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Die Figuren, die die Caritas gestern auf dem Europaplatz aufstellte, symbolisierten die Zahl der Wohnungslosen in der Stadt. 

"Tag der Wohnungslosen" 

In Limburg leben rund 120 Obdachlose - die Gründe sind vielfältig

Die Caritas hat am Mittwoch in Limburg auf das Problem der Obdachlosigkeit hingewiesen. Im Gegensatz zu früher mache das heutzutage fast niemand mehr freiwillig.

Limburg - Die Limburger Caritas nutzte am Mittwoch den "Tag der Wohnungslosen", um auf dem Europaplatz auf die Situation heimischer Wohnsitzloser aufmerksam zu machen. Allein in Limburg lebten aktuell rund 120 Obdachlose. Harry Fenzl, Leiter Sachbereich Wohnungslosenhilfe der Bezirks-Caritas, dankte der Stadt Limburg für die enge Kooperation seit Jahren. Die sorge dafür, dass Menschen ohne Bleibe in Notunterkünften der Stadt unterkämen.

Limburg: Caritas spricht über Obdachlose 

Aber auch in der heimischen Region sei, so Fenzl, nicht alles Gold, was glänzt. Obwohl die Kommunen per Landesgesetz verpflichtet seien, Menschen ohne Obdach eine Unterkunft anzubieten, kämen im Kreis Limburg-Weilburg nicht alle Städte und Gemeinden ihrer Verantwortung nach. Sie würden erklären, dass sie keinen Platz hätten und die Betroffenen somit vertreiben. Denn wer sich nicht willkommen fühle, der ziehe weiter. Dauerhaft eine neue Wohnung zu finden, sei oft auch in Limburg schwer. Dadurch müssten Menschen teilweise über Jahre in Notunterkünften bleiben, was eigentlich nicht Sinn der Sache sei, so der Caritas-Vertreter.

Scheidung, keine Arbeit, Mieten - mehrere Gründe für Obdachlosigkeit 

Stefan Baudach, Referent für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik des Caritasverbandes, erzählte, Hessen liege bei den Flächenländern im Bereich sozialer Wohnungsbau ganz hinten. Ende 2017 hätten bereits 80 000 Wohnungen gefehlt. 2035 würden es wahrscheinlich 400 000 sein. Von daher gelte es, die Kräfte zu bündeln, neue Wohnungen zu bauen und deren Sozialbindung aufrechtzuerhalten.

Fenzl betonte, dass es sich nicht gehöre, Betroffenen die alleinige Schuld an ihrer Wohnungslosigkeit zu geben. Manchmal komme Obdachlosigkeit durch eine Scheidung oder den Verlust einer Arbeitsstelle plötzlich. Ein Teil der Leute sei überfordert, sich selbst zu helfen. Andere schämten sich. Zunächst einmal versuche man dann, bei Freunden unterzukommen. Aber das funktioniere oft nicht dauerhaft. Irgendwann bräuchten die Leute dann doch fremde Hilfe. Schlimm sei, wenn teilweise Frauen ihren Körper verkauften, nur um vorübergehend bei einem Mann unterkommen zu können.

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"Es gibt im Gegensatz zu früher kaum noch Menschen, die sich die Obdachlosigkeit bewusst als Lebensentwurf aussuchen und mit dem Rucksack durch die Lande ziehen", sagte Fenzl. Fast alle Menschen wollten eine eigene Wohnung. Doch oft fehlten Angebote mit geringen Mieten.

120 Obdachlose in Limburg 

Max Prümm, Geschäftsführer der Limburger Caritas, führte an, dass die Caritas eine Mietwohnung in Bendorf ausgeschrieben habe und sich nach nur einer Minute bereits die ersten Bewerber gemeldet hätten. Die gäben dann teilweise ihre ganze Lebensgeschichte preis, um ihre Chancen zu erhöhen. "Da sieht man, wie groß aktuell der Druck im System ist." Dieses Problem könne ein Akteur alleine gar nicht lösen, sagte Prümm. Das gehe nur durch eine Bündelung aller Kräfte.

Jessica Magnus, Sozialarbeiterin der Stadt merkte an, letztes Wochenende seien alleine in Limburg 82 Personen obdachlos gemeldet gewesen. Dazu seien zwölf Personen gekommen, die durch einen Brand plötzlich auf der Straße gestanden hätten. Da seien noch nicht einmal die 20 Personen mit drin, die aktuell in den Plätzen für betreutes Wohnen des Walter-Adlhoch-Hauses lebten, ergänzte Fenzl. Er schätzt die Dunkelziffer in der Domstadt auf weitere 30 Personen ein. Vor allem junge Menschen wollten sich oft nicht als Obdachlose outen, sondern versuchten zunächst einmal, sich selbst zu helfen. 

Obdachlose in Limburg suchen Anonymität 

16 Prozent der Beratenen im vergangenen Jahr seien Personen unter 25 Jahren gewesen. Ein Viertel darunter seien Frauen. Fenzl erklärte, dass Obdachlosigkeit in der Fläche entstehe. Die in Limburg gemeldeten Obdachlosen stammten aus der gesamten Region. Sie suchten bewusst die Anonymität der Stadt, da es nicht lustig sei, in einem kleinen Dorf als Obdachloser zu gelten.   Von Robin Klöppel

Rund 20 Jahre lang durften im Winter Obdachlose in Frankfurt im Zwischengeschoss der Hauptwache übernachten - ab diesem Jahr gibt es neue Schlafplätze am Eschenheimer Tor.

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