Eine Namensstele erinnert an die ermordeten Juden aus Rödelheim.
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Eine Namensstele erinnert an die ermordeten Juden aus Rödelheim.

Mahnung an die junge Generation

  • VonGernot Gottwals
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Wie sah die Rödelheimer Synagoge aus? Ein Geheimnis, das vom Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim kürzlich gelüftet wurde.

Nur wenig Bildmaterial vermittelt heute noch einen Eindruck vom Aussehen der Rödelheimer Synagoge: Eine überlieferte Zeichnung von Paul Schubert lässt ein Sakralgebäude mit hohen runden Fenstern erkennen, weitere Fotos zeigen das Gebetshaus im Hintergrund oder einen Blick auf den Thoraschrein im Inneren. „Das reicht kaum aus, um die genaue Lage des Eingangs zu bestimmen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Rödelheim, Horst Günter Kroneisen. Dann zeigt er den Versuch einer Computeranimation durch seinen Cousin, den Vorsitzenden Armin Kroneisen.

Rund 40 Teilnehmer haben sich im Begegnungszentrum des Auguste-Oberwinter-Hauses versammelt und verfolgen gespannt den Versuch, das Gebäude und die Geschichte der Juden in Rödelheim zu veranschaulichen. Doch: „Da stehen wir erst am Anfang, suchen nach Erinnerungen oder eingemauerten Schaufensterscheiben, um die Geschichte der jüdischen Geschäfte zu erforschen“, sagt Horst Günter Kroneisen.

1838 Synagoge erbaut

Schon im Jahr 1290 siedelten sechs sogenannte „Kammerjuden“ in Rödelheim, eine erste Synagoge wird 1730 erwähnt. „Im Jahr 1812 wurden 426 Juden gezählt, was immerhin ein Drittel der damaligen Bevölkerung ausmachte“, betont Kroneisen. Die Gründung einer Druckerei für hebräisch-deutsche Gebetbücher durch Wolf Heidenheim (1757-1832) und Baruch Baschwitz (1765-1836) hatten einen vermehrten Zuzug aus dem Umland zur Folge. Deshalb wurde 1838 die neue in der Pogromnacht zerstörte Synagoge in der Schulgasse eingeweiht, dem heutigen Inselgässchen.

Die Idee, die Rödelheimer Synagoge wieder im Brentanopark sichtbar zu machen, geht bis auf das Jahr 2004 zurück. „Wir wollten sogar den Zuweg durch die Inselgasse wiederherstellen, was jedoch am Verkauf eines nötigen Grundstücks durch die Stadt an einem privaten Eigentümer scheiterte“, berichtete Horst Günter Kroneisen. So erfolgte die Erschließung von der anderen Seite der Straße „Auf der Insel“. Auch das bereits 1979 auf Veranlassung des evangelischen Pfarrers Heinrich Dippel errichtete Mahnmal musste um wenige Meter verlegt werden.

45 000 Euro Kosten

Die genaue Lage der Synagoge ließ sich anhand der Vermessungspläne des Katasteramts gut erschließen, schon bald wurde das Gelände mit Flatterband markiert. Der Heimat- und Geschichtsverein verständigte sich mit der Stadt, die Grundfläche der Synagoge durch acht Sitzblöcke und einen Gedenkstein anstelle des Thoraschreins zu markieren. Auf der Mauerlinie erinnert eine Namensstele an die bekannten deportierten und ermordeten Juden, eine Schautafel dokumentiert die Geschichte der Rödelheimer Juden. „Auf Dioramen mit einer Ansicht der Synagoge verzichteten wir, weil für diese teure Maßnahme unsere Grundlagen einfach zu ungenau waren“, erklärte Armin Kroneisen. Am Ende beliefen sich die Kosten für das Denkmal auf rund 45 000 Euro: Davon übernahm die Stadt 15 000 Euro, der Ortsbeirat 7 steuerte 10 000 Euro bei. Der Heimat- und Geschichtsverein konnte 20 000 Euro durch Spenden einwerben.

Anschließend erklärt Armin Kroneisen, wie die Familie Brentano den Park in der Nachbarschaft zur Synagoge gestaltete. „Die Nachbarschaft war nicht immer harmonisch, da Georg Brentano zum Ausbau des Parks gerne einen Grundstückstausch vornehmen wollte“, erläuterte er. Da die jüdische Gemeinde jedoch ihr Grundstück wegen der Nähe zur Nidda für ihr Ritualbad (Mikwe) behalten wollte, verweigerte sie die Zustimmung.

Einmal mehr fiel der Blick auf die Anfang der 1980er Jahre geschändeten Gesichter des Mahnmals im Brentanopark. Sie selbst sind heute Mahnung, dass gegen fremdenfeindliche Strömungen immer wieder an die Zerstörung der Synagoge erinnert werden muss. Sie lebt als Wirkungsstätte auch weltweit fort: „Denn die deutsch-israelischen Gebetbücher von Wolf Heidenreich und Baruch Baschwitz sind bis nach Amerika bekannt“, betont Horst Günter Kroneisen.

(got)

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