Als am Main die französische Nationalflagge wehte

Nicht nur in der Gegenwart gibt es enge Verbindungen zwischen Frankfurt und Frankreich, auch die Vergangenheit verbindet die Stadt mit ihrem diesjährigen Buchmesse-Gast.

Nicht nur in der Gegenwart gibt es enge Verbindungen zwischen Frankfurt und Frankreich, auch die Vergangenheit verbindet die Stadt mit ihrem diesjährigen Buchmesse-Gast. Es gab mehr als eine Episode, in der die Stadt am Main eine französische war. Zuallererst aber teilen sich Stadt und Land den Namen: Um 500 nach Christus hatten die Franken aus dem heutigen Nordfrankreich und vom Niederrhein den Alemannen die Vorherrschaft in der Region abgenommen. Später wird die Bezeichnung „Franconofurt“ gebräuchlich, zudem entsteht auf dem Gebiet der heutigen Altstadt ein fränkischer Königshof. 794, in einer Schenkungsurkunde Karls des Großen, wird der Name des Ortes erstmals schriftlich festgehalten. In den Jahrhunderten darauf ist die Stadt Krönungsort für Könige und Kaiser, wird wegen ihrer Messe zum bedeutenden Handelszentrum sowie Zentrum des Buchdrucks.

Die Franzosen kommen erst wieder 1759, im Siebenjährigen Krieg ins Spiel – sie besetzen für vier Jahre die Stadt. Damals ist Frankfurts berühmtester Bürger, Johann Wolfgang von Goethe, zehn Jahre alt, die Erfahrung mit den neuen Herrschern findet Erwähnung in „Dichtung und Wahrheit“. Die Armeen aus dem Westen werden in den Jahren darauf mehrmals einmarschieren: Weitere französische Besetzungen folgen 1792, 1796, 1800 und 1806. Da ist Frankfurts große Geschichte als Krönungsstadt schon ein paar Jahre Geschichte, es gehört nun zum Reichbund, dessen oberster Herr der französische König Napoleon ist. Die 35 000 Einwohner zählende Stadt wird zum Großherzogtum unter dem letzten Mainzer Erzbischof Karl von Dalberg erhoben. Doch mit der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ist auch Dalbergs Herrschaft beendet. Der Rückzug des Franzosen führt an Frankfurt vorbei: Vom 1. auf den 2. November 1813 übernachtete er im Höchster Bolongaropalast.

Frankfurt wird nun zur Freien Stadt, die Franzosen kehren erst mehr als einhundert Jahre später wieder zurück: Vom 6. April bis zum 17. Mai 1920 wird die Stadt infolge von Aufständen im Ruhrgebiet als militärisches Faustpfand von französischen Truppen besetzt. Im erst 1928 eingemeindeten Höchst währte die Beziehung deutlich länger: Die Stadt war von 1918 bis 1930 französisch besetzt, der Grenzposten ins unbesetzte Frankfurt war auf der Niddabrücke. Für die Truppen wurde eine Kaserne gebaut, die ehemalige McNair-Kaserne. Zwei Höchster Bürgermeister werden wegen Ungehorsams ausgewiesen und regieren die bis 1928 noch selbstständige Stadt vom Frankfurter Exil aus. Am 14. Dezember 1929 verlassen die letzten französischen Truppen das inzwischen zu Frankfurt gehörige Höchst, die Trikolore wird kurz nach 11 Uhr eingeholt. Offiziell endet die Besatzungszeit erst am 30. Juni 1930. Tausende versammeln sich am Mainufer, Sirenen heulen, Glocken läuten, Raketen werden gezündet. Geblieben sind aus jenen Zeiten etliche französische Wörter im Höchster Dialekt und der Name für die oft aus Algerien, Tunesien und Marokko stammenden Mitglieder der französischen Besatzungstruppen: Sie wurden von der Bevölkerung spöttisch „Hutschebebbes“ genannt. ing/hv

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