Oberrad: Tierschutz

Mahnwachen für die Opfer des Jägers

  • vonKatja Sturm
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Tieraktivisten protestieren gegen Abschüsse - aber finden wenig Mitstreiter.

Ende Dezember lud Martina Chane mehrmals zu sogenannten Mahnwachen an die Oberräder Felder. Die Tierfreundin wollte gemeinsam mit Mitstreitern der Vögel und Vierbeiner gedenken, die dort in der Vergangenheit umkamen. Die Resonanz war übersichtlich; nie folgte mehr als eine Handvoll an Leuten dem Ruf. Mal hielt nach Meinung der Initiatorin der Regen potenzielle Teilnehmer vom Mitlaufen ab; mal signalisierten Anwohner aus ihren Fenstern heraus, Angst davor zu haben, die Wege auf dem Areal zu betreten, während dort die Jagd im Gange war.

Chane selbst, die von ihrem Treburer Aktivistenkollegen Kay Metzroth unterstützt wurde, hatte sich für die Aktion ihres Projektes "Oase" mit Schildern ausgerüstet und wollte mit diesen und in Gesprächen Spaziergänger auf einen Konflikt aufmerksam machen, der seit mindestens drei Jahren an dieser Stelle besteht. Passanten wie Grundstücksbesitzer fühlen sich von den Schüssen gestört, die während der Saison über das Areal hallen. "Das hört sich an wie im Krieg", sagt eine von ihnen. Zudem sehe man nicht, wo der Jäger sich versteckt hält. Entsprechend traue sie sich selbst kaum, zu ihrem eigenen Misthaufen zu gehen.

Chane formuliert weitere Vorwürfe. Erst vor kurzem sei eine Saatkrähe erschossen worden, die eigentlich unter Naturschutz steht. Nilgänse würden getötet, Füchse angefüttert, damit sie in den Schussbereich des Jägers kommen, und Tierkadaver oder noch nicht verendete Vögel blieben liegen. Die Leute befürchteten, dass der Jäger ihre Hunde oder Katzen erschießt, sagt Chane. "Wenn sie sich beschweren, geht er mit dem Gewehr auf die Menschen los", fügt sie hinzu. Die Abschüsse dienten nicht der Regulierung, sondern bereiteten dem Jäger Vergnügen.

Fragebogen an den Magistrat

Im zuständigen Ortsbeirat ist die Lage bekannt. Im September wurde dazu ein ausführlicher Fragebogen an den Magistrat verabschiedet. Grünen-Vertreter Reinhard Klapproth, der den Antrag stellte, geht davon aus, dass die Antwort bald vorliegt. Die Frist dafür sei Mitte Dezember abgelaufen, das Thema sollte auf der nächsten Sitzung des Stadtteilparlaments am 22. Januar stehen.

"Mir wurden Berichte zugetragen, dass angeschossene Krähen gefunden wurden", sagt Klapproth mit Blick auf den aktuellen Stand. "Das Problem bleibt, dass es vom Jäger keine verlässlichen Antworten gibt." Es gebe eine Verpflichtung, nicht vollständig getötete Tiere von ihrem Leid zu erlösen und einzusammeln. In dieser Hinsicht arbeite der Jäger "nicht ordnungsgemäß". Von der Stadt habe man bislang keine zufriedenstellenden Auskünfte erhalten. "Ich bin froh, dass das Projekt Oase da Druck ausübt."

Der Jäger, der nicht namentlich genannt werden will, weist die Anschuldigungen zurück. "Wenn sie stimmen würden, würde ich dort nicht mehr jagen", sagt er. Doch er habe "eine weiße Weste" und verhalte sich "absolut korrekt" und nach den Vorgaben der Unteren Jagdbehörde.

Saatkrähen schieße er nicht, und er töte nicht sinnlos, sondern nur zum eigenen Verzehr oder wenn die Tiere krank sein sollten. Nilgänse beispielsweise schmeckten "hervorragend". Nach einem Abschuss entnehme er alles Essbare; den übrigen Kadaver zu entsorgen, dazu sei er nicht verpflichtet. "Er bleibt im Kreislauf."

Nicht mehr so nahe an den Häusern

Das sei auch im Fall des Fuchses so gewesen, der sich an Resten labte. "Ich habe Füchse ziemlich gern", so der Jäger, deshalb lege er in der Regel nicht auf sie an.

Seine Jagdstrategie habe er geändert. 2019 sei er den Häusern wohl zu nahe gekommen. Das sei nicht gefährlich, aber doch störend gewesen. Jetzt halte er mindestens 240 Meter Abstand.

Er sei bereit zu einem Dialog, sagt der Jäger. Gelegenheit könnte die nächste Mahnwache bieten, die Chane in diesem Monat zusammen mit einer Petition plant. Wahrscheinlich ist so ein Gespräch aber nicht. Katja Sturm

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