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Hochwasser 1909, Fahrtor

Überschwemmungen in Frankfurt

Als das Main-Wasser bis zum Römer stand

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Der Main tritt immer wieder mal über die Ufer. Doch das, was wir Anfang des Jahres erlebt haben, war im Vergleich zu den Fluten, die in der Vergangenheit Frankfurt heimgesucht haben, nichts. Eine Chronik der Überschwemmungen in Frankfurt.

Frankfurt - Frankfurt wurde immer wieder vom Wasser heimgesucht. Der Main ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder über die Ufer getreten.

Das gewaltigste Hochwasser erlebte Frankfurt am 21. Juli 1342: Während des "Magdalenenhochwassers" erreichte der Main einen Pegelstand von 25 Fuß, das heißt 7,85 Meter. Zum Vergleich: Im Jahresschnitt liegt der Pegelstand bei etwa 1,52 Meter.

Verursacht wurde das Magdalenenhochwasser durch sintflutartige Regenfälle, mitten im Sommer. Große Teile von Sachsenhausen versanken in den Fluten. In der Bartholomäuskirche - dem heutigen Dom - stand das Wasser zwei Fuß, also etwa 60 Zentimeter, hoch. Auch ein Teil der alten Steinbrücke wurde von der Strömung weggerissen.

Das Jahrtausendhochwasser von 1342 traf aber nicht nur Frankfurt. Weite Teile Deutschlands wurden durch die überraschenden Regenfälle und die dadurch anschwellenden Flüsse überflutet.

Rödelheimer Parkweg unter Hochwasser von der Rödelheimer Landstraße aus, um 1909. 18.11.2004 FNP

Weil die Überschwemmungen die üblichen Straßen und Wege unpassierbar machten, mussten die Menschen auf Wassergefährte umsteigen. 1354 zum Beispiel, so berichten es die Quellen, fuhren die beiden Reisenden Bernhard Rohrbach und Johannes Brum mit einem Kahn zum Karmelitenkloster. Ein gutes Jahrhundert später, 1468, waren Rhein und Main so hoch angeschwollen, dass Kaiser Friedrich mit seinem Sohn und den Reichsfürsten nur unter größter Gefahr zu Schiff von Köln nach Frankfurt reisen konnten. Die Gruppe kam zwar gut in Frankfurt an, musste aber den Schiffsleuten hundert Gulden zahlen, „wegen der Mühe und Gefahr“ - eine für die damalige Zeit große Summe. Am 25. Februar 1540 stieg der Main bis zum Springbrunnen am Römerberg, der etwa da stand, wo sich heute der Gerechtigkeitsbrunnen befindet.

Kutsche mit Pferden in die Tiefe gerissen

In der Neusten Zeitung vom 24. März 1942 steht: „Im Jahre 1633 gab es ein gewaltiges Hochwasser, das der Chronist Jedel ausführlich beschreibt:

„Den 14. Januar 1633 ist der Main so groß worden, dass er nahe an den springenden Brunnen gangen, viel Mensch und Vieh ertränkt, dann er so plötzlich gewachsen, dass man sich kümmerlich salvieren können. Auch den Kaufleuten in den Gewölben, so nahe am Maine gewesen, wurde großer Schaden getan, auch haben die Dielhändler (Holzhändler) großen Verlust empfunden. Man hat in Frankfurt durch die Brücken sehen schwimmen eine Kutsche mit vier ertrinkten Pferden, samt dem Kutscher, so mit einem Fuß im Biegel hängen geblieben, zwei Wiegen, in jedem ein zugewickeltes Kindlein, so ertrunken waren, zwei Reiter mit Stiefeln und Sporen, der eine noch im Sattel liegend, halb und ganze Gebäu (Hütten), viel zerschmetterte große und kleine Schiff und unzählig viel toter Aas, als Pferd, Ochsen, Küh und Schwein …“

Wie hoch der Pegel damals stand, ist allerdings nicht überliefert.

Erst ab 1682 gibt es genauere Angaben zu den Pegelständen. Damals hat der Mauergeselle Jakob Müller eine Gedenkplatte in den Rententurm mit der Wasserhöhe eingelassen: Der Main stand damals 7,72 Meter hoch.

