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Beruf

Die Männer von der Sperrmüll-Sammlung machen einen großartigen Job – trotz aller Kritik

Alte Sessel, kaputte Schränke, fleckige Matratzen – kein schöner Anblick, wenn sie auf dem Gehweg stehen. Die Sperrmüll-Entsorger von der FES holen den Plunder termingemäß ab – wenn er angemeldet ist. Allein mehr als 3000 Fälle von illegalen Müllablagerungen im Jahr sind ein Ärgernis – für alle.

In der Blisterpackung sind noch fast alle kleinen weißen Tabletten enthalten. Helfen sie gegen Schmerzen? Oder Bluthochdruck? Die Rückseite verrät nur den Hersteller, nicht den Wirkstoff. Umso beunruhigender, dass die Tabletten mitten im Sperrmüll in der Zeilsheimer Reihenhaussiedlung liegen, gleich neben einem alten Feuerzeug, einer Esprit-Tasche und einem Landschaftsbild, das „Rocky Shore“ betitelt ist. Für Mike Ayers, Mustafa Toure und seine Kollegen ist es Ehrensache, die Pillen aufzuheben und in die nächste Mülltonne zu schmeißen, auch wenn das nicht ihr eigentlicher Job ist. Sie sind im Auftrag der Stadt beziehungsweise der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) für das Einsammeln des Sperrmülls zuständig. Doch zu groß ist ihnen die Gefahr, dass ein Kind oder auch ein Hund die Tabletten findet und womöglich herunterschluckt.

Es ist Frühjahrsputz

Mit zwei Spezialfahrzeugen sind sie heute unterwegs. Der eine zersplittert das Holz in transportfähige Kleinteile. Manchmal fliegt bei dem Vorgang ein kleines Stück aus dem Schlund auf der Rückseite des Lasters heraus auf die Straße. Die Männer kehren hinterher, am Ende bleibt nichts übrig. Hinter dem ersten Auto steht der Wagen für Sperrmüll aus anderen Materialien.

Heute sind insgesamt rund zehn Fahrzeuge im Stadtgebiet im Einsatz. „Es ist viel los – unter anderem wegen des Frühjahrsputzes“, sagt Stefan Röttele, Sprecher der FES. Tatsächlich verleiten die ersten Sonnenstrahlen viele Menschen regelmäßig dazu, ihr Zuhause zu entrümpeln. Nicht selten landet dann einiges auf der Straße – und manchmal auch ohne Anmeldung.

Auf der Fahrt in den Coburger Weg erzählen Süleyman Sil, Ümit Bilgin und David Volk von ihrer Arbeit: „Manche sind nett, aber andere hupen und schimpfen, wenn sie mal eine Minute warten müssen.“ Das kann vorkommen, denn viele Straßen im Frankfurter Westen sind eng – und oftmals auch noch zugeparkt. Die Sperrmüll-Autos blockieren dann die Straße.

Seit 6.30 Uhr sind sie heute schon unterwegs. Sindlingen liegt hinter ihnen, Unterliederbach und Höchst noch vor ihnen. Vier Teams mit jeweils zwei Fahrzeugen arbeiten durchschnittlich pro Wochentag insgesamt knapp 400 Aufträge im Frankfurter Stadtgebiet ab.

Blaue Säcke im Busch

Hinzu kommen separate Touren – die Teams dieser Touren machen dreimal in der Woche nichts anderes, als wilde Sperrmüllablagerungen zu beseitigen. Allein im Jahr 2017 sind 3315 davon gemeldet worden, sagt die FES-Statistik. Hinzu kommen im Schnitt täglich zwölf bis dreizehn Fälle für die mobile Schnellreinigung – wenn etwa der Straßenverkehr durch den Abfall gefährdet ist, der Müll in die Fahrbahn ragt, Bürgersteige komplett versperrt sind. In Neu-Zeilsheim spricht das Team diesmal eine Fußgängerin an. Ihr ist die – zumindest gefühlt – zunehmende Vermüllung des öffentlichen Raumes ein Dorn im Auge, wie vielen. „Ich kann ihnen hier einige Stellen zeigen, wo immer wieder alles vollsteht“, sagt sie.

Man braucht nicht weit zu fahren: Auf der Pfaffenwiese liegen drei gefüllte Müllsäcke im Busch. Kein Sperrmüll zwar, aber ebenso unschön. Anfassen ohne Handschuhe ist zu gefährlich, darauf deuten schon eine rostige Gaskartusche und Glassplitter hin. Auf einer sogenannten Hotspot-Liste der FES stehen rund 40 Orte im Stadtgebiet, die in puncto wilder Sperrmüll besonders häufig betroffen sind. In Griesheim etwa zwischen der Lärchen- und der Eichenstraße, auf der Mainzer Landstraße unter der Autobahnbrücke, in Höchst an einigen Stellen der Königsteiner- und der Bolongarostraße – wenngleich es etwas besser geworden ist, wie die Mitarbeiter berichten. Es seien nicht unbedingt die Anwohner, die dafür verantwortlich zu machen sind: Manche Auswärtige nutzen ebenfalls gerne einschlägige Stellen, um ihren Müll kostenlos loszuwerden. In den Kommunen des Main-Taunus-Kreises etwa kostet die Entsorgung meist Geld.

Zurück auf dem Bock zeigt David Volk die Liste mit dem heutigen Tour-Ablauf. Hinter manchen Adressen steht, was sie ungefähr erwartet. Besser: erwarten soll. „Danach kann man nicht gehen“, erklärt er. Die Haufen schrumpfen oder wachsen oft mit jeder Stunde, die sie länger auf der Straße stehen. Die Anzeige am Armaturenbrett zeigt rund fünf Tonnen Ladung an, vier weitere sind noch möglich. Die Männer steigen wieder aus und wuchten eine ganze Wohnungsauflösung mit Sesseln, Holzplatten und Gestängen in ihre Wagen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

VON DAVID SCHAHINIAN

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