Luftfahrt

Lufthansa holt Finanzchef vonSchweizer Schokoladen-Riesen

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
    schließen

Auf den Niederländer wartet eine Herkules-Aufgabe

Frankfurt -Der hoch verschuldete Lufthansa-Konzern soll zum 1 .Januar 2021 wieder einen Finanzvorstand erhalten. Ein halbes Jahr nach dem Rücktritt von Ulrik Svensson hat der Luftfahrt-Konzern am Mittwoch bekannt gegeben, dass Remco Steenbergen zum Jahreswechsel dessen Nachfolge antreten wird. Der Niederländer ist zurzeit Finanzvorstand beim Schweizer Unternehmen Barry Callebaut, dem größten Schokoladen-Produzenten der Welt. Davor war der 52-Jährige für Philips und das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG tätig. Bei der Lufthansa erhält Steenbergen einen Drei-Jahres-Vertrag. Die Vergütung dürfte nicht sehr üppig ausfallen, denn aufgrund der erhaltenen Staatshilfen sind dem Konzern bei der Bezahlung relativ enge Grenzen gesetzt.

Nach dem Rücktritt von Svensson war dessen Bereich auf die verbliebenen Vorstände aufgeteilt worden - der größte Teil ging an Innovationsvorstand Thorsten Dirks. Aber der trat vor dreieinhalb Monaten selbst zurück. Seitdem führt Konzernchef Carsten Spohr den Aufgabenbereich des Finanzvorstands.

"Mit Remco Steenbergen gewinnen wir einen Kapitalmarkt- erfahrenen Finanzfachmann", sagte gestern Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. "In dieser schwierigen Pandemie ist ein international erfahrener und anerkannter CFO für die Lufthansa Group wichtiger denn je. Das gilt sowohl für die Bewältigung der aktuellen Krise als auch für die folgenden Jahre, in denen wir die staatlichen Stabilisierungsmittel zurückführen müssen."

Da erwartet den neuen Finanzvorstand tatsächlich eine Herkules-Aufgabe: Im Sommer war der Lufthansa-Konzern mit seinen Fluggesellschaften Lufthansa, Eurowings Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines dank Staatshilfen von rund neun Milliarden Euro der drohenden Insolvenz entronnen. Davon stammen rund sieben Milliarden Euro von den Steuerzahlern in Deutschland; der Rest entfällt auf öffentliche Mittel aus der Schweiz, Österreich und Belgien.

Spohr will die Staatshilfen so schnell wie möglich zurückzuzahlen - auch weil die fällig werdenden Zinsen im Laufe der Jahre auf bis zu 9,5 Prozent steigen. Deshalb plant der Vorstand den Verkauf von Beteiligungen und tritt gewaltig auf die Kostenbremse, vor allem bei den Personalkosten. Aber da der Konzern im Vergleich zum Vorjahr Corona-bedingt nur ein Viertel der Flug-Kapazitäten anbietet, verbrennt er zurzeit rund 350 Millionen Euro Cash im Monat. Erst wenn der Konzern rund die Hälfte seiner Vorkrisen-Kapazitäten verkaufe, werde der operative Cashflow positiv sein, rechnet Spohr vor. Wann das der Fall sein wird, ist offen. Zum 30. September hatte der Konzern immerhin noch 10,1 Milliarden Euro in der Kasse, davon 6,3 Milliarden Euro nicht genutzte Staatshilfen. Panagiotis Koutoumanos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare