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Prozess

Urteil: Liebeskranker Brandstifter legt Feuer im Haus seiner Ex-Freundin - Gefängnisstrafe

Er konnte es nicht verwinden, dass ihn seine Freundin für einen anderen verlassen hatte. Er stalkte sie, doch war ihm nichts nachzuweisen. Als er Prospekte anzündete und diese in ein offenes Kellerfenster ihres Wohnhauses warf, wurde er geschnappt. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu acht Jahren Haft – allerdings auf Bewährung.

In der Nacht auf den 13. Januar 2017 tobt ein Sturm über Frankfurt. Und einer in Marcel P.s Herz. Der tobt dort allerdings schon länger, seit etwa 15 Monaten. Seit seine Freundin Nicole H. nach mehr als zehnjähriger Beziehung diese beendet und eine andere mit seinem bis dahin besten Freund begonnen hatte.

Marcel P., heute 36 Jahre alt, hat nie so recht losgelassen. Mitunter besetzt er die Parkbank auf der anderen Straßenseite der Wohnung ihres Bruders in der Wittelsbacher Allee, in der Nicole H. seit dem Verlassen der gemeinsamen Bude die Woche über schläft – angeblich, weil er selbst keinen Internetzugang hat und ihren nutzen will. Er kauft Schuhe mit ihrer EC-Karte. Er stellt ihre Daten auf ein Dating-Portal. Immer wieder erhält Nicole H. anonyme Anrufe und Textnachrichten. Immer wieder wird nachts ihr geparktes Auto demoliert. In der stürmischen Januarnacht übernachtet Nicole H. auswärts, aber das weiß P. nicht. Gegen 4 Uhr schleicht er sich zum Mehrfamilienhaus, zupft Werbeprospekte aus Briefkästen, zündet sie an und wirft sie durch ein offenes Kellerfenster.

18 Menschen im Haus

Dass in dem Haus, in dem 18 Menschen wohnen, keine Katastrophe geschieht, ist Daniel D. zu verdanken. Den Nachbarn hält das Heulen des Sturms wach, er verfolgt das Naturschauspiel am Schlafzimmerfenster und wird rein zufällig Zeuge der versuchten schweren Brandstiftung. Er weckt die Nachbarn, ruft Feuerwehr und Polizei und stürmt in den Keller, wo die Flammen bereits auf einen Staubsauger übergegriffen haben. Mit Hilfe von ebenfalls im Keller stehenden fünf Litern Flüssigwaschmittel erstickt er das Feuer. Die Polizei nimmt Marcel P. noch in der Nähe des Tatortes fest. Von Anfang an hatte D. den Ex-Freund seiner Nachbarin in Verdacht. Das hatte er auch davor schon bei den abgeschraubten Klingelschildern. Oder damals, als jemand in einer saukalten Winternacht die unterste Treppenstufe des Hauseingangs vereist hatte. Aber da konnte man nie etwas beweisen.

Diesmal schon. Marcel P. leugnet die Brandstiftung auch gar nicht. Die Polizisten, die ihn festnehmen, fragt er laut Protokoll „bitterlich weinend“, wer sich denn jetzt um seine Katze kümmern solle. Die Antwort: Marcel P. selbst. Das Amtsgericht Frankfurt verurteilt den unglücklich Liebenden und erfolglos Zündelnden zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. In seinem Vorstrafenregister finden sich zwar sieben Eintragungen, aber noch keine wegen versuchter schwerer Brandstiftung.

Immer noch anonyme Anrufe

Sie bekomme noch heute anonyme Anrufe, sagt die 35 Jahre alte Nicole H. im Zeugenstand. „Das mit den Anrufen, das bin ich nicht“, beteuert Marcel P. Seine Ex-Freundin sieht das ähnlich, aber doch anders: Seit der Trennung habe sich Marcel P. „zu einer Person entwickelt, die ich nicht mehr kenne“.

von Stefan Behr

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