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Die Luft am Hotelmarkt wird dünner

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Über 20 Millionen Euro hat das Steigenberger Grandhotel Frankfurter Hof in der Innenstadt in die Modernisierung gesteckt.
Über 20 Millionen Euro hat das Steigenberger Grandhotel Frankfurter Hof in der Innenstadt in die Modernisierung gesteckt. © Frank Rumpenhorst (dpa)

In Frankfurt eröffnet ein neues Hotel nach dem anderen. Das wird auch in den kommenden Jahren so weitergehen. Doch wann ist der Markt gesättigt?

Der Belgier Denis de Schrevel hat beste Laune. Als erster General Manager hat er gerade für die Kette Accor-Sofitel ein neues Fünf-Sterne-Plus-Hotel direkt an der Alten Oper Frankfurt „soft“ eröffnet, also mit einem langsamen Anlauf. Allein die Lage gegenüber dem klassizistischen Prunkbau an einer kleinen Grünanlage ist in der engen Bankenstadt Gold wert. Das neue und geschmackvolle Gebäude mit 150 Zimmern und Suiten tut seinen Teil daran, dass sich bereits einiges zahlungskräftiges Publikum eingefunden hat.

Die Franzosen mit ihrer recht lauten Werbetrommel („Haute Hotellerie“) sind in Frankfurt nicht gerade mit offenen Armen empfangen worden. Der Chef des Hessischen Hofes rümpfte öffentlich die Nase über „die an der Oper“, die mit Eröffnungsrabatten und dem leibhaftigen französischen Ministerpräsidenten Manuel Valls als Eröffnungsgast um Geschäftskunden buhlten.

Immer noch hängt die Frankfurter Hotellerie stark am Messegeschäft, das an vielleicht 60 Tagen im Jahr für eine sehr gute Auslastung sorgt. Weitere Konkurrenz stört da eher den Ablauf. Die Platzhirsche „Frankfurter Hof“ und „Grandhotel Hessischer Hof“ haben sich allerdings mit jeweils millionenschweren Sanierungen ihrer Häuser auf kommende Herausforderungen vorbereitet. In der zweiten Reihe ist gerade das „Le Meridien Grand Hotel“ für drei Monate komplett für eine Generalsanierung geschlossen worden.

1500 neue Zimmer

Das „Sofitel Frankfurt Opera“ ist zwar der luxuriöseste, aber keineswegs einzige Neuling auf dem viertgrößten Übernachtungsmarkt der Republik mit bislang rund 25 000 Hotelzimmern. Allein 2016 sind 1500 Zimmer dazugekommen, bis einschließlich 2018 sollen weitere 4000 folgen. Internationale Ketten nutzten die in Frankfurt äußerst seltenen Grundstücks-Gelegenheiten vor allem im neuen Europaviertel zwischen Hauptbahnhof und Messe, wo sich nun etliche Budget- und Businesshotels aneinanderreihen.

„Auch diese Häuser machen den alteingesessenen Luxushotels Gäste abspenstig“, glaubt Thomas Feda, oberster Manager der städtischen Tourismus-Gesellschaft TCF. Er hält das Luxus-Segment mit rund 9000 Betten für vergleichsweise ausgereizt, würde sich preisgünstige Backpacker-Unterkünfte wünschen, um diesen Teil des Publikums nicht weiterhin kampflos an Berlin oder Hamburg zu verlieren. Ein guter Teil der Investitionen geht in diese Richtung: Mitte 2018 soll ein riesiges „Motel One“ mit 470 Zimmern in unmittelbarer Nähe von Paulskirche, Römer und neu aufgebauter Altstadt eröffnet werden.

„Frankfurt ist doch noch sehr Montag bis Donnerstag“, sagt hingegen der Sofitel-Marketing-Manager Steven Ostwald, der zuvor auf dem weit härteren Hotelmarkt in der Hauptstadt Berlin aktiv war. Nur rund 30 Prozent ihrer Geschäfte machen die Hotels am Main mit selbstzahlenden Privatkunden, die Masse der Gäste kommt nach wie vor aus geschäftlichen Gründen nach Frankfurt. Sofitel setzt daher auf eine weitere Zielgruppe, die hohe Kosten nicht scheut und häufig in größeren Familien-Gruppen reist: Gesundheits-Touristen aus der arabischen Welt, die gleich im Hotelgebäude die Leistungen einer eigens gegründeten Privatklinik in Anspruch nehmen können.

Schweine-Zyklus

Der langjährige Interconti-Chef und Hotel-Lobbyist Thomas Hilberath sieht eine Art Schweine-Zyklus im Lauf, nachdem die Frankfurter Hotels bis 2013 überdurchschnittlich gut ausgelastet waren. „Wenn in einer Stadt über fünf Jahre eine gute Belegung herrscht, dann kommen alle Berater auf die Idee, dass diese Stadt neue Hotels braucht. Im Schnitt dauert es dann noch einmal fünf Jahre, bis diese eröffnen.“ Diese Welle werde ihren Höhepunkt im Jahr 2018 erreichen.

Ob der aktuelle Zimmer-Auslastungsgrad von rund 70 Prozent gehalten werden kann, hängt an der weiteren Entwicklung der Gästezahlen in Frankfurt. Die Stadt rechnet für das abgelaufene Jahr 2016 mit einem erneuten Besucherrekord oberhalb von 8,7 Millionen Übernachtungen. Das Wachstum wird damit aber nach Fedas Schätzungen mit einem knappen Prozent deutlich kleiner ausfallen als in den Boom-Jahren zuvor. „Terrorgefahr wird gerade auf dem asiatischen Markt sehr sensibel wahrgenommen“, ist der Touristiker überzeugt.

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