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Einst Parkplatz, jetzt Baustelle: Bagger brechen südlich des Hauptbahnhofs den Asphalt auf. Hier entstehen ein Busbahnhof und ein Parkhaus.

Privatunternehmen investiert 8,5 Millionen Euro

Lösung für Frankfurter Bus-Chaos in Sicht

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Fahrgäste, die in Frankfurt mit Fernbussen auf Reisen gehen, können endlich auf Verbesserungen hoffen: Auf der Südseite des Hauptbahnhofs entsteht bis zum kommenden Frühjahr der erste Bauabschnitt des geplanten Busbahnhofs. Gestern war Baubeginn.

180 Fernbusse kommen täglich in Frankfurt an. Südlich des Hauptbahnhofs, rund um einen großen Parkplatz, warten die Fahrgäste. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen in den engen Straßen. Es gibt weder Wartehallen noch Sitzbänke. Dieser schlechte Zustand soll jetzt ein Ende haben: Auf dem Parkplatz entstehen für 8,5 Millionen Euro im ersten Bauabschnitt bis zum kommenden Frühjahr ein Parkhaus und vier Bushaltestellen. Am Dienstag wurde symbolisch der erste Spatenstich gesetzt.

Für Planungsdezernent Olaf Cunitz und Verkehrsdezernent Stefan Majer (beide Grüne) war es ein guter Tag: Es sei aus städtebaulicher Perspektive ein wichtiger Schritt, die Brachfläche zu bebauen, sagte Cunitz. Majer hofft, dass sich die Fernbus-Situation bald entspannt. Der Hauptbahnhof sei mit 450 000 Umsteigern und Passanten täglich stärker frequentiert als der Flughafen. Da komme es darauf an, Bahn, Bus und Auto zu verknüpfen.

Die Immobiliengesellschaft CA Immo hat das Grundstück 2008 gekauft. Bislang war es ein lukrativer Parkplatz mit 350 Plätzen. Diese Plätze werden nicht verschwinden, sondern auf einem Drittel der Fläche in einem vierstöckigen Parkhaus neu entstehen. Die Parkhaus-Betriebsgesellschaft Frankfurt, eine Tochter der ABG Holding, übernimmt das Management. ABG-Geschäftsführer Frank Junker versprach, die Parkgebühren würden nicht teurer sein als in allen anderen Parkhäusern Frankfurts auch.

8,5 Millionen Euro investiert die CA Immo in den Umbau. Neben dem Parkhaus sollen bis April zunächst vier Parkbuchten für Fernbusse entstehen. In einem zweiten Schritt plant CA Immo ab Sommer 2016 ein Gebäude an der Ecke Mannheimer/Karlsruher Straße zu errichten. Wie das Gebäude aussehen wird, konnte Jakob Vowinckel, Leiter des Standorts Frankfurt der CA Immo, gestern noch nicht sagen: „Die Verhandlungen mit dem Kauf-Interessenten laufen noch.“ Nach der Fertigstellung der Tiefgarage des neuen Gebäudes im Frühjahr 2017 ist geplant, sechs weitere Fernbussteige in Betrieb zu nehmen. Ist das Gebäude im Sommer 2018 endgültig fertig, wird auch der Fernbusbahnhof komplettiert: 14 überdachte Bussteige wird es dann geben, im Neubau sind Aufenthaltsräume, Ticketverkauf, Café und ein WC für die Fahrgäste vorgesehen.

Im ersten Schritt wird das provisorische Parkhaus erstellt. 350 Parkplätze für Autos und weitere 300 für Fahrräder werden in dem Modulbau, der dem Parkhaus der Uniklinik an der Deutschordenstraße ähnelt, untergebracht. Das sei kostengünstig und schnell zu errichten, hatte AGB-Geschäftsführer Frank Junker schon bei der Vorstellung des Projekts vor einem halben Jahr berichtet. Für Fahrradfahrer, die ihr Rad zu einem symbolischen Preis einstellen können, soll auch eine kleine Werkstatt und eine Waschanlage eingerichtet werden.

Es ist nicht der endgültige Zustand: Das provisorische Parkhaus könnte abgetragen werden, wenn sich ein Interessent findet, der auf dem Gelände ein Hochhaus errichtet. Die öffentlichen Parkplätze sollten dann als Tiefgaragenplätze angeboten werden. Während der Bauarbeiten werden auf der Südseite des Hauptbahnhofs weiterhin Fernbusse und Straßenbahnen abfahren, auch die Parkplätze bleiben in Betrieb. Es wird anspruchsvoll, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Die Anbieter der Fernbuslinien sind mit den Plänen zufrieden. „Es werden 14 Haltebuchten versprochen, das sieht aus wie ein vollwertiger Fernbusbahnhof“, sagte Gregor Hintz, Sprecher von Meinfernbus/Flixbus. „Alles, was anders ist als der jetzige Zustand, ist eine Verbesserung.“ Meinfernbus habe immer gefordert, dass die Fernbusse im Stadtzentrum halten sollen, und sich bereiterklärt, für gute Halteplätze auch Gebühren zu zahlen, wie das jetzt geplant ist. Für die Bauphase hofft Hintz auf ein „tragfähiges Konzept“. Meinfernbus sei offen für Gespräche.

Der Fernbusbahnhof ist nur ein Glied der Planungen für den Umbau des Hauptbahnhofs. Nach einer Erneuerung der B-Ebene und der Verlegung der Taxi-Halteplätze an die Nordseite des Bahnhofs soll auch der Busparkplatz südlich des Haupteingangs neu gestaltet werden. Auch deswegen ist ein großer Fernbusbahnhof im Süden des Hauptbahnhofs erforderlich.

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