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Frankfurt 25.5.2018, Foto vom Verkehr am nördlichen Mainufer, der Abschnitt zwischen der Alten Brücke und der Untermainbrücke soll im nächsten Jahr gesperrt werden

Verkehr

Mainufer wird probeweise gesperrt

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Das nördliche Mainufer wird zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke zur Fußgängerzone. Von Sommer 2019 an testet die Stadt ein Jahr lang, wie sich eine Sperrung auf den Autoverkehr auswirkt. Ob die Regelung auf Dauer kommt, entscheidet dann die Politik.

Noch sind etliche technische und juristische Fragen zu klären. „Aber die Probleme sind lösbar“, ist Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) überzeugt. Das größte Hindernis für eine Sperrung des nördlichen Mainufers auf dem 900 Meter langen Abschnitt zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke hat er bereits aus dem Weg geräumt: Das Regierungspräsidium Darmstadt hat ihm versichert, dass die Stadt allein über die Verkehrsregelung entscheiden darf. Deshalb kann der Mainkai probeweise zur Fußgängerzone werden, wie es CDU, SPD und Grüne vor zwei Jahren in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart haben.

Bis es so weit ist, vergeht aber noch mehr als ein Jahr. Oesterling geht davon aus, dass nach dem Mainfest im Sommer 2019, bei dem das Mainufer wie in jedem Jahr ohnehin zur Fußgängerzone wird, die Sperren für den Autoverkehr nicht wieder entfernt werden. Ein gutes Jahr lang, bis zum Museumsuferfest 2020, soll dann getestet werden, wie sich die Verkehrsberuhigung auswirkt. Zählungen an mehreren Knotenpunkten sollen Erkenntnisse bringen. Das Planungsbüro Albert Speer & Partner wurde engagiert, um den Versuch zu begleiten.

Oesterling vermutet, dass sich die rund 20 000 Autos, die heute täglich auf dem zwei- bis dreispurigen Mainkai fahren, vor allem auf die Berliner Straße und das südliche Mainufer verteilen. Er rechne nicht damit, dass es zu größeren Problemen kommt. Denn das nördliche Mainufer sei in jedem Jahr an 20 bis 30 Tagen wegen Veranstaltungen für Autos gesperrt, ohne dass der Verkehr zum Erliegen kommt. Während der einjährigen Probephase würden zudem die Ampelschaltungen optimiert.

Oesterling betonte, dass er als Verkehrsdezernent dem Versuch neutral gegenüberstehe. Am Ende müssten sich die Fraktionen im Stadtparlament selbst eine Meinung bilden. Persönlich sei er aber ein Befürworter der Sperrung. „Das Mainufer wird attraktiver für Fußgänger“, ist er überzeugt. Das sei auch deshalb wichtig, weil die Innenstadt rund um den Römerberg durch die neue Altstadt an Anziehungskraft gewinnen werde. Oesterling will aber keine „intensive touristische Nutzung“ der frei werdenden Fläche – also keine Buden, Bühnen oder Karussells. „Der Autolärm soll nicht durch Touristenlärm ersetzt werden,“, findet er. Es solle eine ruhige Straße werden, die zum Spazierengehen einlädt. Auch Radler sollen dort fahren und den stark frequentierten Weg direkt am Main entlasten.

Während der Testphase soll baulich an der Straße nichts verändert werden. Sollte sich das Stadtparlament für eine dauerhafte Sperrung entscheiden, strebt Oesterling an, in einem Wettbewerb Architekten Vorschläge zur Umgestaltung entwerfen zu lassen.

Die beiden Wirtschaftskammern lehnen eine Sperrung des Mainufers nicht generell ab. Wenn dadurch die Aufenthaltsqualität erhöht und der Verkehrsfluss insgesamt nicht vermindert werde, „wäre die Maßnahme aus Sicht des Einzelhandels und des Stadttourismus zu begrüßen“, sagte Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer. Sein Kollege von der Handwerkskammer, Bernd Ehinger, betonte aber auch, dass für den Lieferverkehr Be- und Entlademöglichkeiten eingerichtet und für Handwerker Parkmöglichkeiten erhalten bleiben müssten. Oesterling hat bereits angekündigt, dass es eine Sonderregelung für die Belieferung der Ausflugsschiffe auf dem Main geben werde.

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