Projekt Stadtteilhistoriker

Ljerka Oreskovic Herrmann recherchierte über Frankfurter Maler

  • vonAlexandra Flieth
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Ein vergessener Künstler: Johann Zoffany (1733 - 1810) arbeitete am Hof des britischen Königs George III.

Frankfurt -Es war David Garrick (1717-1779), ein berühmter Shakespeare-Darsteller des 18. Jahrhunderts, der Johann Zoffany (1733-1810) an den Hof des britischen Königs George III. (1738-1820) brachte. Dort avancierte der gebürtige Frankfurter zu einem renommierten, noch heute international anerkannten Maler und stand lange Zeit in der Gunst der Königsfamilie..

In der Mainmetropole gibt es dennoch keine sichtbaren Spuren mehr von Johann Zoffany - trotz der großen Popularität, die der Künstler einst in Großbritannien genoss. "Das Leben in Frankfurt hat Zoffany geprägt, insbesondere in seinem ästhetischen Empfinden", sagt Ljerka Oreskovic Herrmann. Als Stadtteilhistorikerin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist sie in den vergangenen Monaten dieser These nachgegangen und hat sich zum Thema "Johann Zoffany (1733 - 1810): Ein vergessener Frankfurter Maler" auf Spurensuche begeben.

Sie wünscht sich, dass der Künstler in Zukunft einen festen Platz in der Stadt finden wird. Zoffany sei nicht irgendwo großgeworden, sondern im Palais der Fürstenfamilien von Thurn und Taxis, das heute noch in Teilen an der Großen Eschenheimer Straße 10 zu finden ist. "Dort gab es eine Unmenge an Kunst- und kunsthandwerklichen Schätzen", sagt sie. "Diese Dinge hat er täglich gesehen und sie haben ihn schon in jungen Jahren geprägt."

Die Stadtteilhistorikerin ist sich sicher: Zoffany konnte nur zu dem Maler werden, der er war, weil er seine Kinder- und frühen Jugendjahren in Frankfurt verbracht hat.

"Der Vater von Zoffany, der Anton Franz hieß, stand im Dienste der Fürstenfamilie und war dort als Hofbaumeister tätig", erzählt Oreskovic Herrmann. Das Palais sei Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut worden und verfügte über 140 Zimmer. Es galt lange als Sitz der Fürstenfamilie, die das Postwesen über Jahrhunderte hinweg geprägt hat.

"An diesem Ort ist Johann Zoffany aufgewachsen, wurde gemeinsam mit dem Sohn der Fürstenfamilie unterrichtet", sagt sie. "In dieser Zeit muss auch das künstlerische Talent des jungen Johann erkannt worden sein." Er sei im Alter von 13 oder 14 Jahren zu einem Bildhauer nach Ellwangen geschickt worden, um die Anatomie zu lernen.

Mit dem späteren Umzug des fürstlichen Hofes nach Regensburg ging auch die Familie Zoffanys mit in die bayerische Stadt. Der junge Johann habe dort zunächst in der Werkstatt des Künstlers Martin Speer gearbeitet und sei später zur Vertiefung nach Italien gegangen. Im Alter von 27 Jahren verließ er das europäische Festland, um in London sein Glück zu versuchen.

In das Leben des Künstlers einzutauchen, ist aus heutiger Sicht nicht einfach. "Es gibt keine persönlichen Sachen von ihm wie Tagebücher oder Briefe. Ein Brand in seinem Haus in London hat vieles zerstört", sagt Ljerka Oreskovic Herrmann, die für die Recherche zu ihrem Stadteilhistoriker-Projekt viel Zeit in Archiven verbracht und zahlreiche Anfragen gestellt hat.

Berühmt geworden ist Johann Zoffany unter anderem für seine Gemälde, in denen er David Garrick porträtierte und Szenen seines darstellenden Spiels eingefangen hat. "Die Grundlagen für seine Affinität zum Theater und auch zur Musik dürfte Zoffany schon in Frankfurt gelegt haben", ist sich Oreskovic Herrmann sicher. "Es gab zu seiner Zeit in Frankfurt zwar noch keine feste Bühne, dafür kamen aber zahlreiche Opern- und wandernde Theatergruppen in die Stadt."

Viele Bilder von Zoffany seien heute in der königlichen Sammlung zu finden. Eines seiner berühmtesten Werke ist die "Tribuna degli Uffizi". Ein Werk, einer Auftragsarbeit von George III. und seiner Frau Charlotte, zeigt die berühmte Gemäldegalerie der Uffizien in Florenz mit zahlreichen Meisterwerken der Renaissance und Skulpturen der Antike. Berühmte Persönlichkeiten tummeln sich in dem Raum, der wie die Kulisse einer Theaterbühne aufgebaut ist. Es ist Teil der königlichen Sammlung der Queen. "Den Auftraggebern von einst hat das Bild nicht gefallen", sagt Ljerka Oreskovic Herrmann.

Sie hat mittlerweile viel über Johann Zoffany zusammengetragen und plant für das kommende Jahr einen Vortrag über den Künstler zu halten. "Langfristig würde ich gerne ein Buch über ihn veröffentlichen", sagt sie und hofft, ihn damit wieder in seiner Geburtsstadt in Erinnerung zu rufen.

Bewerben Sie sich als Stadtteilhistoriker

Während des 18-monatigen Programms erforschen seit 2007 bis zu 25 geschichtsinteressierte Frankfurter pro Staffel ehrenamtlich die Stadt- und Stadtteilgeschichte. Die Themen der Stadtteil-Historiker entstammen ihrem Lebensumfeld und werden von ihnen selbst ausgewählt. Dabei können, je nach Interesse, die Geschichten von Personen, Familien, Unternehmen oder Ereignissen behandelt werden.

Nach Ende der eineinhalbjährigen Projektlaufzeit sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden: Ob in Form einer Ausstellung, eines Films, eines Buches oder einer Website, kann jeder Stadtteil-Historiker selbst entscheiden.

Die Teilnehmer werden von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft begleitet und unterstützt. Pro Kopf wird von der Stiftung einmalig 1500 Euro für Recherche und Kosten der Präsentation zur Verfügung gestellt. Ferner werden zur fachlichen Qualifizierung zwei Werkstatt-Treffen angeboten.

Als Medienpartner fungiert die "Frankfurter Neue Presse". Die Tageszeitung berichtet während der Projektlaufzeit in einer Artikelserie über die Stadtteil-Historiker und deren Fortschritte.

So bewerben Sie sich:

Erster Schritt: Ideenfindung & Beratung: Wenn Sie als Stadtteil-Historiker aktiv werden möchten, kontaktieren Sie die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die Sie gerne schon bei der Auswahl und Eingrenzung Ihres Themas und bei der Vorbereitung Ihrer Bewerbung unterstützt.

Zweiter Schritt: Sie rechen die Bewerbung ein mit: Projektskizze (maximal zwei Seiten): Was wollen Sie in Ihrem Projekt erforschen? Wie sind Sie auf Ihr Thema gestoßen? Wie möchten Sie vorgehen? Was erwarten Sie von Ihrer Recherche? In welcher Form werden Sie die Ergebnisse präsentieren?

Darstellung der Quellenlage (maximal eine Seite), dazu ein tabellarischer Lebenslauf.

Bewerbungsschluss ist der 18. August 2020.Die Website des Programms mit ausgewählten Rechercheergebnissen finden Sie hier: www.stadtteil-historiker.de

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