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So kennen ihn die Genossen: Engagiert, kämpferisch, dynamisch: Der designierte Planungsdezernent Mike Josef beim SPD-Parteitag.

SPD-Hoffnungsträger Mike Josef

Der Liebling der Partei muss liefern

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Vier Dezernenten wird die SPD in der neuen Stadtregierung stellen, allesamt Neulinge. Einer von ihnen ist der designierte Planungsdezernent Mike Josef. Der 33-jährige SPD-Unterbezirksvorsitzende gilt als politisches Naturtalent und Liebling der Partei.

„Aufstieg durch Bildung“ ist ein Kernthema der deutschen Sozialdemokratie. Mike Josefs Karriere ist der gelebte Aufstieg durch Bildung. Er wurde im syrischen Kameshly, nahe der irakischen Grenze geboren, wo der Vater einen Kiosk betrieb. Die christliche Familie sah in Syrien keine Zukunft für sich. Vor allem die Mutter drängte darauf, in den Westen auszuwandern. Josefs Mutter Maha spricht noch aramäisch, die Sprache Jesu Christi. 1987 kamen die Eltern, Mike und seine beiden Schwestern nach Deutschland. Die Familie lebte in einem Asylbewerberheim in Ulm, kämpfte mit den Behörden. Schließlich erhielt sie Asyl und die deutsche Staatsbürgerschaft. Den Familiennamen änderte sie von Yusuf in die deutsche Entsprechung Josef. Wegen der großartigen Unterstützung in der Zeit des Asylverfahren durch einen evangelischen Pfarrer trat die Familie zum evangelischen Glauben über.

Die Schullaufbahn des Einwandererkindes gestaltete sich im strengen Bildungsland Baden-Württemberg schwierig. Nach der vierten Klasse wollte Josef auf die Realschule gehen. Dazu hätte er einen Notenschnitt in den Hauptfächern von mindestens 3,0 gebraucht. Er hatte 3,1, musste zur Aufnahmeprüfung antreten und scheiterte. Die fünfte Klasse absolvierte er dann an der Sägefeld-Hauptschule im Ulm-Wiblingen. Zum Wechsel auf die Realschule nach der fünften Klasse Hauptschule hätte er in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik einen Schnitt von 2,33 benötigt. Der Lehrer teilte ihm mit, er habe zwei Dreien und eine Zwei. Kurz vor Schulende stellte sich jedoch heraus: Er hatte eine Zwei in Deutsch und Englisch sowie eine Drei in Mathe. Auf den letzten Drücker meldete er sich an der Realschule in Ulm-Wiblingen an. Dort machte Josef die mittlere Reife. Nach einem Jahr Berufskolleg in Ulm besuchte er die Fachoberschule im bayerischen Neu-Ulm mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und bestand das Fachabitur. Zum Studium der Sozialen Arbeit ging er nach Frankfurt. Das Vordiplom nach zwei Semestern berechtigte ihn zum Wechsel an die Goethe-Universität, wo er die Fachrichtung Politikwissenschaft mit dem Diplom abschloss. Diese mühsame Odyssee eines Begabten bis zu Abitur und Hochschulabschluss dürfte Josef nachhaltig geprägt haben. Es gibt CDU-Stadtverordnete im Römer, die über Josef sagen: „Hätte Baden-Württemberg nicht so ein starres Bildungssystem, wäre Josef heute bei uns.“

Kein Wunder, dass Josef aufgrund seiner Erfahrungen „Bildung für alle“ fordert. Die SPD scheint ihm das am ehesten gewährleisten zu können. Mit 22 Jahren trat er in die Partei ein. An der Uni mischte er in der Hochschulpolitik mit. 2006/ 07 war er stellvertretender AStA-Vorsitzender, 2008/ 09 Mitglied im Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen. Die Verfassungsklage gegen die Einführung von Studiengebühren durch die Regierung Roland Koch (CDU) ging auch auf seine Initiative zurück.

Seit 2013 ist Josef SPD-Unterbezirksvorsitzender. Es gelang dem politischen Ausnahmetalent mit dem Wahlsieg von Peter Feldmann (SPD) bei der Oberbürgermeisterwahl 2012 im Rücken, die Flügelkämpfe in der SPD zu beenden und Geschlossenheit herzustellen. Er versteht es besser als sein Vorgänger Gernot Grumbach, die Genossen auf Parteitagen zu begeistern und mitzureißen. Josef spricht außergewöhnlich schnell und wird dabei auch laut. Im Stadtparlament dagegen, dem nicht nur Sozialdemokraten angehören, blieb er rhetorisch hinter dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Oesterling zurück. Josef arbeitet als Organisationssekretär beim DGB. Gemeinsam mit dem Ver.di-Mitglied Feldmann hat er den traditionellen Kontakt der SPD zu den Gewerkschaften wieder verstärkt. Zwar gilt Josef in der SPD als Vertreter des linken Flügels. Er ist aber vor allem ein Pragmatiker durch und durch.

Diese Eigenschaft wird er als zukünftiger Planungsdezernent auch brauchen. Wie sein Vorgänger Olaf Cunitz (Grüne) muss er sich erst in die Materie einarbeiten. Parteifreunde wie der ehemalige Planungsdezernent Martin Wentz, dessen Planungsbüro kürzlich das 15-jährige Bestehen feierte, werden Josef als Ratgeber zur Seite stehen. Doch Josef wird auch seine eigenen Vorstellung einbringen, da kann man sicher sein. Vor allem wird die gesamte SPD in der Koalition mit CDU und Grünen nicht locker lassen, auf ein neues Stadtviertel am Pfingstberg hinzuarbeiten; auch wenn die CDU das Thema aus dem Koalitionsvertrag herauszuhalten wusste. Meistert Josef die komplizierte Aufgabe des Planungsdezernenten, stehen ihm weiter Karriereoptionen offen.

So ist es aus heutiger Sicht durchaus möglich, dass Josef nach einer zweiten Amtszeit von Feldman 2024 Oberbürgermeisterkandidat der SPD wird. Er könnte dann auf Jan Schneider (CDU) treffen. Der Reformdezernent wird in seiner Partei ähnlich hoch gehandelt wie Josef unter den Genossen. Sollten die beiden Hoffnungsträger die Erwartungen ihrer Parteien erfüllen, hätten Frankfurts Bürger 2024 die Qual der Wahl.

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