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Lkw sollen über die Mörfelder rollen

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Von: Stefanie Wehr

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Lastwagen, die von Ost nach West und umgekehrt durch die Stadt fahren, sollen im Sommer acht Wochen lang über die Mörfelder rollen. Entlang der Fritz-Kissel-Siedlung (hier im Bild) ist die Straße einspurig.
Lastwagen, die von Ost nach West und umgekehrt durch die Stadt fahren, sollen im Sommer acht Wochen lang über die Mörfelder rollen. Entlang der Fritz-Kissel-Siedlung (hier im Bild) ist die Straße einspurig. © Michael Faust

Stadt will Schwerverkehr acht Wochen lang durch den Stadtteil leiten

Wenn der nördliche Mainkai vom 11. Juli bis 5. September gesperrt ist, will die Stadt den Verkehr großräumig umleiten. Schilder sollen darauf hinweisen, dass Pkw anstatt durch die Innenstadt über den Alleen- und Cityring fahren sollen. Der Schwerlastverkehr, der bislang vom Osthafen entlang des Mains durch die Stadt fährt, soll in dieser Zeit durch Sachsenhausen rollen.

Vom Osthafen oder der Hanauer Landstraße sollen die Lastwagen über die Ignatz-Bubis-Brücke, durch die Dreieichstraße und Darmstädter Landstraße fahren, nach rechts auf die Mörfelder Landstraße und schließlich auf der Stresemannallee entlang der Heimatsiedlung Richtung Friedensbrücke und von dort weiter zu Baustellen in der Innenstadt oder ins Gutleut- oder Gallusviertel. Von Westen her kommend in entgegengesetzter Richtung sollen Lkw über die Stresemannallee, die Mörfelder und Offenbacher Landstraße, dann durch die Siemensstraße und Gerbermühlstraße über die Hafen- und Honsellbrücke ins Ostend fahren.

Bericht jetzt erst veröffentlicht

Obwohl das Umleitungskonzept schon vor Monaten im Stadtparlament gefordert wurde, stellten Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) und Dorothee Allekotte vom Straßenverkehrsamt es erst am Montag im Verkehrsausschuss vor. Überdies wurde vergangene Woche 17 Monate nach dessen Fertigstellung der Ergebnisbericht der probeweisen Mainkai-Sperrung von 2019/20 in das städtische Informationssystem Parlis eingestellt - ohne Ankündigung. Der zuständige Ortsbeirat 1 (Innenstadt) hatte seine Sitzung am Abend zuvor gehabt, der Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen) am Freitag. Der Bericht ist auf Dezember 2020 datiert.

Laut Bericht hatte während der probeweisen Sperrung der Verkehr vor allem in Sachsenhausen zugenommen. An der Kreuzung Schweizer Straße und Schaumainkai an der Untermainbrücke stieg das Verkehrsaufkommen "sehr stark", um mehr als das Doppelte (120 Prozent). 35 Prozent mehr Autos als vorher fuhren auf der Untermainbrücke nach Sachsenhausen, in umgekehrter Richtung nach Norden fuhren zwölf Prozent mehr Autos über die Brücke.

Aus Sachsenhausen erntete der Mobilitätsdezernent bei der Vorstellung im Verkehrsausschuss deutliche Kritik, sogar aus den eigenen Reihen. Angelika von der Schulenburg (Grüne), Mitglied im Ortsbeirat 5, sagte: "Für uns Sachsenhäuser ist es schwer zu verstehen, warum die Innenstadt, wo 10 000 Menschen leben, entlastet wird und der Verkehr in unseren Stadtteil verlagert werden soll, wo 70 000 Menschen leben und viele Straßen Schulwege sind. Wir werden bereits von 6 bis 23 Uhr von Fluglärm geplagt, der Pendlerverkehr fährt durch Sachsenhausen." Auf der Mörfelder, wo die Lkw fahren sollen, sei doch ein Radweg geplant, erinnerte sie. Dort sei Radfahren schon jetzt "lebensgefährlich".

Knut Dörfel von der Linken im Ortsbeirat 5 sah im Konzept nur Nachteile. "Am Mainkai werden gute Bedingungen geschaffen, am südlichen Mainufer schlechte." Ortskundige Fahrer würden sich an die Umfahrung ohnehin nicht halten, da sie nur eine Empfehlung sei, monierte er.

Jochem Heumann, Vorsitzender der CDU Frankfurt-Sachsenhausen, nannte das Konzept "eine echte Katastrophe für die Menschen, die an der Mörfelder Landstraße in der Fritz-Kissel-Siedlung und an der Stresemannallee in der Heimatsiedlung wohnen. Denen karren Sie den Schwerverkehr vor die Schlafzimmer und Wohnzimmerfenster". Uwe Schulz, zugleich verkehrspolitischer Sprecher der FPD und Mitglied im Ortsbeirat 5, sagte: "Transparenz und Bürgerbeteiligung geht anders." Er habe sich eine bessere Einbindung der Ortsbeiräte gewünscht. "Die Praxis wird zeigen, was das Umleitungskonzept wert ist", sagte Schulz.

Dass die Stadt das Konzept nicht im Ortsbeirat vorgestellt hat, war schon Thema auf der Sitzung des "Fünfers" vergangenen Freitag. "Es ist ein Skandal, dass der Magistrat es nicht für nötig erachtet, nach Sachsenhausen zu kommen und seine Pläne den Bürgern vorzustellen", sagte Martin-Benedikt Schäfer, Fraktionschef der CDU. Stefanie Wehr

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