Treffs sei auch, andere Lebenswege zu respektieren, die Würde der Menschen auch in ihrer Hilflosigkeit zu akzeptieren und zu schützen. „Wir ziehen unseren Hut vor ihrer Arbeit“, erklärte der Rathauschef.

Ein Frühstück und soziale Beratung im Schatten der Liebfrauenkirche zu geben, „das ist unser Archetypus“, sagte Bruder Paulus. Der Treff sei ein Ort der Gastfreundschaft, wo niemand das Recht verliere, Gast zu sein. „Wir glauben daran, dass die Stadtgesellschaft eine ist, die nicht vergisst, wofür ihr Möglichkeiten und Reichtum gegeben sind – nicht für sich, sondern um sie mit vielen zu teilen“, so Bruder Paulus.

(es)

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