Seit Urzeiten kicken auf diesem Platz nahe dem Mainufer der SV Sachsenhausen und Germania 94. Und so soll's nach dem Willen der neuen Römer-Koalition auch bleiben. Die Europäische Schule kommt nicht hierher. foto: christoph boeckheler
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Seit Urzeiten kicken auf diesem Platz nahe dem Mainufer der SV Sachsenhausen und Germania 94. Und so soll's nach dem Willen der neuen Römer-Koalition auch bleiben. Die Europäische Schule kommt nicht hierher.

Sachsenhausen: Europäische Schule

Mainwasen wird kein Schulstandort

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Neue Koalition beerdigt Pläne für Neubau auf dem Sportgelände

Die Europäische Schule kommt voraussichtlich nicht an den Mainwasen. Dies hat die neue Koalition vereinbart. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) erläutert: "Wir wollen weitere Standorte prüfen und uns nicht versteifen, weder auf den Mainwasen, noch auf den Kaiserlei." Der Kaiserlei-Kreisel an der Grenze zu Offenbach, verkehrstechnisch besser erschlossen, war ebenfalls als Standort für die vom Bund finanzierte Schule im Gespräch. "Der Standort muss gut für die Schule sein", so Weber weiter, "und er muss schnell realisierbar sein." Die Schule wachse schnell und brauche einen neuen Ort spätestens in sechs bis sieben Jahren.

Am Mainwasen wäre dies nur schwer so schnell zu bewerkstelligen gewesen. Baudezernent Jan Schneider (CDU), der seinen Stuhl Ende Juni räumen muss, hatte in den vergangenen Jahren den Mainwasen ins Spiel gebracht, dafür hätte jedoch zuerst die Bundesstraße verlegt werden müssen, mit der Folge, dass der enge Zeitplan für den Schulneubau nicht zu halten gewesen wäre. Schneider war gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Enttäuschung beim Direktor

Dagegen äußerte sich Ferdinand Patscheider, Leiter der Schule, enttäuscht: "Ich bin seit sechs Jahren hier, und ständig wird über den Standort gesprochen, ohne dass Entscheidungen fallen." Seit 2008 bereits sei klar, dass die Schule eine neue Adresse benötige, und seit nunmehr 13 Jahren war es nicht möglich, eine Fläche zu finden.

Für Sportdezernent Markus Frank, ebenfalls CDU und ebenfalls wegen der neuen Koalition nur noch wenige Wochen im Amt, hatte sich für eine neue Sportanlage eingesetzt. Denn die Plätze des SV Sachsenhausen und der VfL Germania hätten der Europäischen Schule weichen müssen, wäre diese an den Mainwasen gekommen.

Die neue Sportanlage indes war vorgesehen auf einem freien Feld direkt an der Wohnbebauung: in der Ecke Offenbacher Landstraße/Balduinstraße. Auch Markus Frank war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Gegen die Verlegung der Sportanlagen machten die Anwohner mobil und gründeten gar eine Bürgerinitiative. Sie sehen die Entscheidung der neuen Koalition mit Erleichterung. "Wir sind sehr froh, wenn es so kommt und die Sportplätze am Mainwasen bleiben", sagte Max Laue. "Ich habe nichts gegen den Sport. Ich war 40 Jahre im Sportverein", sagt er. "Jetzt, am Mainwasen, sind es etwa 1000 Meter Luftlinie zur Bebauung. Trotzdem hören wir, wenn trainiert wird."

Nur einige Dutzend Meter von den Häusern entfernt zu trainieren, das wäre, fürchtet Laue, für die Anwohner unerträglich. "Es hätte täglichen Ärger gebracht, wegen des Lärms, des Flutlichts, wegen der Parkplatznot." Laue ist zufrieden, dass auch das Engagement seiner Bürgerinitiative dazu beigetragen haben kann, dass dies abgewendet wurde.

Der Sprecher des SV Sachsenhausen, Maurice Skowronek, sagt seit Beginn der Planungen das, was er auch jetzt sagt: "Uns wurde ein neuer Platz zugesichert und, falls das nicht nötig ist, die Sanierung der bestehenden Anlage. Die Gebäude müssen saniert werden, und wir wollen einen Kunstrasenplatz. Ich hoffe, dass die neue Koalition sich an diese uns gegebene Zusage hält." All dies, versichert er, sagt er unter Vorbehalt, denn bislang habe es noch keine Gespräche der künftigen Stadtregierung mit dem Sportverein gegeben.

Kleingärtner sind froh

Der Kleingartenverein Mainwasen ist ebenfalls froh über die Entscheidung der Koalition. "Unsere Gärten, zum Teil 80 Jahre alt, bleiben erhalten", sagt der Vorsitzende Klaus Tippmann. "Allerdings gab es vor einigen Jahren schon Pläne, das Mainwasen mit Wohnhäusern zu bebauen. Auch das müssen wir abwenden."

Die Europäische Schule ist 2002 als Schule für die Kinder der Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank gegründet worden. Derzeit hat sie 1600 Kinder. Die Schule ist neben den Ernst-Reuter-Schulen in der Nordweststadt beheimatet. Vor etwa zwei Jahren kam die Idee auf, den Schulneubau am Mainwasen zu errichten - von Anfang an umstritten. Eine Erweiterung am bestehenden Standort sei nicht möglich, so Patscheider. Thomas J. Schmidt

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