Frankfurt Bioland Gemüse-Gärtnerei, Schüler erkunden die Gewächshäuser der Frankfurter Grünen Soße, v.l.n.r.: Dogukan, Elias & Vasuwat
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Frankfurt Bioland Gemüse-Gärtnerei, Schüler erkunden die Gewächshäuser der Frankfurter Grünen Soße, v.l.n.r.: Dogukan, Elias & Vasuwat

Projektwoche zum Thema Nachhaltigkeit

Lieber auf saisonale und lokale Produkte setzen

  • VonThorben Pehlemann
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Er habe bisher noch nie darüber nachgedacht, wie Supermärkte im Winter an reife Tomaten kommen, sagt Elias (15). Seit ein paar Tagen jedoch beschäftigt sich der achte Jahrgang der IGS Eschersheim

Er habe bisher noch nie darüber nachgedacht, wie Supermärkte im Winter an reife Tomaten kommen, sagt Elias (15). Seit ein paar Tagen jedoch beschäftigt sich der achte Jahrgang der IGS Eschersheim mit einer Projektwoche zum Thema Nachhaltigkeit. Jetzt kennt er die Antwort: Zu großen Teilen werden die Tomaten aus südlichen Ländern eingeflogen oder hierzulande in beheizten Gewächshäusern kultiviert. Was daran problematisch ist, erkennt Elias nicht sofort: „Es wäre doch auch schlecht, wenn man im Winter verzichten müsste“, sagt er.

Was der junge Mann damit ausdrückt, ist das Mantra der hiesigen Lebensmittelindustrie und der an den Überfluss gewöhnten Gesellschaft: Alles muss immer verfügbar sein, und zwar möglichst in großen Mengen und zu geringem Preis. Damit sich dieses Bild nicht schon bei Heranwachsenden festsetzt, bietet der Verein Umweltlernen derzeit eine Woche lang Workshops mit dem Titel „Sieben Tage, sieben Kräuter“ an. Schüler aus der ganzen Stadt werden in die Gemüsegärtnerei Im Bärengarten eingeladen, um ihr Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen biologisch-nachhaltigem Anbau von Lebensmitteln und der globalen Klimaveränderung zu schärfen.

Denn auch wenn gesunde Ernährung mit Bio-Lebensmitteln derzeit im Trend liege, könne man nicht von einer Massenbewegung sprechen, erklärt Umweltlernen-Sprecherin Barbara Clemenz: „Viele Familien können sich Bio gar nicht leisten.“ Oftmals sei die Entscheidung für oder gegen Bio nicht eine Frage des Bewusstseins, sondern der Preise. Allerdings sollte man sich auch fragen, „ob Tomaten im Winter wirklich 2000 Kilometer lang reisen müssen, damit wir die rote Farbe im Salat haben“ – schließlich würden dabei klimaschädliche Abgase verbreitet und Energie für beheizte Gewächshäuser verbraucht. „Man muss nicht nach gewohnten Schemata leben. Es lohnt sich, darüber nachzudenken“, meint daher Clemenz und weist auf den klimafreundlichen, weil saisonalen und lokalen Anbau heimischer Kräuter- und Gemüsesorten wie in Oberrad hin – etwa die sieben magischen Kräuter des Frankfurter Nationalgerichts. „Auch damit kriegen wir Farbe auf den Tisch“, sagt sie, während im Gewächshaus nebenan die Tomatensträucher noch kleine Pflänzlinge sind.

Letztlich sei es wichtig, fährt Barbara Clemenz fort, dass Jugendliche mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert werden, weil sie langsam in ein Alter kämen, in dem sie zunehmend auch selbst Nahrungsmittel kauften. „Das ist ein guter Zeitpunkt, um zu zeigen, wie groß unser Einfluss auf die Ökologie ist.“

Laut dem Robert-Koch-Institut bestehe zudem bei einem Fünftel aller elf- bis 17-Jährigen ein Verdacht auf Essstörung wie Bulimie, Magersucht, Mangelernährung – bei Mädchen zwischen 14 und 17 steigt die Zahl sogar auf ein Drittel. „Wenn man ein Kind vor die Wahl zwischen Schokoriegel und Kressebrot stellt, wird die Entscheidung wohl nicht zugunsten des gesunden Nahrungsmittels fallen“, vermutet Clemenz. Umso erfreulicher findet sie es, wenn junge Menschen wie Dogukan (14) sagen: „Man muss eben mal das eine, mal das andere essen. Alles in Maßen.“ Und für Elias sei es „sehr wichtig“, über die Ernährung nachzudenken.

(peh)

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