Neuer Ärger um Multifunktionsarena droht

"Löwen"-Chef sauer: "Dieser Irrsinn am Kaiserlei muss aufhören"

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Dass die Skyliners-Basketballer nun selbst am Kaiserlei eine Großhalle bauen wollen, kritisieren die United Volleys und die Eishockey-Löwen scharf. Sie wollen den "Dome" am Flughafen.

Frankfurt -Die Ankündigung des Skyliners-Geschäftsführers Gunnar Wöbke, nun selbst als Bauherr einer Multifunktionsarena am Kaiserlei aktiv werden zu wollen, wirbelt Staub auf. Sportdezernent Markus Frank (CDU) hat Sympathie für die Idee. Im Sportausschuss am Donnerstag warb er um politische Unterstützung für die Initiative des Basketball-Managers: Es sei "eine große Chance", wenn ein "Home-Team" sich solcherart engagieren wolle.

Der Investorenwettbewerb für die Arena am Kaiserlei war nach fast fünf Jahren in der vergangenen Woche offiziell erfolglos beendet worden. Die Kosten sind noch nicht abgerechnet, dürften aber rund 500 000 Euro zulasten der Stadtkasse betragen.

Als der bevorzugte Bieter Langano noch im Boot war, hatte Wöbke die Verhandlungen weitgehend begleitet. Beabsichtigt sei gewesen, die Skyliners an einer Besitz- und Betreibergesellschaft zu beteiligen. Er will nun die Arena mit Unterstützern entlang der von Langano entwickelten Vorstellung realisieren. Auch die Vorgabe, den Eishockey-Löwen und den Volleyballern United Volleys eine neue Heimspielstätte zu bieten, gehört zu Wöbkes Konzept.

Die Begeisterung dafür hält sich bei den beiden Profi-Teams in Grenzen. Stefan Krämer, Geschäftsführer der Löwen, findet klare Worte: "Mir fehlt die Fantasie zu glauben, dass Wöbke jetzt am Kaiserlei eine Halle bauen könnte." Schließlich hätten weder der Weltkonzern Anschutz noch Lagardère ein Konzept gefunden, eine Halle am Kaiserlei, so wie von der Stadt gewünscht, kostendeckend bauen und betreiben zu können. Lagardère gehört zum Bieter-Konsortium Langano.

"Dieses Grundstück ist dafür ungeeignet, das sollte jetzt jedem klar sein", so Krämer. "Dieser Irrsinn am Kaiserlei muss endlich aufhören." Die Löwen hatten bereits vor Monaten einen Vorvertrag unterzeichnet: für die Nutzung der Halle The Dome, die die kanadische Katz Group am Flughafen bauen und betreiben möchte. Irritiert zeigt sich Krämer auch von Äußerungen Wöbkes, die Politik habe ihm das Grundstück am Kaiserlei versprochen. "Wenn dem so ist, war die Ausschreibung eine Farce. Das wäre ein politischer Skandal." Er appelliert an die Politik, das Dome-Projekt am Flughafen "mit aller Dringlichkeit" zu unterstützen.

In die gleiche Kerbe schlagen die United Volleys. "The Dome am Flughafen war für mich von Anfang an das aussichtsreichere Projekt", sagt Jörg Krick, Gründer und Gesellschafter des Erstligateams. Bei den Planungen am Kaiserlei seien die Volleys außen vor geblieben. "Deshalb trifft uns das Scheitern nicht wirklich." Jetzt müsse die Politik das Flughafen-Projekt auf den Weg bringen, so Krick. Die United Volleys sind seit über einem Jahr mit den Investoren von The Dome im Gespräch. Krick wünscht sich von der Politik, "bis Jahresende einhundertprozentige Klarheit für uns Vereine und die Bürger" zu schaffen.

Klarheit müssen nun auch die politischen Kräfte im Römer finden. Demnächst will der Akteneinsichtausschuss sämtliche Absprachen, Verträge, Korrespondenz und Messenger-Nachrichten zwischen der Stadt und dem Bieterkonsortium Langano unter die Lupe nehmen. Geprüft wird, ob Fehler gemacht wurden, die öffentlich noch nicht bekannt sind.

Rechtsexpertin: Neue Ausschreibung nötig

Zur Zukunftsgestaltung wiederum gehört der einwandfreie Umgang mit der komplexen Rechtslage: Ist es einfach möglich, im Anschluss an den gescheiterten Wettbewerb einem Dritten das einer stadtnahen Stiftung gehörende Grundstück in Erbpacht zu überlassen und ihm Baurecht zu geben für ein Projekt, das sich die Stadt seit langem wünscht? Die Juristin und Vergaberechts-Expertin Prof. Angela Dageförde (Hannover) hält eine neuerliche öffentliche Ausschreibung für unumgänglich. Schließlich hätten sich Erfordernisse und Umstände nicht geändert seit 2015, als die Stadt sich für ein europaweites wettbewerbliches Investorenauswahlverfahren entschieden hat.

Dass die Stadt keinerlei eigene Anforderungen an die von einem neuen Investor zu bauende Arena stellen würde, sei "fernliegend", weil sie das Grundstück schließlich über ein Erbbaurecht zur Verfügung zu stellen beabsichtige. Ein solches Grundstückgeschäft berge auch insofern Risiken für die Stadt, weil sie im Falle einer Insolvenz des Investors oder nach Ablauf der Zeit, für die sie das Erbbaurecht vergeben hat, die Eigentümerin des Gebäudes würde.

Daraus zieht Dageförde mit Hinweis auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes den Schluss: "Nicht zuletzt dann, wenn ein öffentlicher Auftraggeber Risiken im Falle eines wirtschaftlichen Fehlschlags des Bauwerks übernimmt, wird das unmittelbare wirtschaftliche Interesse bejaht." Was in der Konsequenz bedeuten dürfte, dass ein Vergabeverfahren für die Arena am Kaiserlei unumgänglich ist. Im Baudezernat gibt man sich entspannt. Noch liege ein neues Angebot für die Kaiserlei-Bebauung nicht vor, so ein Sprecher des Dezernenten Jan Schneider (CDU). Erst wenn es auf dem Tisch liege, könne man "im Einzelfall" prüfen, was rechtlich möglich sei.

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