Im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen in Limburg nur wenige Verfahren - wie hier der Prozess gegen eine Kinderporno-Bande. archivfoto: heidersdorf
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Im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen in Limburg nur wenige Verfahren - wie hier der Prozess gegen eine Kinderporno-Bande. archivfoto: heidersdorf

Limburg-Weilburg: Jeder Vierte in Rechtsstreit verwickelt - ein Prozess macht bundesweit Schlagzeilen

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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In Limburg führen Fälle von Trennung, Scheidung oder Erbschaftsstreit dazu, dass jeder Vierte in einen Rechtsstreit verwickelt ist - eine Altersgruppe besonders häufig.

  • Im Landkreis Limburg-Weilburg ist jeder Vierte in Rechtsstreit verwickelt
  • Trennungen, Erbschaften und Urlaubsstreit häufigste Anlässe
  • Im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht Prozess gegen Kinderporno-Bande

Limburg - Männer sind weitaus streitlustiger als Frauen, Mittvierziger sind kämpferischer als die Jungen, und am meisten Zoff gibt es wegen Trennungen, Erbschaftsangelegenheiten oder Urlaubsmängeln - oder nach Verkehrsunfällen und Bußgeldbescheiden. Insgesamt gehören die Menschen im Landkreis Limburg-Weilburg nicht zu den zänkischsten im Land, aber immerhin jeder Vierte war im vergangen Jahr in irgendeinen Rechtsstreit verwickelt.

Sagt jedenfalls der Advocard-Streitatlas. Alle zwei Jahre macht sich der Rechtsschutzversicherer Generali daran, die Fälle auszuwerten, in denen er zahlen muss - und das fein säuberlich aufgedröselt nach Landkreisen.

Kreis Limburg-Weilburg: Rund 26 Streitfälle pro 100 Einwohner

Im vergangenen Jahr zählte der Versicherer zwischen Limburg und Weilburg rund 26 Streitfälle pro 100 Einwohner - Tendenz sinkend; im Jahr 2017 waren es noch 29. Das ist ein Trend, den Michael Meier, der Leiter des Limburger Amtsgerichts, bestätigen kann. Er hat im vergangenen Jahr rund 1300 neue Zivilverfahren gezählt (wenn man die Flut der Klagen gegen VW außer Acht lässt), im Jahr zuvor waren es noch 1400 neue Fälle.

"In wirtschaftlich guten Zeiten wird weniger gestritten", sagt Michael Meier. Aber er weiß auch, dass die allermeisten Streitigkeiten gar nicht vor Gericht landen. "Die Streitbeilegungskompetenzen der Anwälte kann man gar nicht genug loben." Wenn ein Fall dann aber vor Gericht kommt, dann geht es richtig rund: "Die Vehemenz nimmt zu." Die Menschen seien im Gerichtssaal kaum zu Konzessionen bereit.

Landgericht Limburg: Männer kämpfen öfter um ihr Recht als Frauen

Aber ob jetzt die Frauen nachgiebiger als die Männer sind - oder umgekehrt, das könne er nicht sagen, sagt Meier. Gerichte könnten aus Fallzahlen keine Rückschlüsse auf die Streitlustigkeit der Menschen schließen. "Das wäre abenteuerlich."

Der Streitatlas liefert Zahlen und kommt zum Beispiel zu dem Schluss, dass Männer weitaus öfter um ihr Recht kämpfen als Frauen: In 67 Prozent der Fälle nahm ein Mann die Rechtsschutzversicherung in Anspruch, in 33 Prozent der Fälle eine Frau. Am häufigsten streitet die Altersgruppe der 46- bis 55-Jährigen, am seltensten holen sich die 18- bis 25-Jährigen Rat vom Anwalt (2,4 Prozent) - was natürlich daran liegen kann, dass junge Leute seltener eine Rechtschutzversicherung haben.

Auch mit dem Alter scheinen die Menschen nachgiebiger zu werden: Nur in 14,3 Prozent der Fälle streiten 56- bis 65-Jährige mit anwaltlicher Hilfe, und nur in 6,1 Prozent der Fälle Männer und Frauen, die älter als 66 sind. Was vielleicht auch daran liegt, dass ältere Menschen in der Regel so abgesichert sind, dass sie sich nicht um ein paar hundert Euro streiten müssen.

Ein Mann aus #Weilburg soll seine Frau mit einem Küchenmesser lebensgefährlich verletzt haben.

In rund 68 Prozent der verzeichneten Fälle ging es um Summen von weniger als 2000 Euro - aber immerhin in einem Fall um eine Summe bis 100.000 Euro und einmal sogar um etwas weniger als eine Million.

Besonders oft streiten sich die Menschen im Landkreis über private Angelegenheiten: Scheidungen, Erbschaftsangelegenheiten Reisekostenerstattungen, Abofallen oder Darlehensverträge - in 36,7 Prozent der Fälle. Dicht gefolgt von Zoff wegen Unfällen, Bußgeldern wegen zu schnellem Fahren oder wegen Mängeln beim Autokauf - in 36,5 Prozent der Fälle.

Limburg-Weilburg: Kinderporno-Prozess macht Schlagzeilen

Außerdem unterteilt der Streitatlas in Streitigkeiten wegen der "Arbeit" - in 13,2 Prozent der Fälle gab es Krach wegen des Gehalts, einer Kündigung oder schlechten Zeugnisses -, in "Wohnen und Mieten" (8,9 Prozent) und "Behörden und Verwaltung" (4,7 Prozent).

Auch der Streitatlas zeigt, dass die Menschen im Landkreis nicht schnell klein beigeben oder zu Kompromissen bereit sind: Fast die Hälfte der Streitigkeiten (42 Prozent) ist auch nach einem Jahr nicht beigelegt. Und diesen Trend belegen auch die Zahlen des Gerichts: In der ersten Instanz wurden im vergangenen Jahr 1765 Verfahren geführt (inklusive der Verfahren gegen den Volkswagen-Konzern wegen der manipulierten Abgas-Software).

In der zweiten Instanz waren es 219, das sind 16 Verfahren mehr als 2018. "Wenn die Menschen vor Gericht sind, dann wird gefochten bis zum Ende", sagt Michael Meier. Und das gelte für Männer und für Frauen.

Wenn es um schwere Straftaten geht, sei im Bezirk des Limburger Landgerichts (LG) ein ganz klarer Rückgang zu verzeichnen, sagt LG-Sprecher Henrik Gemmer. Das habe vermutlich mit der guten wirtschaftlichen Lage zu tun. "Je besser es den Menschen geht, umso geringer ist ihre Neigung, eine Straftat zu begehen." Die meiste Kriminalität sei Folge von Armut und Arbeitslosigkeit - "wenn die zurückgehen, merken wir das auch vor Gericht".

Die Zahl der neuen Verfahren ist trotzdem gestiegen: 65 waren es 2019 in Erster Instanz (2018 waren es noch 59); in Zweiter Instanz waren es 170 (2018: 219).

Über die Arbeitsbelastung der Kollegen am Gericht sagten die Zahlen nur wenig, sagt Henrik Gemmer. Denn auch besonders aufwändige Verfahren würden ja nur als ein Verfahren gezählt - wie zum Beispiel das Verfahren gegen die JVA-Beamten wegen der Tat eines Freigängers, der als Geisterfahrer einen tödlichen Unfall verursacht hatte.

Von Sabine Rauch

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