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Sind längst beste Freundinnen: Lotsin Beate Kupper-Reuhl und Azeb Girma Molla aus Äthiopien.

Projekt

Malteser Projekt hilft Menschen aus der Fremde, in Frankfurt richtig anzukommen

Jeder, der neu an einem Ort lebt, weiß, wie schwierig es ist, Menschen kennenzulernen. Oder herauszufinden, welche Angebote es alles gibt und wo man im Notfall Hilfe findet. Das Integrationslotsenprojekt der Malteser will da Abhilfe schaffen. Es bringt ehrenamtliche Helfer mit geflüchteten Menschen zusammen.

Frankfurt - In Beate Kupper-Reuhl hat Azeb Girma Molla eine wahre Freundin gefunden. Im Jahr 2016 lernten sich die beiden Frauen kennen über das Integrationslotsenprojekt des Malteser Hilfsdienstes in Frankfurt. Hinter dem sperrigen Namen verbergen sich Menschen, die anderen zur Seite stehen, die ihre Heimatländer verlassen haben und neu in der Mainmetropole sind

Die Integrationslotsen helfen beim Ankommen und Entdecken der Stadt und ihrer Umgebung und stärken das Miteinander. Sie begleiten die Menschen ganz individuell, geben mit ihrem Einsatz Halt und Zuversicht. 140 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit in dem Projekt und betreuen rund 300 geflüchtete Menschen. Und es werden weitere Ehrenamtliche für das Projekt gesucht, denn es gibt mehr interessierte Flüchtlinge als Paten und die Warteliste ist lang.

Ein bis zwei Stunden Engagement setzen die Integrationslotsen wöchentlich ein und leisten damit ganz viel. Sie sind Helfer und Ansprechpartner bei allen Fragen, die die neuen Bürger der Stadt haben. Hieraus haben sich seit den Anfängen des Projekts im Jahr 2016 viele Freundschaften entwickelt. Wie bei Beate Kupper-Reuhl und Azeb Girma Molla, die ein echtes Tandem bilden.

An diesem Mittag sitzen die beiden Frauen gemeinsam mit weiteren Projektteilnehmern auf der Wiese im Günthersburgpark. Decken sind für ein Picknick ausgebreitet, auf denen alle Platz genommen haben und in Gespräche vertieft sind. Und natürlich gibt es etwas zu essen und zu trinken, schließlich sind sie zusammengekommen, um gemeinsam zu picknicken und sich auszutauschen.

Zeichen für Toleranz

Anlass für die Veranstaltung im Gün-thersburgpark ist der "Tag der offenen Gesellschaft", der 2017 erstmals bundesweit von der gleichnamigen Initiative ausgerufen wurde. Die Idee dahinter ist es, Menschen zusammenzubringen, Möglichkeiten des Kennenlernens und Vernetzens zu schaffen und damit ein Zeichen für eine offene Gesellschaft und Toleranz zu setzen.

Kupper-Reuhl kommt aus Frankfurt, Girma Molla stammt gebürtig aus Äthiopien. Sie musste in jungen Jahren bereits ihr Heimatland verlassen und flüchtete mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in den Sudan, wo sie eine Zeit lang lebte. Ihren Weg führte die heute 36-Jährige schließlich alleine fort, ging von dort zunächst nach Italien, wo sie ein paar Jahre war, aber nie wirklich ankam. Seit 2015 leben sie und ihre beiden Söhne im Alter von sechs und acht Jahren in Deutschland.

"Der ältere kommt bald in die zweite Klasse, der jüngste wird nach den Ferien eingeschult", erzählt Girma Molla, die nicht nur ihre Muttersprache Tigrinya spricht, sondern auch Italienisch und Deutsch. In Frankfurt wohnt sie mit ihren Kindern in einem Zimmer mit Küche in einem Wohnheim in der Innenstadt. Gemeinsam mit Beate Kupper-Reuhl entdecken sie und ihre Söhne nach und nach die Stadt, besuchen Museen oder den Zoo. Ihren Lieblingsplatz hat Azeb Girma Molla auch schon für sich entdeckt. "Ich mag das Mainufer sehr", sagt sie. "Besonders den Blick auf das Wasser und die vorbeiziehenden Schiffe."

Schulabschluss

Azeb Girma Molla schließt in dieser Woche ihren Hauptschulabschluss ab. "Ich habe noch zwei mündliche Prüfungen", erzählt sie. Sie sei aufgeregt, denn frei über ein Thema zu sprechen sei etwas, dass sie so bisher noch nicht gemacht habe. Damit sie auf die Prüfungen auch gut vorbereitet ist, wird sie von Beate Kupper-Reuhl dabei unterstützt. Die Fremdsprachensekretärin arbeitet in einer großen internationalen Kanzlei in Frankfurt. "Einmal pro Woche kommt Azeb zu mir ins Büro. In den vergangenen Wochen lag der Schwerpunkt auf den Vorbereitungen der Prüfungen und sie hat zielstrebig hierfür gelernt", sagt Kupper-Reuhl.

Die Frankfurterin erinnert sich noch gut an den Moment, an dem sie erstmals mit Azeb Girma Molla zusammentraf. "Das war sehr spannend, denn ich wusste ja nicht, wer Azeb ist", erzählt sie. "Zu Beginn haben wir uns einfach getroffen, um zu reden - zunächst auf Englisch, nach und nach auf Deutsch", fügt sie hinzu. "Beate hat mir viel geholfen, auch dabei, Deutsch zu lernen", sagt Azeb Girma Molla, die für ihre Zukunft Ziele hat. Auf ihren deutschen Hauptschulabschluss möchte die zweifache Mutter aufbauen und eine Ausbildung in der Altenpflege beginnen.

VON ALEXANDRA FLIETH

Infos zum Integrationslotsenprojekt gibt es telefonisch unter 9 42 10 50 oder per E-Mail unter Integrationshilfe-Frankfurt@malteser.org

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