1882 stand das Wasser des Mains bis zum Römerberg.

Eines der verheerendsten Hochwasser für Frankfurt war das im Jahr 1882. Den ganzen Herbst hindurch waren heftige Regenfälle über Hessen niedergegangen. Nicht nur in der Frankfurter Umgebung traten die Flüsse und Bäche über die Ufer - in ganz Südwestdeutschland. "Von Mannheim bis Koblenz und von Würzburg bis weit hinauf nach Kassel glich das ganze Land einem gewaltigen See, aus dem die Dörfer und Städte wie Inseln herausragten. Der Main trat weit über die Ufer", so die Überlieferung.

In der Neusten Zeitung wird die Flut wie folgt beschrieben: "Mit ungeheurer Gewalt wälzten sich die gelben Wassermassen zu Tal, alles mit sich reißend, was sich ihnen in den Weg stellte. Die Dörfer in den Flusstälern waren abgeschnitten, rasch aufgeworfene Hochwasserdämme wurden glatt hinweggespült, und das Wasser stieg teilweise bis in das zweite Stockwerk der Häuser, deren Bewohner sich schleunigst retten mussten, wobei man Waschzuber, Wannen und aus Betten gezimmerte Holzflöße als Rettungsfahrzeuge benutzte. Verhältnismäßig glimpflich ging die Wasserflut, die bis zum Römerberg gestiegen war, an Frankfurt vorüber, da man rechtzeitig Vorsorge getroffen hatte."

Hochwasser Nied 1920: Höchster Straße

Schwere Hochwasser gab es dann weiter im Jahre 1909, wo man den Eisernen Steg nur auf "schnellerbauten Holzstegen" erreichen konnte. Alle Altstadtstraßen waren damals überschwemmt, und das Wasser stieg erneut bis zum Römerberg. 1920 konnten sich die Frankfurter nur auf Holzflößen stehend durch die Straßen bewegen. Historische Fotoaufnahmen erinnern an Venedig. Der Wasserstand betrug damals 6,18 Meter.

Römer mit Sandsäcken gesichert

Mit 5,39 Metern überstieg der Main am 27. Februar 1970 die Hochwassermarke von 3,40 Meter am Pegel Osthafen deutlich. Die gesamten Uferanlagen von Fechenheim bis Sindlingen wurden durch die Wassermassen verwüstet. Der Römer wurde mit einem Wall aus Sandsäcken gesichert. Der Eiserne Steg stand am nördlichen Ufer unter Wasser, amerikanische Pioniere bauten eine Ponton-Brücke.

Hochwasser Januar 1995: Mainuferstraße in Schwanheim

Am 30. Januar 1995 stieg der Frankfurter Main-Pegel auf 5,47 Meter. Der damalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler löste am Vormittag den Katastrophenalarm aus. Vor dem Historischen Museum und in Höchst brachen im Laufe des Tages die Schutzdämme. Wasser drang in das Höchster Kohlekraftwerk ein und legte es teilweise lahm, Mehr als 1000 freiwillige Helfer waren im Einsatz. Sie errichteten Sandsack-Barrieren, die den Fluten zum Glück standhielten.

5,19 Meter erreichte der Main am 5. Januar 2003 in Frankfurt. Die nordwestlichen Stadtteile waren von dem Hochwasser am stärksten betroffen. Straßen wurden wegen Überflutung gesperrt. Das Tierheim an der Schwanheimer Brücke in Nied wurde evakuiert. Neben Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen mussten auch zwei Hängebauchschweine vorübergehend umziehen.

Der Rekord-Wasserstand dieses Jahrzehnts liegt bei 4,84 Metern. Er wurde am 18. Januar 2011 erreicht. Zum Einsatz kam ein neues Hochwasserschutz-System, das der Frankfurter Feuerwehrchef Reinhard Ries entwickelt hat. Mit Wasser gefüllte Kunststoffzylinder dienen dabei statt den herkömmlichen Sandsäcken als Barriere gegen die Fluten.

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