Auch an der Messstation in der Friedberger Landstraße gingen die Werte deutlich zurück. Im Vergleich zu 2019 um 19 Prozent. foto: dpa
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Auch an der Messstation in der Friedberger Landstraße gingen die Werte deutlich zurück. Im Vergleich zu 2019 um 19 Prozent.

Diesel

Lockdown reinigt Frankfurts Luft

  • Thomas J. Schmidt
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Ein Fahrverbot im Sommer ist laut Verkehrsdezernent Klaus Oesterling vom Tisch

Frankfurt -Es wird im Sommer kein Diesel-Fahrverbot geben: In Frankfurt wurde 2020 erstmalig an allen Messpunkten der Grenzwert für Stickstoffdioxid eingehalten. Dies geht aus den vorläufigen Messwerten des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hervor. Noch 2019 waren deutliche Überschreitungen des Grenzwerts von Stickstoffdioxid (NO2) registriert worden.

Deutlich unter den alten Werten

Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) im Jahresmittel. Der NO2-Passivsammler in der Battonnstraße (Haltestelle Börneplatz) erfasste 2019 noch 51,0 µg/m³, im Riederwald wurden am Erlenbruch, Höhe Hausnummer 80, und an der Nummer 130 Konzentrationen in Höhe von 43,9 µg/m³ sowie 49,7 µg/m³ gemessen. Auch an der bekannten Luftmessstation in der Friedberger Landstraße wurde der Grenzwert vorletztes Jahr mit 41,7 µg/m³ noch knapp überschritten.

2020 sank die Belastung an der Messstelle Battonnstraße nach Angaben des HLNUG erstmals unter den Grenzwert auf 39,4 µg/m³. Ebenfalls deutlich sind die NO2-Werte Am Erlenbruch auf 35,2 µg/m³ oder 39,7 µg/m³ und an der Friedberger Landstraße auf 33,9 µg/m³ gesunken. Dies teilte die Stadt mit.

Somit ging die Stickstoffdioxid-Belastung von 2019 auf 2020 an den verkehrsnahen, hochbelasteten Stellen in Frankfurt um etwa ein Fünftel zurück: In der Friedberger Landstraße um 19 Prozent, in der Battonnstraße um 23 Prozent, Am Erlenbruch 80 und Am Erlenbruch 130 jeweils um 20 Prozent. Neben diverser Maßnahmen, die in der Stadt zwecks Luftreinhaltung eingeführt wurden, und der allgemeinen Flottenverjüngung von Fahrzeugen (alte Diesel werden verkauft, neue angeschafft) ist dieser Rückgang laut Stadt im Wesentlichen auf das reduzierte Verkehrsgeschehen während der beiden Lockdowns zurückzuführen.

Damit stellt sich die Frage, wie sich die Werte verhalten, wenn der Lockdown endet, möglicherweise Corona besiegt sein wird. Denn dann müsste das Fahrzeugaufkommen ja wieder steigen. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sagte: "Es gäbe im Juli ein Fahrverbot, wenn im gleitenden Mittel der vergangenen zwölf Monate von April 2020 bis März 2021 der Grenzwert überschritten wäre." Dies sei, da ja zehn Monate bereits um seien und die Werte gut, praktisch ausgeschlossen. "Danach wiederholt sich das Verfahren von Quartal zu Quartal. Der nächste Termin für ein Fahrverbot wäre der Oktober 2021, aber die Hälfte der Zeit liegt dann immer noch in der Corona-Periode."

Wie es langfristig weitergeht, wagt Oesterling zwar nicht zu prognostizieren, glaubt aber, dass sowohl die Verjüngung der Flotte als auch die Maßnahmen von Stadt und Land alleine ausreichen, auch ohne Lockdown, die Werte niedrig zu halten. "Ich fürchte, wir werden zunächst einen Wirtschaftseinbruch bekommen mit Entlassungen." Was bedeuten kann, dass dann auch weniger Pendler nach Frankfurt kommen, der Verkehr also mittelfristig niedriger bleibt als vor Corona.

An zwei Frankfurter Passivsammlermessstellen wurden noch geringere Stickoxidwerte festgestellt: In der Pforzheimer Straße eine Minderung um 31 Prozent und am Mainkai um 42 Prozent. Dabei wird der Wert in der Pforzheimer Straße wesentlich durch das ansässige Fernbusterminal bestimmt. Aufgrund der Corona-Pandemie ist das Fernreiseaufkommen eingebrochen, die Stickoxidbelastung sank hier im Verhältnis stärker von 44,0 µg/m³ in 2019 auf 30,5 µg/m³ im vergangenen Jahr.

Die 13-monatige Sperrung des Mainkais bewirkte im Zusammenhang mit den Auswirkungen durch die Corona-Pandemie den mit Abstand größten Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung in Frankfurt. Mit einem Minus von 42 Prozent sank der Messwert von 41,5 µg/³ (2019) auf nur noch 24,2 µg/m³ (2020). Von August 2019 bis einschließlich August 2020 war der Mainkai für den Kfz-Verkehr vollständig gesperrt, zudem sanken die lokalen Stickoxidemissionen aufgrund der eingeschränkten Personenschifffahrt.

Bemühungen reichen nicht

Am 28. Dezember 2020 ist der Luftreinhalteplan für den Ballungsraum Rhein-Main in Kraft getreten. Diesen Luftreinhalteplan hat die Deutsche Umwelthilfe ebenso wie die Frankfurter Maßnahmen heftig kritisiert. In dieser Zeitung sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, dass Land und Stadt die Autofahrer mit Samthandschuhen anfassten. Es brauche vielmehr noch mehr Radwege, teurere Parkplätze, mehr Elektrobusse, Tempo 40 auf einigen Straßen und falls nötig Dieselfahrverbote. "Aber das reicht noch nicht, um den Frankfurter Bürgern ihr Recht auf saubere Luft zu gewähren", sagte Resch. thomas j. schmidt

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