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Mainkai-Sperrung: Da werden Erinnerungen wach

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Von: Stefanie Wehr

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Stau auf der Untermainbrücke und in der Schweizer Straße: Das könnte wieder dräuen, wenn der nördliche Mainkai ganz gesperrt ist.
Stau auf der Untermainbrücke und in der Schweizer Straße: Das könnte wieder dräuen, wenn der nördliche Mainkai ganz gesperrt ist. © Archiv

Stau scheint wieder programmiert, wenn der nördliche Mainkai gesperrt wird. Auch der Flohmarkt wechselt wohl die Seiten.

Der Mainkai am Nordufer soll wieder für den Verkehr geschlossen werden, auf lange Sicht ganz, aber zunächst nur an Wochenenden (freitags 19 Uhr bis montags 6 Uhr), an Feiertagen und in den Schulferien sowie während der Woche täglich zwischen 19 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Das will die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt nächste Woche im Parlament beschließen (wir berichteten). Denn so steht es im Koalitionsvertrag.

Ein Antrag, der am Montag im Verkehrsausschuss vorgelegt wurde, macht es nun konkret: Einer schrittweisen Sperrung soll am Ende die komplette Schließung folgen. Ein neues Umleitungskonzept soll erarbeitet werden. "Die Stadtteile - vor allem Sachsenhausen - sollen durch den autofreien Mainkai nicht zusätzlich belastet werden und der Wirtschaftsverkehr weiterhin funktionieren", heißt es im Vorstoß der Römer-Koalition.

In Sachsenhausen stößt der Plan auf wenig Gegenliebe. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die misslungene probeweise Sperrung von September 2019 bis September 2020, als schlagartig zur Rush Hour Staus auf dem Schaumainkai, in der Schweizer Straße und der Gartenstraße entstanden und Lärm und Abgase nach Dribbdebach brachten. Schleichverkehr rollte durch ehedem ruhige Nebenstraßen wie Stegstraße und Oppenheimer Landstraße.

Harald Schmoll, Gründer der Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich", die sich während der Probesperrung formierte, hält die Pläne für absurd. "Am Mainkai wiederholt die neue Koalition alle Fehler, die anlässlich der probeweisen Sperrung bereits gemacht wurden: Konzeptionsloser, planloser Aktionismus, der unsere Verkehrsprobleme im Zentrum nicht löst, sondern verschärft, der uns noch weiter von einer Verkehrswende entfernt."

Andere Städte gingen schlauer vor. "Sie bringen den Verkehr unter die Erde, wenn sie ihre Uferstraßen stilllegen, Frankfurt drängt ihn einfach den Bürgern im Stadtzentrum in ihre ohnehin schon überlasteten Straßen." Die Aufenthaltsqualität schwinde in der ganzen Stadt zugunsten einer einzigen Straße, findet Schmoll: "Wer seit Jahrzehnten unter der höchsten Verkehrsbelastung leidet, soll noch mehr leiden - nur damit ein paar hundert gut situierte Anwohner am Mainkai Ruhe vor ihrer Haustür haben."

"Es ist zum Verzweifeln"

"Es ist doch zum Verzweifeln. Da werden unter neuer Stadtregierung wieder die alten Hüte hervorgeholt", sagt Torsten Schiller, Vorsitzender der AGS Schweizer Straße. "Wir haben doch die negativen Erfahrungen während der Probesperrung zur Genüge gesammelt. Der Verkehr wird wieder wie damals nach Sachsenhausen rollen, dann eben abends ab 19 Uhr. Das kann man doch nicht wegdiskutieren", meint er kopfschüttelnd. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Politik", fügt er sauer an.

"Und auf der anderen Seite wird diskutiert, wie man die Schweizer Straße verkehrsberuhigt und verschönert. Wie passt das zusammen?" Ein Passant auf der Schweizer Straße pflichtet ihm bei: "Es ist skandalös. Man fängt mit der Entmüllung in der Stadt an, indem man einem Stadtteil den ganzen Müll vor die Haustür kippt", echauffiert er sich.

"Es wird mit Sicherheit nicht hingenommen werden, dass es durch eine Mainkai-Sperrung wieder zu den Belastungen, insbesondere in der Schweizer Straße kommt, die wir bei der letzten Mainkai-Sperrung hinnehmen mussten", sagt Uwe Schulz, FDP-Fraktionschef im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen). Er ist auch Stadtverordneter und verkehrspolitischer Sprecher der FDP. Die Freidemokraten hätten auf der schrittweisen Schließung und auf der Vorlage eines Verkehrskonzepts als Kompromiss bestanden. Die Schließung werde diesmal "wissenschaftlich begleitet", sagt Schulz.

Der Flohmarkt am Schaumainkai wird bei einer Sperrung des nördlichen Mainkais auch Geschichte sein. Der älteste Flohmarkt Deutschlands würde nicht mehr an seinen angestammten Platz am Sachsenhäuser Mainufer zurückkehren, auch wenn viele das Flair vermissen. Denn wenn an Wochenenden der Mainkai dicht ist, kann nicht gleichzeitig das Südufer gesperrt werden.

Deshalb soll die dauerhafte Verlegung des Trödels alle zwei Wochen ans Nordufer inklusive Römerberg und der Fahrgasse "geprüft werden", hieß es im Verkehrsausschuss. Stefanie Wehr

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