Maddin Schneider hat ein neues Buch geschrieben. Vom wörscht käs zum best Käs.
+
Maddin Schneider hat ein neues Buch geschrieben. Vom wörscht käs zum best Käs.

Comedy-Kultstar

Maddins neue Bühne ist das Buch

  • VonEnrico Sauda
    schließen

Comedian Maddin Schneider hat ein neues Buch veröffentlicht - darin besinnt er sich auf die Lebensweisheiten seiner Oma.

Gute Laune scheint bei ihm programmiert zu sein: Comedian Maddin Schneider . Jüngst veröffentlichte er das Buch "Vom wörscht Käs zum best Käs: Das Maddin-Prinzip". Was tun, wenn nichts so läuft, wie man es sich vorgestellt hat? Nachdem seine geliebte Katze und seine hochbetagte Oma von ihm gegangen sind, sein Vermieter ihm gekündigt und sich seine Freundin von ihm getrennt hat, erleidet Maddin den nächsten Schicksalsschlag: Er kann die Tür eines Dixiklos nicht mehr öffnen und muss eine gefühlte Ewigkeit in dem stickigen Gefängnis zubringen - ohne Aussicht auf Rettung. In diesen bangen Stunden reflektiert Maddin sein Leben und besinnt sich auf die zahlreichen Weisheiten seiner Oma. Denn schon sie wusste: "Mer muss des Beste hoffe; des Schlimmste kommt von allein!" Dass er aber nicht wirklich immer gut gelaunt ist, wie er auf die Idee mit dem Dixi-Klo kam und auf wen seine Buch-Oma zurückgeht, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Aus Langeweile! Da ich in der vergangenen Saison coronabedingt nicht mit meinem Comedy-Programm auf Tournee gehen konnte, musste ich mir einen anderen Zeitvertreib suchen. Da kam mir eine Anfrage vom Heyne-Verlag gerade recht, der Interesse an einem Buch von mir zeigte. Aber über was sollte ich schreiben? In meinem Bühnenprogramm "Denke macht Koppweh" gehe ich ja der Frage nach, warum wir Menschen uns selbst so viele Probleme schaffen. Und die Krise hat noch einmal mehr deutlich gemacht, wie sehr wir Menschen uns in unsere Ängste und Sorgen hineinsteigern können. Also fand ich diese Themen auch gut für ein neues Buch geeignet. Indem ich auf unterhaltsame Weise darüber berichte, wie ich selbst mit Krisen und Ängsten umgehe, könnte ich sie vielleicht indirekt dabei unterstützen, mit ihren eigenen Sorgen und Nöten umzugehen.

Wann haben Sie es geschrieben?

Begonnen habe ich mit dem Schreiben im letzten Winter; im Mai waren dann die Texte weitgehend fertiggestellt.

Wie haben Sie es geschrieben - am Stück? Oder mit vielen Unterbrechungen? Mit dem Computer? Mit der Schreibmaschine? Mit dem Stift?

Auch beim Schreiben sind natürlich das Wichtigste die Pausen! Wenn ich zulange sitze und mich nicht bewege, krieg ich einen Rappel. Deshalb gehe ich zwischendurch immer wieder mal raus an die frische Luft und mache einen längeren Spaziergang. Es gibt allerdings auch Tage, da überwiegt das Spazierengehen - manchmal flutscht es mit dem Schreiben; manchmal ist es eher zäh. Dann sollte man sich nicht zwingen und warten, bis wieder ein paar Ideen aus einem herauspurzeln. Geschrieben habe ich tatsächlich auf einem Computer. Gerade auf Reisen schreibe ich aber auch gerne handschriftlich in kleinen Notizbüchern.

Die Oma, um die es im Buch auch geht - gibt es die wirklich?

