+
Klinik-Fusion

Angeblicher Managementfehler

Ex-Geschäftsführer der Main-Taunus-Kliniken wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Streit zwischen den Main-Taunus-Kliniken und ihrem ehemaligen Geschäftsführer Dr. Tobias Kaltenbach ist noch nicht beendet. Kaltenbach bestreitet Managementfehler und droht nun mit juristischen Schritten.

Um das Defizit der Kliniken Frankfurt Main-Taunus auszugleichen, fließen fast sechs Millionen Euro aus dem Haushalt des Main-Taunus-Kreises an die Kliniken. Der Kreistag hätte eigentlich gar nicht anders entscheiden können. Laut Konsortialvertrag, der wegen des Zusammenschlusses der MT-Kliniken und dem Klinikum Frankfurt-Höchst mit der Stadt Frankfurt ausgehandelt wurde, muss jeder Gesellschafter dafür sorgen, dass seine Gesellschaften ausreichend Eigenkapital haben.

Schon drei Monate vor der Bekanntgabe des Millionen-Defizits im April 2018 war das Ausscheiden von Kliniken-Geschäftsführer Dr. Tobias Kaltenbach bekannt geworden. Zuvor hatte der Aufsichtsrat bereits mit Martin Menger einen neuen Manager für den Gesamtkonzern verpflichtet. Und der Kliniken-Konzern will von Kaltenbach wegen möglicher Managementfehler Geld, das dieser bei seinem Ausscheiden erhalten hatte, zurück. Die Rede war von 285 000 Euro. Eine Einigung gibt es bislang nicht.

Kaltenbach hatte sich bereits im August gegen die in seinen Augen „abwegigen Vorwürfe“ verwahrt. Er werde nicht tatenlos zusehen, wie seine Reputation beschädigt werde. Nach der Diskussion im Kreistag und im Ausschuss für Eigenbetriebe meldete Kaltenbach sich nun erneut schriftlich zu Wort: „Ich habe mich bisher an dem Grundsatz orientiert, nach Möglichkeit auch in schwierigen Situationen auf öffentliche Auseinandersetzungen zu verzichten. Wenn aber immer wieder dieselben Vorwürfe kursieren, tangiert dies meine Reputation“, heißt es in einer Stellungsnahme.

Keine Beweise

In der Sache bestreitet Kaltenbach den Vorwurf, den Aufsichtsrat der Kliniken Frankfurt Main-Taunus nicht korrekt informiert zu haben: „Ich habe die Gremien immer nach bestem Wissen, also auf der Basis der mir verfügbaren Informationen, unterrichtet – und bis heute konnten gegenteilige Behauptungen auch nicht belegt werden.“

War bis Anfang des Jahres Chef, der MTK-Kliniken: Dr. Tobias Kaltenbach.

Kaltenbach erläuterte, das Defizit der Kliniken sei darauf zurückzuführen, dass Bilanzierungsspielräume zugunsten künftiger Jahresergebnisse ausgenutzt worden seien. Der nun beschlossene Verlustausgleich wirke doppelt zum Nachteil des Main-Taunus-Kreises. Einerseits sei ein womöglich ein überhöhter Zuschuss zu leisten. Da aber der Konsortialvertrag mit der Stadt Frankfurt keine Ausschüttungen vorsehe, sei das Geld endgültig verloren, auch wenn die Bilanzeffekte nicht so negativ ausfallen sollten, wie jetzt angenommen wurde.

Die ihm vorgeworfene Besetzung der Planstellen insbesondere im Arzt- und Pflegebereich wies Kaltenbach zurück. Diese entspreche der in den Kliniken 2017 erreichten Leistungssteigerung: „Andere Kliniken, etwa in Höchst, mussten dagegen Stationen schließen und Abstriche bei der Leistungsentwicklung machen, weil die Stellen nicht besetzt werden konnten.“

Neu in dem Schreiben ist, was Kaltenbach zum Vorwurf einer „angeblich zu späten Inbetriebnahme der Psychosomatik“ mitteilt. 25 Betten hatte das Land den Kliniken für diesen Fachbereich neu bewilligt, im Gegenzug sollten Betten in der Psychiatrie gestrichen werden. Kaltenbach hatte dem Beschluss des Sozialministeriums widersprochen und nachverhandelt. Dafür nahm er in Kauf, dass die Betten in der Psychosomatik anders als geplant 2017 nicht belegt werden durften. Die Folge: Einnahme-Ausfälle. Kaltenbach merkt in seiner neuen Erklärung an, hätte er die Inbetriebnahme der Psychosomatik nicht aufgeschoben, hätte dies „im Widerspruch zu einem damals gültigen Aufsichtsratsbeschluss gestanden.“ Ihm sei es zudem nach langen Verhandlungen gelungen, die „sogenannte Bettenkompensation zu reduzieren“, sprich zu erreichen, dass dem Haus weniger psychiatrische Betten gestrichen wurden als ursprünglich entschieden. Das sei aber erst Anfang Dezember 2017 der Fall gewesen.

Thema endlich beenden

Aufsichtsrats-Chef Harald Schmidt äußert sich nicht und beruft sich auf seine Geheimhaltungspflicht, die für Aufsichtsratsthemen gelte. Kaltenbachs Aussage, seine Interessen auch juristisch durchsetzen zu wollen, lässt Schmidt unkommentiert. Positiv wertete er Kaltenbachs Aussage, er sei „nach wie vor und jederzeit zu konstruktiven Gesprächen mit dem Kreis und den Verantwortlichen der Kliniken bereit.“ Schmidt hofft, das Thema im ersten Quartal 2019 endlich abschließen zu können.

(babs)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare