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Blick in die Kleine Rittergasse: Die Feierei im Kneipenviertel verläuft meist friedlich, aber es kommt immer wieder zu Schlägereien.

Macho-Gehabe nimmt zu

Nach Messerstecherei in Alt-Sachenhausen: Nimmt die Gewalt im Kneipenviertel wieder zu?

In Alt-Sachsenhausen haben sich am Wochenende mehrere Gruppen blutige Schlägereien geliefert. Nimmt die Gewalt im Kneipenviertel wieder zu?

Frankfurt - „Ziemlich übel“ findet der Alt-Sachsenhäuser Wirt Jürgen Vieth, der das Oberbayern und mehrere weitere Lokale im Viertel betreibt, was Freitagnacht an der Ecke Kleine Rittergasse/Klappergasse passiert ist. Wütende jugendliche Kontrahenten gingen aufeinander los, einer rammte einem anderen ein Messer in die Brust.  Die Polizei war sofort zur Stelle und nahm die Schläger fest. „Eine Messerstecherei, so was hatten wir schon sehr lange nicht mehr im Viertel. Aber die Auseinandersetzung hatte meines Wissens eine Vorgeschichte. Die Gruppen waren in der Nacht zuvor schon in der Innenstadt mit einer Schlägerei aufgefallen.“

Dunkle Ecken beleuchtet

Tatort Nummer zwei am Samstag war die Bar Tropical. In der Bar in der Kleinen Rittergasse war offenbar ein Streit entbrannt, der in eine Schlägerei auf der Gasse mündete. Auch hier war eine Polizeistreife schnell vor Ort, nahm alle Beteiligten fest. Entwischen konnte keiner der alkoholisierten Täter – auch weil sie sich praktischerweise im hellen Licht des Bewegungsmelders geprügelt hatten, den die Initiative Alt-Sax-Neu dort vor kurzem installiert hatte. Die Initiative aus Wirten und Anwohnern von Alt-Sachsenhausen will das Viertel aufwerten – und sicherer machen.

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„Wir haben die dunklen Ecken ausgeleuchtet, wo früher gedealt wurde oder auch Feiernde aus dem Nachhauseweg überfallen und ausgeraubt wurden,“ berichtet Vieth.

Für die Polizei sind die Prügeleien im Kneipenviertel trauriger Alltag. „Übermäßiger Alkoholkonsum ist in Alt-Sachsenhausen leider nichts Ungewöhnliches“, sagte eine Polizeisprecherin gestern. „Die zumeist jungen Besucher stehen unter dem Einfluss von Alkohol oder auch Drogen, was enthemmend wirkt. Dies führt vor allem zu späterer Stunde immer wieder zu Auseinandersetzungen, die auch in körperliche Gewalt ausarten können“, sagt die Sprecherin der Frankfurter Polizei. „Es bewegen sich aber auch Gruppen im Viertel, die den Ärger tatsächlich zu suchen scheinen“. Deshalb sei die Polizei an Wochenenden und vor Feiertagen im Viertel präsent – wie viele Beamte genau, will sie aus polizeitaktischen Gründen aber nicht sagen.

„Die Polizeipräsenz hilft schon viel. Sie stellen sich an zwei Punkten im Viertel auf, können die Gassen gut überblicken,“ hat Jürgen Vieth beobachtet. „Unser Security-Personal haben wir auch aufgestockt. Denn das Machogehabe und der übermäßige Alkohol haben auf jeden Fall zugenommen“, meint Vieth. Aber: Als Passant könne man sich ohne Probleme im Viertel bewegen. „Wenn es ständig so schlimm wäre, würde ja kein normaler Gast mehr kommen“, sagt Vieth. „Das Viertel hat jedes Wochenende 8000 bis 10 000 Besucher.“

Viertel nicht unsicher

Dass Gewaltvorfälle zugenommen hätten, ist laut Polizei aber nicht der Fall. Allerdings gebe es einen „leicht negativen Trend in Bezug auf Gewalt gegen Polizeibeamte“. Auch der Einsatz von gefährlichen Gegenständen wie Flaschen und Gläsern, gegen die Beamten „nahm in letzter Zeit leicht zu“. Eine nominelle Erhöhung der generellen Gewalt in Alt-Sachsenhausen sei jedoch nicht gegeben. „Das Kneipenviertel als unsicher zu bezeichnen, wäre übertrieben“, so die Sprecherin. „Als Besucher sollte man bedenken, dass es in Alt-Sachsenhausen, genau wie an jedem anderen Ort an dem verhältnismäßig viel Alkohol konsumiert wird, zu Auseinandersetzungen kommen kann. Diesen kann man in der Regel jedoch aus dem Weg gehen.“

Unbeteiligte seien in solchen Situationen nicht in Gefahr, solange sie unbeteiligt bleiben. Besser, als einzuschreiten, sei es, die Polizei um Hilfe zu bitten.

Kommentar:

Das Kneipenviertel zieht nach wie vor eine gewaltbereite Klientel an. Schuld ist der billige Alkohol, der in Strömen fließt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich die Initiative Alt-Sax-neu bemüht, das Viertel aufzuwerten und lebenswert zu machen und in Sicherheit zu investieren. Die Bemühungen müssten noch stärker von der Stadt gefördert werden, damit sie tatsächlich auch eines Tages fruchten.

von Stefanie Wehr

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