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Mainkai gesperrt: Diese Umleitungen plant Frankfurt

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Dichter Verkehr auf dem Mainkai: Wenn er ab kommender Woche gesperrt ist, fürchten sich die Sachsenhäuser vor den "Schmuddelfolgen", da alle Lastwagen durch ihren Stadtteil fahren sollen.
Dichter Verkehr auf dem Mainkai: Wenn er ab kommender Woche gesperrt ist, fürchten sich die Sachsenhäuser vor den "Schmuddelfolgen", da alle Lastwagen durch ihren Stadtteil fahren sollen. © Renate Hoyer

In Frankfurt liegt der Plan für die Umfahrung der ab 11. Juli gesperrten Mainuferstraße vor. Nicht nur Sachsenhäuser sind sauer.

Frankfurt -Verteilt auf mehrere andere Straßen will die Stadt den Verkehr während der Mainkai-Sperrung in diesem Sommer umleiten. Das Konzept hat Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) am Montagabend im Mobilitätsausschuss im Römer vorgestellt. Besonders aus Sachsenhausen kommt scharfe Kritik.

Denn während der Sperrung des Mainkais vom 11. Juli bis 4. September soll der Schwerverkehr zwischen Ost- und Westhafen, der sonst die direkte Ost-West-Straße am Flussufer durch die Innenstadt nutzt, in einem großen Bogen über Mörfelder Landstraße und Stresemannallee durch Sachsenhausen geleitet werden. Es sei "eine Katastrophe", wenn täglich 1000 bis 1600 Lastwagen durch die Wohngebiete geleitet würden, kritisiert Jochem Heumann, Vorsitzender der CDU Frankfurt-Sachsenhausen in der Bürgerfragestunde. "Das betrifft tausende Menschen." Er fordert Majer auf: "Stampfen Sie die Pläne ein."

Testsperrung 2019/20 "war halt nicht so gut"

Dass es überhaupt ein Umleitungskonzept gibt, unterscheide die diesjährige Sperrung vom 13-monatigen Verkehrsversuch von 2019/20, betont FDP-Verkehrspolitiker Uwe Schulz. Die FDP habe darauf gedrängt.

2019/20 sei man davon ausgegangen, dass sich der Verkehr seine Wege suche, erklärt Dorothee Allekotte vom Straßenverkehrsamt. "Die Erfahrungen waren halt nicht so gut." Vor allem in den Straßen im nördlichen Sachsenhausen staute sich der Verkehr stark, Bürger gingen auf die Barrikaden. An der Kreuzung von Untermainbrücke und Schweizer Straße habe der Verkehr um 120 Prozent zugenommen gehabt, erläutert Dorothee Allekotte. Die Erfahrungen der ersten Sperrungen seien nun Basis für das Umleitungskonzept. Das werde "halbwegs funktionieren".

Autos und Laster diesmal auf verschiedenen Routen

Kern sei diesmal nicht nur eine umfangreiche Umleitungsbeschilderung und das Beliefern der Navi-Anbieter mit den Umleitungsinformationen, damit Fahrer richtig geleitet werden. Auch würden Auto- und Lastwagenverkehr auf unterschiedlich Routen geschickt, damit der Umfahrungverkehr nicht nur über eine Straße rolle, erklärt Allekotte. So sollen Autos von Osten her kommend auf den Alleen- und den Anlagenring geleitet werden, von Westen her auf den Cityring (Neue Mainzer Straße und Hochstraße). Sachsenhausen-Nord und das südliche Mainufer - das Museumsufer - sind komplett außen vor. Dass es das Konzept, die Beschilderung und die Navi-Daten gebe, "ist ein deutlicher Qualitätsunterschied" gegenüber sonstigen Sperrungen des Mainkais, erinnert Allekotte - etwa beim Ironman.

Eine Lanze für die von der Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt beschlossenen Sperrung bricht Stefan Majer. Er sei ja "keine x-beliebige Straße", sondern gehe "durchs Herz der Stadt." Anders als 2019/20 gebe es diesmal auch durchgehend eine Nutzung der gesperrten Straße: von der Messe Eurobike über eine Veranstaltung "Sommer am Main" bis Main- und Museumsuferfest. In zwei Wochen wolle er das vorstellen, kündigt Majer an - also während Veranstaltung und Sperrung schon laufen.

Vorwurf: Dezernent Majer stellt alles erst in letzter Minute vor

Diese Kurzfristigkeit bekommt Majer mehrfach vorgeworfen. Dass der Bericht zur ersten Sperrung erst vorigen Mittwoch und damit 17 Monate nach dessen Fertigstellung und auch das Umleitungskonzept erst eine Woche vor der Sperrung vorliege, kritisiert Frank Nagel, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. So "streut man Misstrauen und Frustration bei den Frankfurtern".

Sogar Daniela Mehler-Würzbach (Linke), Befürworterin der Sperrung, kritisiert die Salami-Taktik und späte Kommunikation Majers. Das sei "eine unfassbare Enttäuschung für viele Menschen" und "Wasser auf die Mühlen derjenigen, die gegen das Projekt hetzen", sagt Mehler-Würzbach. "Genau das brauchen wir nicht." Eine "bessere und frühere Einbindung der Ortsbeiräte" hätte sich auch die FDP gewünscht, räumt selbst Koalitionspartner Uwe Schulz ein. "Die Zeit ist etwas eng."

"Sachsenhausen trägt die Schmuddelfolgen"

Vor allem aber: "Die Schmuddelfolgen trägt Sachsenhausen in Form des Lkw-Verkehrs", bringt es Hartmut Streichert in der Bürgerfragestunde auf den Punkt. "Wir haben schon den Flug- und Bahnverkehr, jetzt schicken Sie uns auch noch den Schwerlastverkehr", schimpft Klaus Rehnig aus Sachsenhausen und fürchtet sich vor noch mehr Lärm.

Selbst aus den eigenen Reihen gibt es Gegenwind für die Koalition: Für Sachsenhäuser sei es "schwer zu ertragen", wenn Lärmreduzierung für die Innenstadt als Argument angeführt werde, sagt Grünen-Ortsbeiratsmitglied Angelika von Schulenburg, um den Sachsenhausen noch mehr Lärm zuzumuten. Vor allem vermisst sie, dass die Stadt erst den Verkehr reduziere, bevor er verlagert werde, indem die Stadt zunächst den Nahverkehr ausbauen. Das geschehe nicht, die Koalition gehe falsch herum heran, kritisiert auch CDU-Stadtverordnete Veronica Fabricius.

Bürgerbeteiligung vermisst - Grüne: "Wir diskutieren nicht"

Auch Bürgerbeteiligung vermisst Angelika von Schulenburg: Die Sachsenhäuser "wollen einfach gehört werden". Die Erfahrungen aus diesem Jahr werde man "mit den Bürgern ausweiten und diskutieren", kündigt Stadtrat Majer an. Das Umleitungskonzept aber sei rein "fachlich entwickelt" worden. So etwas in Ortsbeiräten zu diskutieren sei auch nicht üblich, sagt Friederike von Franqué (Grüne). "Wir diskutieren nicht, ob der Mainkai geöffnet wird oder nicht", sagt Katharina Knacker, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Bei der Kommunalwahl 2021 hätten sich die Bürger entschieden. "Die Mainkai-Sperrung sei "ausdiskutiert", pflichtet Majer bei.

Doch auch Lob gibt es, wenngleich fast nur aus Koalitionsreihen: Das Konzept sei ausgewogen und es seien "die Fehler der Vergangenheit ausgemerzt" worden, lobt Alexander Mitsch von der Grünen im Innenstadt-Ortsbeirat. Der Mainkai sei "eine Visitenkarte der Stadt", Autos und Laster "haben dort keinen Platz mehr".

Das sind die Umleitungsstrecken

Und diese Straßen sollen die Umleitungsstrecken sein:

- Für Pkw von Westen her: aus der Wilhelm-Leuschner-Straße (von Hauptbahnhof, Gutleutviertel und Westhafen/A5), von der Mainzer Landstraße sowie von der Miquel-/Zeppelinallee (A66)/Bockenheimer Landstraße auf den Cityring (Neue Mainzer Straße)

- Für Pkw von Osten her: von der Hanauer Landstraße (A661) sowie von Offenbach (via Osthafenbrücke) am Ostbahnhof in Grusonstraße und auf Alleenring; von Oberrad und Sachsenhausen über Flößerbrücke auf den Anlagenring (Friedberger Anlage)

- Für Lastwagen von Westen her: über Friedensbrücke, Stresemann-allee, Mörfelder Landstraße, Seehofstraße, Gerbermühlstraße und Osthafenbrücke zum Osthafen

- Für Lastwagen von Osten her: über Osthafenbrücke oder A661 in die Gerbermühlstraße, Deutschherrnufer, Dreieichstraße, Mörfelder Landstraße, Stresemannallee, Friedensbrücke, Baseler Platz. (Dennis PFeiffer-Goldmann)

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