Corona

Mal im Büro, mal zu Hause

  • Sarah Bernhard
    VonSarah Bernhard
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Firmen setzen in der Pandemie auf Wechselmodelle, sind bei 3G aber noch zurückhaltend

Frankfurt -Eineinhalb Jahre nach dem ersten Lockdown arbeitet in manchen Branchen immer noch ein Großteil der Menschen von zu Hause aus. Beim IT-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) etwa nutzen diese Möglichkeit noch knapp 90 Prozent der Beschäftigten, bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zwischen 70 und 80 Prozent. Bei der Deutschen Bank sind es etwa 75 Prozent derjenigen, die nicht in Filialen tätig sind, bei der Telekom 50 Prozent, und 24 Prozent der Mitarbeiter der fünf Frankfurter Finanzämter. Selbst bei der Stadt Frankfurt arbeiten noch rund neun Prozent der Angestellten von zu Hause aus - obwohl in vielen Abteilungen wie dem Bürgeramt, den Kitas, der Stadtpolizei, der Grünflächen- oder der Tierpflege im Zoo ohne Mitarbeiter vor Ort gar nichts geht.

Mit dem Anhalten der Pandemie wird immer deutlicher, dass viele Unternehmen auch in Zukunft auf hybride Arbeitsmodelle setzen werden, bei denen Beschäftigte regelmäßig einen Teil ihrer Arbeitstage im Büro, einen Teil zu Hause verbringen. Auf diese Mischung setzt etwa die Commerzbank: Nicht mehr als die Hälfte der Beschäftigten soll in den jeweiligen Räumlichkeiten arbeiten. Gleichzeitig sollen die Mitarbeiter "ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Homeoffice und Bürotätigkeit" anstreben. TCS hat als Präsenz-Maximum ein Viertel der Beschäftigten festgelegt und will dies auch in Zukunft beibehalten.

Ähnlich bei Sanofi: Zumindest diejenigen Beschäftigten, deren Anwesenheit betrieblich nicht erforderlich ist, arbeiten nach dem Wechselmodell, und das werde perspektivisch auch so bleiben, teilt der Pharmakonzern mit. Beim Automobilzulieferer Continental heißt es, das Büro werde weiterhin für die Arbeit eine wichtige Rolle spielen - "aber mehr mit dem Charakter eines Ortes, an dem man gemeinsam an neuen Produkten oder neuen Prozessen arbeitet, an dem man sich mit anderen austauscht und auch und nicht zuletzt die sozialen Kontakte im Team pflegt". Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sieht einen zunehmenden Wunsch "vieler Kollegen, wieder ins Büro zu kommen und sich persönlich auszutauschen". Der Flughafenbetreiber Fraport spricht von einer schrittweisen Rückkehr ins Büro, will den Beschäftigten aber auch weiterhin ermöglichen, flexibel zu arbeiten.

Verdi mahnt Regelungen an

Während viele Arbeitnehmer einfach froh sind, sich durchs Homeoffice die Zeit fürs Pendeln und das erhöhte Infektionsrisiko zu sparen, sind die Gewerkschaften besorgt. "Wir brauchen dringend Regelungen", sagt Alexander Klein, Geschäftsführer von Verdi Frankfurt. Sowohl gesetzliche als auch solche zwischen Arbeitgebern und Betriebs- oder Personalräten. In den seltensten Fällen sei nämlich geklärt, wie sich der Arbeitgeber beispielsweise an Internetkosten oder Investitionen wie Bürostuhl oder Monitor beteilige, wer zuständig sei, wenn im Homeoffice die Standards der Arbeitssicherheit nicht erfüllt sind, und der Arbeitnehmer zum Beispiel über ein Kabel falle, oder wie Homeoffice mit kleiner Wohnung und großer Familie überhaupt sinnvoll umsetzbar sei. Eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung, die das mobile Arbeiten verbindlich regelt, haben in Frankfurt unter anderem bereits die Telekom und die Stadtverwaltung. Ein Gesetzesentwurf dazu wurde Ende September erstmals im Landesparlament diskutiert.

Von einer Rückkehr zur Normalität vor Corona ist auch in den Büros selbst noch nichts zu spüren. Masken, Abstands- und Hygieneregeln prägen den Alltag in Konferenzen, auf den Fluren, in der Kantine. Nun führen angesichts der anhaltenden Pandemie auch in Frankfurt erste Unternehmen 3G-Regeln für das Arbeiten im Büro ein. So müssen etwa Beschäftigte der drei großen Frankfurter Zeitungen seit kurzem an der Pforte nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. Ähnlich handhaben das bundesweit bereits einige große Unternehmen, darunter der Softwarekonzern SAP.

Durchzusetzen scheint sich diese Maßnahme aber noch nicht: Weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank, PwC, Fraport, Sanofi, Continental, Mainova oder die Stadtverwaltung planen, 3G-Regeln für die Arbeit im Betrieb einzuführen - zumindest nicht derzeit und nicht allgemein. Bei der Stadt gilt die 3G-Regel nur im Freizeit- und Kulturbereich, betrifft also etwa die Besucher, aber auch die Beschäftigten von Zoo, Palmengarten und Museen. Die Commerzbank setzt bei Veranstaltungen auf 3G, Fraport prüft zumindest die Einführung von 2G oder 3G bei eigenen Veranstaltungen.

Als Grund gegen die Einführung von 3G nennen die Arbeitgeber unter anderem rechtliche Bedenken. "Banken gehören bislang nicht zu den Branchen, in denen Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Mitarbeiter erfragen dürfen, um andere zu schützen", heißt es etwa bei der Deutschen Bank. Ähnlich argumentiert man bei PwC Deutschland. Gegebenenfalls könne die 3G-Regel aber rasch eingeführt werden. Auch die Industrie- und Handelskammer Frankfurt weist darauf hin, dass es außerhalb von Gastronomie und Kulturveranstaltungen bisher keine Regelung zur Einschränkung der betrieblichen Anwesenheit mit den 3G-Regeln gebe.

Dabei hat zumindest der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) keine prinzipiellen Einwände gegen 3G am Arbeitsplatz. "Die Einführung einer 3G-Regelung im Betrieb mag hilfreich sein", sagt der hessische DGB-Vorsitzende Michael Rudolph. Sie dürfe allerdings nicht dazu führen, dass die anderen Corona-Bestimmungen für die Arbeit im Betrieb verwässert würden. Die Arbeitgeber müssten zudem Tests beschaffen und sie den Beschäftigten kostenlos zur Verfügung stellen, sagt Rudolph. Nichts hält der DGB-Vorsitzende dagegen von 2G-Regeln am Arbeitsplatz. Denn diese hätten eine Offenlegung des Impf- oder Genesenen-Status zur Folge. Und das bedeute nichts anderes als eine Impfpflicht durch die Hintertür. Sarah Bernhard

Büros bleiben teuer

Trotz der anhaltenden Pandemie und des schon vor Corona spürbaren Trends zum Homeoffice steigt die Nachfrage nach Büros laut Maklerhäusern wieder an. Der Büromarkt habe "einigermaßen zur Normalität zurückgefunden", sagt etwa Andreas Wende, Geschäftsführer des Immobilienberatungsunternehmens Nai Apollo: In den ersten drei Quartalen des Jahres seien etwa 27 Prozent mehr Bürofläche neu vermietet worden als im Vorjahreszeitraum. Noch immer liege der Flächenumsatz aber etwa ein Fünftel unter dem Zehn-Jahres-Schnitt.

Die größten Flächen haben sich in der Mainmetropole in diesem Jahr zum einen der Nahrungsmittelkonzern Nestlé gesichert, der seinen Deutschlandsitz in einen Neubau am Baseler Platz verlegt, zum anderen Siemens, das sich ein neues Gebäude im Flughafenstadtteil Gateway Gardens bauen lässt. Im dritten Quartal sorgten der Immobilieninvestor Corestate Capital, der sich Flächen im Marienturm im Bankenviertel sicherte, und das Beratungsunternehmen Baker Tilly, das in das gerade entstehende Hochhaus One an der Messe ziehen will, für die größten Neuvermietungen.

Der Leerstand, der viele Jahre lang nach und nach gesunken war, ist seit Ausbruch der Pandemie wieder deutlich gestiegen. Dennoch steigen die Büromieten, die in Frankfurt ohnehin sehr hoch sind, weiter an. Im Schnitt liegen sie nach Zahlen von Nai Apollo nun bei 23 Euro pro Quadratmeter, in der Spitze etwa beim doppelten Preis.

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