Die Oma gab es natürlich wirklich. Einige der Oma-Sprüche stammen allerdings von meiner Patentante (Gode haben wir früher gesagt). Sie war äußerst schlagfertig und hatte für jede Gelegenheit den passenden Spruch parat. Mein persönlicher Lieblingsspruch von ihr lautet: ,Mer kann sich drehe, soviel mer will, mer hat de Arsch immer hinne!'

Wer war das Vorbild für diese Figur?

Die Oma in meinem Buch besteht also aus einer Kombination aus verschiedenen Original-Omas, einer echten Tante und Fantasie-Oma-Anteilen.

Ist das ein Alptraum, der Sie auch im wahren Leben verfolgt: Im Dixi-Klo eingesperrt zu sein?

Tatsächlich bezieht sich die Geschichte auf ein wahres Erlebnis in einem Ferienhäuschen in Oberhessen. Dort konnte ich aufgrund eines technischen Defektes die Toilettentür nicht mehr von innen öffnen und ich stand kurz davor, ein Fenster gewaltsam zu öffnen und so aus dem Haus zu steigen. Aber die Vorstellung, mitten in der Nacht, nur mit einer Unterhose bekleidet, bei wildfremden Menschen an der Haustür zu klingeln, hielt mich doch noch davor ab.

Und wer stand für Jeanette, Ihre Freundin im Buch, Patin?

Meine Roman-Freundin setzt sich auch aus verschiedenen echten und fantasiegeborenen Frauen zusammen. Für die Geschichten auf der Bühne, im Film oder, wie jetzt, in einem Buch, baut man sich die Figuren so, wie sie von der Charakterstruktur her am besten in die Geschichte passen. Im Comedybereich sind starke Kontraste wichtig, damit in der Reibung der Figuren genug Potenzial für Komik entstehen kann.

Auch die Rezepte, die im Buch vorkommen - gibt es die wirklich und wer gab sie Ihnen?

Ja, die Rezepte sind teilweise familiär überliefert oder von mir so ausprobiert.

Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben?

Ich denke, dass sich mein Lesepublikum nicht sehr von den Menschen unterscheiden, die in meine Programme kommen. Mit Ausnahme der Kinder vielleicht, die auch immer wieder mit ihren Eltern in die Shows kommen, weil sie mich von den Sieben-Zwerge-Filmen kennen. So sind die imaginären Leser und Leserinnen circa zwischen zwölf und hundert Jahre alt kommen aus nahezu allen gesellschaftlichen Schichten und vertreten alle existierenden Geschlechter.

Sie schreiben im Nachwort, dass Sie ziemlich vereinsamt sind in der Corona-Zeit. Geht es Ihnen nun besser?

Leider mussten auch in dieser Wintersaison viele Shows verlegt werden. Aber ich probe zurzeit mit der Tänzerin Eva Scardicchio das Kinder-Musical "Aureliana" ein und habe mit der Jazz Sängerin Nashi Young Cho und den Bembel Boys ein paar hessische Swing-Titel aufgenommen. So kann ich mich darüber kreativ ein wenig ausleben und habe vor allem Kontakt zu wundervollen Menschen und Freunden.

Nun scheint es wieder in eine Phase des social distancing zu gehen - wenn auch weniger streng - hoffentlich. Bereiten Sie sich schon darauf vor?

Sich mit Freunden und Kollegen auszutauschen und die Verwandtschaft zu besuchen - das muss auch in diesen Zeiten stattfinden. Der Mensch kann sich nicht auf Dauer abschotten, das ist ungesund.

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?

Für unsere Gesellschaft wünsche ich mir, dass diese absolut idiotische Spaltung überwunden wird. Aus einfachen Meinungen wurden fast religiöse Überzeugungen, dementsprechend droht fast schon ein Religionskrieg. Machen wir uns wieder lloggr! Ich glaube daran, dass wir mit Humor und Toleranz wieder aus dieser Krise herausfinden können. Dann kriegen wir es wirklich hin: Vom Wörscht Käs zum Best Käs! es

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare