Auszeichnung abgelehnt

Lust auf den Bürgerpreis vermiest

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Ehrenamtlich engagierte Frankfurter werden heute mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. Einer wird aber fehlen: Yusuf Kilic von der Interkulturellen Bühne in Bornheim will den Preis nicht.

Anzug, Hemd und Krawatte lässt Yusuf Kilic heute im Schrank hängen. Er muss sich schließlich nicht schick machen für die heutige Verleihung des Bürgerpreises im Kaisersaal des Römer. Der Chef der Interkulturellen Bühne in der Straße Alt-Bornheim geht nämlich überhaupt nicht hin, weil er den Preis nicht annehmen will. Das hat er den Veranstaltern – der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse und der Stadt Frankfurt – auch schon mitgeteilt.

Sein Ziel sei es niemals gewesen, anderen zu gefallen und einen Preis für sein Engagement zu bekommen, sagt Kilic. Natürlich sei es schön, geehrt zu werden. „Aber dieser Bürgerpreis ist für mich ein Stück weit unehrlich. Man verschafft sich ein schönes Feigenblatt und lenkt von gravierenden Problemen in der Stadt ab. Ich mache bei so einer Show nicht mit und nehme den Frankfurter Bürgerpreis deshalb nicht an“, erklärt der Theaterchef zerknirscht.

Grundsätzlich ist Kilic enttäuscht darüber, dass die Arbeit seiner kleinen Bühne zwar bei verschiedensten Anlässen von Politikern wie Kulturschaffenden gelobt wird. Doch letztlich bleibt es bei dieser Art der Wertschätzung. Finanziell zahlt sie sich für ihn nicht aus. Denn eine jährliche Förderung wie andere Theater durch die Stadt hat Kilic für seine Arbeit bislang noch nicht erhalten.

Und daran wird sich seiner Ansicht nach auch in Zukunft so schnell nichts ändern. „Denn Kulturpolitik ist stets auch Parteipolitik und wir arbeiten grundsätzlich mit keiner Partei zusammen, bei deren Klüngelei spielen wir nicht mit“, betont Kilic. Er sagt aber: „Einzelprojekte werden schon gefördert. Das Kulturamt tut da, was geht.“

Den Ausschlag, den Bürgerpreis in der Kategorie „Alltagshelden“ abzulehnen, hätten zuletzt die Erfahrungen mit der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse gegeben. Kilic redet von einer Farce. Im Juni hatte er sich noch mit der Bitte, die Reihe „Days of respect“ finanziell zu unterstützen, an die Stiftung gewandt – und prompt eine Absage erhalten. Nur kurze Zeit später habe er dann ein Schreiben von der Stiftung erhalten, dass er den Bürgerpreis verliehen bekäme. „Das passt doch nicht zusammen und ist nicht ganz ehrlich“, meint Kilic.

Ottilie Wenzler, Geschäftsführerin der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse, bedauert Kilics Entscheidung. „Herr Kilic bereichert mit seinem Engagement seit über 20 Jahren die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt. Wir hätten ihn und seine Projekte sehr gern mit dem Bürgerpreis unterstützt“, sagt sie. Dass sich die Absage von Kilics Förderanfrage und die Würdigung mit dem Bürgerpreis innerhalb weniger Wochen überschnitten habe, hält Wenzler für eher „unglücklich“.

Unehrlich sei die Förderabsage aber ganz und gar nicht. „Wegen der Niedrigzinspolitik sind die Töpfe leer“, sagt Wenzler. Aus diesem Grund habe man gar keine andere Möglichkeit gehabt, auch wenn es ihr um das Projekt der kleinen Bühne leid getan habe.

Der Frankfurter Bürgerpreis wird jährlich von der 1822-Stiftung der Fankfurter Sparkasse und der Stadt Frankfurt zu einem bestimmten Thema ausgelobt. In diesem Jahr hieß das Thema „Deutschland 2016 – Integration gemeinsam leben“. 30 Bewerbungen gingen ein, heute werden 16 Preise werden heute um 17 Uhr in den Kategorien „Alltagshelden, U 21, engagierte Unternehmer und Lebenswerk an Einzelpersonen und Institutionen für vorbildliches ehrenamtliches Engagement vergeben. Ein Preisgeld von bis zu 1000 Euro pro Ausgezeichneten wird von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse ausgelobt, Vertreter der Stadt sitzen in der Jury.

Die Interkulturelle Bühne wurde vor 21 Jahren gegründet. Begegnungen und der Kulturaustausch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung oder Lebensweise bilden die Grundlagen der Arbeit. Sie sind eine Basis für ein friedliches, von Respekt und gegenseitige Achtung getragenes Zusammenleben. Respekt kann sich aber nur entwickeln, wenn Menschen ihr Gegenüber kennenlernen und bereit sind mit ihm oder ihr in den Dialog treten.

Diesen Dialog will Yusuf Kilic mit verschiedensten Veranstaltungen in der Interkulturelle Bühne anstoßen und somit ein Zeichen setzen für Toleranz und Verständigung.

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