Der zur Kommunalwahl mit Fahnen geschmückte Römer in Frankfurt.
+
Der zur Kommunalwahl mit Fahnen geschmückte Römer in Frankfurt.

Neue Dezernenten und ihre Berater

Magistrat: Die Starken im Schatten

  • Thomas Remlein
    VonThomas Remlein
    schließen

Die Beteiligung der SPD an der neuen Stadtregierung beschert dem Magistrat vier neue Dezernenten. Die Neulinge aus den Reihen der Genossen haben aber starke Helfer und Berater im Hintergrund. Wir stellen die Hintermänner und Hinterfrauen der zukünftigen SPD-Dezernenten heute vor.

Der erst 33-jährige Frankfurter SPD-Vorsitzende Mike Josef wird Planungsdezernent. Er gilt als politisches Naturtalent. Noch während seines Studiums hat Josef als Asta-Vorstandsmitglied der Goethe-Universität mit dazu beigetragen, dass in Hessen keine Studiengebühren erhoben werden. Derzeit ist er Gewerkschaftssekretär. Als Frankfurter Planungsdezernent muss Josef weit in die Zukunft vorausdenken und mit Investoren verhandeln. Dabei ist er nicht nur auf sich alleine gestellt, sondern kann sich auf fähige Köpfe in der eigenen Partei verlassen. Josef versteht sich hervorragend mit Martin Wentz . Er war Gast bei dessen großer Feier zum 70. Geburtstag. Wentz war von 1989 bis 2000 Frankfurter Planungsdezernent und hat die Mainmetropole verändert wie wenige vor ihm. Er rückte mit der Bebauung des Westhafens Frankfurt wieder an den Fluss und plante die Bebauung des Riedbergs. In diesem Jahr feiert der Professor für Stadtentwicklung an der Universität Regensburg das 15. Gründungsjubiläum seines Planungsbüros, das rund 20 Mitarbeiter beschäftigt. Sollte sich die neue Stadtregierung zur Bebauung des Pfingstberges als neuen Stadtteil durchringen können, könnte der Planungsdezernent Josef auf die Erfahrungen seines Vorgängers Wentz mit dem Riedberg zurückgreifen.

Schweres Erbe

Die neue Bildungsdezernentin Sylvia Weber tritt das schwere Erbe 27 Jahre grüner Schulpolitik an. Der Zustand vieler Frankfurter Schulen ist noch immer beklagenswert und lässt sich nicht so schnell ändern. Weber ist derzeit Geschäftsführerin des Hessischen Bibliotheks- und Informationssystem (Hebis) und war zuvor Referatsleiterin Informationsverarbeitung und Neue Medien im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Die 52-jährige hat also ausreichend Verwaltungserfahrung für die Bewältigung ihrer Aufgabe. Sie gilt parteiintern als Effizienzkönigin. Sollte Weber dennoch Ratschläge brauchen, kann sie sich an Rita Streb-Hesse , die langjährige Vorsitzende des Bildungsausschusses im Römer sowie ehemalige Landtags- und Bundestagsabgeordnete, wenden, mit der sie ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Auch auf die graue Eminenz der SPD, den Vorsitzenden der SPD Hessen Süd und Frankfurter Landtagsabgeordneten Gernot Grumbach , kann sich Weber verlassen. Er gilt neben Klaus Oesterling als einer ihrer politischen Lehrmeister und Ziehväter.

Einige Berufskrankheiten

Interessant wird der Einstieg der neuen Kulturdezernentin Ina Hartwig . Die gebürtige Hamburgerin, Journalistin und Schriftstellerin lebt in Frankfurt und hat sich einen Namen als Literaturkritikerin gemacht. Um sich im schwierigen für Hartwig ungewohnten politischen Umfeld zurechtzufinden und im noch schwierigeren der Kulturpolitik, könnte sie auf die Erfahrenen von Renate Wolter-Brandecker zurückgreifen. Die 66-Jährige ist seit 1989 Stadtverordnete und mehr als 20 Jahre kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Einziges Problem: Wird Hartwig auf Wolter-Brandecker hören? Vielen Sozialdemokraten ist noch das Scheitern von Susanne Gaschke als Kieler Oberbürgermeisterin in Erinnerung. Vor ihrem Amtsantritt war Gaschke renommierte Redakteurin der Wochenzeitung „Die Zeit“. Nach nur einem knappen Jahr im Amt trat sie als Oberbürgermeisterin zurück. In einer Steueraffäre hatte sie eine einsame Entscheidung getroffen ohne die Zustimmung der Ratsversammlung. Journalisten gelten als nur bedingt für die Politik geeignet. Sie bringen einige Berufskrankheiten mit, die in der Politik schädlich sind. Pressevertreter neigen zur Selbstüberschätzung und damit zur Überheblichkeit, zur Rechthaberei und sind häufig beratungsresistent. Denn beim Verfassen von Artikeln müssen sie einsame Entscheidungen treffen.

Großer Schatten

Der noch amtierende SPD-Fraktionschef im Römer, Klaus Oesterling, ist designierter Verkehrsdezernent. Wie jeder gute Fraktionschef hätte Oesterling auch jedes andere Dezernat übernehmen können, weil er sich in allen Themen der Stadtpolitik hervorragend auskennt. Nicht umsonst ist er sowohl verkehrs- als auch finanzpolitischer Sprecher seiner Partei. Dieser Mann wirft einen großen Schatten. Er ist sowohl im Vorder- als auch im Hintergrund tätig. Er braucht keine Berater, er kann andere beraten, wenn sie denn klug genug sind, um ihn um Rat zu fragen. Oesterling könnte problemlos Chef der SPD-Magistratsgruppe sein. Aber das ist selbstverständlich Oberbürgermeister Peter Feldmann .

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare