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Frankfurter Schüler tanzen, singen oder rappen gemeinsam über das, was ihnen wichtig ist - ohne sich im echten Leben getroffen zu haben. Computer machen es möglich.

Bildung

Lieder, die Schüler zusammenbringen

  • vonSarah Bernhard
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Das Frankfurter Musikprojekt "Sing your life" geht weiter: Drei von Kindern und Jugendlichen produzierte Lieder sind jetzt online. Eine Fortsetzung ist bereits ausgemacht.

So motiviert wie der Junge im blauen T-Shirt mit Käppi und Kopfhörer ist sonst kaum jemand. Unermüdlich tanzt er, macht Bewegungen mit den Armen oder Breakdance-Moves. Es ist sein Beitrag zu "Change", einem Lied, das Schüler aus 23 Frankfurter Schulen gemeinsam entwickelt und auch ein Musikvideo produziert haben - ohne sich persönlich getroffen zu haben.

Das war nicht so geplant. Ursprünglich sollten die Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren ihre Lieder gemeinsam einsingen und dann als erste Frankfurter Rock-Pop-Rap-Soul-Oper aufführen, sagt Alix Puhl, die das Projekt mit organisiert hat. "Wir wollten auf der Bühne zeigen: Egal aus welchem Stadtteil du kommst und auf welcher Schule du bist - die Themen, die dich umtreiben, treiben auch die anderen um."

Doch dann kam Corona. Und innerhalb von ein paar Wochen wurde "Sing your life" digital: Statt in ein Studiomikrofon sangen die Teilnehmer nun in ihr Handy und schickten die Sprachaufnahme an das Organisationsteam: Sabine Fischmann und Daniel Kemminer, beide Dozenten an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, sowie 14 ihrer Studierenden. "Davon, dass es plötzlich doch noch die Möglichkeit gab, Musik zu machen, waren alle total begeistert", sagt Puhl.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Studierenden bereits aus den Gedanken, die sich die Kinder und Jugendlichen über ihr Leben gemacht hatten, Lieder geschrieben. Ali Neander, Gründungsmitglied der Rodgau Monotones, hatte sie vertont: "Change", in dem es darum geht, was sich nach Meinung der Schüler ändern sollte, vom Haarschnitt bis zur sinkenden Umweltverschmutzung. "Es geht nicht ohne", das - als Gegenmodell zu "Change" - davon handelt, ohne was es gerade nicht geht, nämlich weder "ohne Kartoffeln jeder Art" noch ohne "immer Zahnpasta am Start", aber auch nicht ohne das THW, eine gefälschte Louis-Vuitton-Tasche oder Selfies. "The Ocean", das dritte Lied, das nun online verfügbar ist und das aus der Eigeninitiative einer Klasse entstand, handelt davon, dass das Leben reich wie ein Ozean ist - der Ozean aber leider auch reich an den Resten unserer Leben.

Kinder und Jugendliche, die nicht wie der Junge im blauen T-Shirt breakdancen wollten, filmten sich beim Singen, beim Diskutieren, beim zusammen Spaßhaben, neben Gamsköpfen mit Sonnenbrillen, mit Motorradhelm - einfach genau so, wie sie Lust hatten. "Das war sehr mutig von ihnen!", sagt Puhl. Sie sorgte mit viel Lob dafür, dass auch die Schüchternen sich am Ende trauten. Eine Klasse drehte einen Stop-Motion-Film mit Lego-Figuren, eine Schule stellte eine Streichergruppe, für die einer der Studenten eigens Noten schrieb.

Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen: Die drei Lieder klingen gut, gehen ins Ohr - und begeistern auch die, die sie gemacht haben. "Dass sie sich gemeinsam hören, obwohl sie nie zusammen in einem Raum waren, finden alle total faszinierend", sagt Puhl.

Weil das Projekt so erfolgreich war, haben sich die Macher nun "trotz der schwierigen Umstände" dazu entschlossen, eine zweite Runde zu starten. Und da es bei "Sing your life" um das tägliche Leben der Jugendlichen geht, sei das Thema eigentlich schon vorgegeben gewesen, sagt Alix Puhl: "5 Dinge, die Covid-19 für mich bedeuten - positiv wie negativ". Die ersten musikalischen Zwischenergebnisse soll es im Januar kommenden Jahres geben.

Hier geht's zur Anmeldung

Die drei Videos der ersten Runde sind auf dem Youtube-Kanal singyourlife online zugänglich. Auch die zweite Runde ist als Schulprojekt konzipiert, bei dem aber auch Einzelpersonen mitmachen können. Anmeldung: www.singyourlife-frankfurt.com.

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