+
So soll es später aussehen: Hier ein Modell des Gebäudes an der Ludwig-Erhard-Anlage 2-8.

Ehemalige Oberpostdirektion

Luxuswohnungen mit Löwenkopf

In der ehemaligen Oberpostdirektion entstehen 164 Luxuswohnungen – Ende 2019 können sie bezogen werden. Allerdings wird sie sich nicht jeder leisten können. Die Quadratmeterpreise passen zur prunkvollen Fassade, die an ein Grandhotel erinnert. Sie liegen zwischen 8 000 und 12 600 Euro.

„Solche Gebäude werden heute gar nicht mehr gebaut.“ Diesen Satz sagt Markus Selinger mehrmals, während er durch die ehemalige Oberpostdirektion an der Ludwig-Erhard-Anlage führt. Der Niederlassungsleiter der CG-Gruppe sagt ihn beispielsweise im Treppenhaus und schaut dabei in das riesige Treppenauge. „Das wäre heute Platzverschwendung.“ Auch vor dem gewaltigen Eingangsrisalit mit den vier Säulen, zwei Adlerfiguren und dem steinernen Löwenkopf über der Tür, fällt der Satz noch einmal. Das leicht gewölbte Gebäude ist ein Paradebeispiel für wilhelminische Prunkarchitektur. Dem Betrachter scheint es vermitteln zu wollen: „Ich bin größer und wichtiger als du einzelner.“

Den steinernen Löwenkopf hat die CG-Gruppe zum Logo des Gebäudes gemacht, das jetzt „Grand Ouest“ heißt. Die Fassade erinnere an ein französisches Grandhotel, sagt Selinger, und weil es im Westend steht, kam zum „Grand“ noch das französische Wort für „Westen“ dazu. Heute sind es eben Marketingabteilungen, die den Gebäuden ihre Namen geben. Dass eventuell nicht alle Frankfurter wissen, wie man es ausspricht, ist Nebensache (siehe Hinweis am Ende des Textes).

Der Vergleich mit einem Grandhotel setzt auch den Luxus-Maßstab für die 164 Wohnungen, die der Bauherr hier gerade entstehen lässt. Es sind vor allem Zwei-Zimmer-Wohnungen, aber auch Appartements mit kaum mehr als 30 Quadratmetern. Für Normalverdiener sind die kaum erschwinglich. Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 8 000 und 12 600 Euro. Dafür gibt es eine

Lobby mit Concierge

und teils fünf Meter hohe Decken. Auf die Frage, ob es da nicht schwierig wäre, die Räume warm zu halten, muss Selinger schmunzeln.

Dass man dennoch keine Schwierigkeiten haben werde, die Wohnungen zu verkaufen, daran zweifle Jürgen Kutz, stellvertretender Vorsitzender der CG-Gruppe nicht. Auch unabhängig vom Brexit sei die Nachfrage hoch. 36 Wohnungen werden auf der Internetseite bereits als verkauft angezeigt, 66 als reserviert. Kutz rechne damit, dass etwa ein Drittel der Käufer die Wohnungen selbst nutzten. Die anderen vermieteten sie weiter. Ende 2019 sollen die ehemaligen Oberpostdirektion-Räume bezogen werden können. Ein Jahr später soll dann auch das angrenzende Gebäude fertig sein. 286 Wohnungen werden dort gebaut und zusätzlich 64 Einheiten für Büros und Gewerbe. Die Postfiliale bleibe aber erhalten, sagt Selinger.

Man glaubt ihm, dass er das Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion wegen der architektonischen Besonderheiten mag. „Man muss einmal auf die Fenster achten“, sagt Selinger. „Irgendwann fällt einem auf, dass sie ab dem vierten Stock nicht mehr verziert sind.“ 1907 hatte man den Bau nach einem Entwurf des Architekten Ernst Hake fertiggestellt. Die Frankfurter Hauptpost an der Zeil war für die Behörde zu klein geworden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es teilweise zerstört. Nach dem Wiederaufbau hatte man später noch zwei Geschosse und ein Tonnendach obendrauf gesetzt. Daher sind die oberen Fenster anders gestaltet.

Der Bauherr verändert das Gebäude stark. Im Inneren gibt es eine Glaskuppel, die die CG-Gruppe abreißt. Für die Bewohner entsteht dort ein Innenhof mit Arkadengängen, die zu den Wohnungen führen.

Die Fassade bleibt aber erhalten. Das Denkmalamt habe lediglich einen weiteren Risaliten rechts des Haupteingangs vorgeschrieben, sagt Selinger. Dieser verzierende Fassadenvorsprung wird spiegelgleich zu jenem auf der linken Seite des Eingangs gebaut. Aus den beiden kleinen Risaliten werde man Balkone machen, so Selinger.

Außerdem werde das Dach umgebaut. Das Tonnendach rundet derzeit die Spitze des Gebäudes ab. Dass es dieses ästhetisch besonders unterstreiche, fand das Denkmalamt aber nicht. Der Bauherr ersetzt das bisherige Dach daher durch ein Staffelgeschoss. Das entspreche auch mehr der ursprünglichen Fassade.

So ist die Aussprache richtig Ausgesprochen klingt „Ouest“ fast wie „West“. Der Laut beginnt aber nicht mit der Unterlippe an der oberen Zahnreihe, sondern mit gespitzten Lippen. So, als wollte man „O“ sagen. Sagt man aber nicht. Man sagt ja „Ouest“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare