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Mainkai soll auch 2023 wieder gesperrt werden

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Für motorisierte Fahrzeuge gesperrter Mainkai im vorigen Sommer: Diese Sperrung soll es Mitte 2023 erneut geben.
Für motorisierte Fahrzeuge gesperrter Mainkai im vorigen Sommer: Diese Sperrung soll es Mitte 2023 erneut geben. © Renate Hoyer

Die Stadt kündigt eine erneute temporäre Fahrrad- und Fußgängerzone an - die Straßen-Entwidmung wird vorbereitet.

Frankfurt. Auch im kommenden Sommer soll der Mainkai wieder für den Autoverkehr gesperrt werden. Das hat Ulrike Gaube, Referentin von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne), am Montagabend vor den Mitglieder des Mobilitätsausschusses der Stadtverordneten angekündigt. Ebenso bereite die Stadt an der Entwidmung der Straße vor.

Um die Straße dauerhaft dem motorisierten Verkehr zu entziehen, ist ein förmliches Verfahren nötig. Dabei muss die Stadt nachweisen, dass die umliegenden Straßen den Verkehr aufnehmen können - und gegebenenfalls die Straßen anpassen oder ausbauen. Letztmals wurde so etwas 2009 bei der Sperrung der Durchfahrt an der Hauptwache realisiert. Seinerzeit war unter anderem die Kreuzung am Eschenheimer Tor umfangreich umgestaltet worden.

Es gelte nun, einen Freiraum- und Gestaltungsplanung auszuarbeiten „und das Entwidmungsverfahren anzustoßen“, erläutert die Referentin. Die Entwidmung sei allerdings noch „Zukunftsmusik“. Einen Zeitpunkt dafür nennt sie auch auf Nachfrage nicht. Aber wenn die Entwidmung beschlossen sei, „werden die Bagger kommen und den Beton wegmachen“, kündigt Katharina Knacker an, die mobilitätspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.

Den Stadtverordneten stellt Ulrike Gaube vor, wie sich der Verkehr während der Sperrung der Ost-West-Straße am Mainufer im Sommer entwickelt hatte. So hätten sich bis zu 12 000 Fahrzeuge am Tag, die sonst über den Mainkai rollen, neue Wege suchen müssen. Diesmal habe sich die Reisezeit der Autofahrer nur zu Beginn de Sperrung erhöht, danach aber wieder normalisiert - anders als noch bei der 13-monatigen Sperrung vom Sommer 2019 an. Seinerzeit sei die Reisezeit durchgehend höher gewesen.

Am stärksten waren Autofahrer im Sommer 2022 auf dem Schaumainkai in Fahrtrichtung Westen betroffen. Dort stieg die Reisezeit von neun auf zwölf Minuten an. Das sei aber eine Ausnahme. „Auf den meisten betrachteten Routen gab es keine signifikanten Steigerungen der mittleren Reisezeiten“, sagt Gaube. Im Vergleich zur vorigen Sperrung seien die Reisezeitverlängerungen und Verkehrsaufkommen geringer gewesen.

„Weltuntergang nicht eingetreten“

Auf der direkt nördlich parallel verlaufenden Berliner Straße verlängerte sich die durchschnittliche Reisezeit um eine von 15 auf 16 Minuten während der Sperrung, in der Stoßzeit am Abend von 19 auf 20 Minuten. Die „Beschwerdelage“ sei wohl aus dieser Stoßzeit entstanden, schätzt Linke-Mobilitätspolitikerin Daniela Mehler-Würzbach. Sie sei froh, dass „die Weltuntergangsphantasien von Herrn Schmoll nicht eingetreten sind“, sagt Grünen-Vizefraktionschefin Julia Eberz.

Herbert Schmoll, Sprecher der Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“, hatte vor den Folgen der erneuten Sperrung gewarnt. Bei der Sperrung 2019/20 hatte es Proteste von Anwohnern gegen den in ihren Stadtteil verdrängten Verkehr gegeben. Das wollte die Stadt im Sommer 2022 durch ein Konzept von weiträumigen Umleitungen verhindern. So wurden etwa Alleenring, Anlagen- sowie Cityring als Alternativen für Autos beschildert sowie die Mörfelder Landstraße für Lastwagen.

Nicht extra gezählt worden seien diesmal die Lastwagen, räumt Ulrike Gaube ein. In Höhe Schweizer Platz in Sachsenhausen sei schon aufgefallen, dass mehr Lkw entlang gefahren seien, betont Uwe Schulz, mobilitätspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. „Es wäre schon relevant, dazu Daten zu erheben.“ Es gebe technisch bisher keine Möglichkeit, die Lkw zu separat zu erfassen, sagt Referentin Gaube.

Die Zählgeräte der Stadt erfassten alle Fahrzeuge und Navigationsdaten stammten aus allen Navigationsgeräten, egal ob Auto oder Laster. Erfasst hat die Stadt aber etwas anderes: So waren in Höhe Eiserner Steg rund 25 Prozent mehr Radfahrer auf dem Mainkai unterwegs, sagt Gaube. Dort queren täglich 10 000 Fußgänger die Straße, an Wochenendtagen 15 500.

Bei den Veranstaltungen zur Sperrung 2023 wollten alle Projektpartner wieder mitmachen, erklärt Ulrike Gaube. Aktuell laufe noch die Auswertung der Umfrage unter den Besuchern. Nach Kritik von ihnen solle diesmal die offene Straßenfläche beschattet werden. Dennis Pfeiffer-GOldmann

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