Hallo, da sind wir wieder: Seit Juni probt der Männerchor Praunheim nicht mehr im Internet sondern im echten Leben. Und hat das durch die Pandemie gerettet, was ihn ausmacht: Seine gute Laune. FOTO: menzel
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Hallo, da sind wir wieder: Seit Juni probt der Männerchor Praunheim nicht mehr im Internet sondern im echten Leben. Und hat das durch die Pandemie gerettet, was ihn ausmacht: Seine gute Laune.

Frankfurter Chorszene

Man(n) darf wieder singen

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Praunheimer blicke n positiv in die Zukunft und plant erstes Konzert für 2022

Die Mitglieder des Männerchores haben sich an diesem Abend in Schale geworfen. Sie tragen blaue Jeans und weiße Hemden. Alle sind sie der Aufforderung des Vorsitzenden Peter Scheit gefolgt. Schließlich soll man gut aussehen auf dem Foto. Nur einer ist dabei aus der Reihe getanzt, blaue Streifen zieren sein Hemd. Doch darüber kann Scheit hinwegsehen. "Das ist einer von unseren drei neuen Sängern. Der hat noch Welpenschutz", sagt er schmunzelnd.

Es ist ein bisschen so wie immer an diesem Abend im Gemeindehaus von Christ-König im Damaschkeanger. Ein bisschen so, wie vor der Corona-Pandemie. Wenn man einmal davon absieht, dass die Stühle für die Sänger nicht dicht an dicht, sondern sich mit jeweils zwei Metern Abstand halbrund um das Klavier reihen. Und dass die Herren sich nicht die Hände geben, sondern mit der Faust begrüßen. "Wir sind alle geimpft, alle 22 Mitglieder", sagt Peter Scheit. Das mache vieles leichter, aber nicht leichtsinnig.

In der Pandemie gab es Zuwachs

22 Sänger, damit ist der Männerchor genauso sangesstark wie vor Beginn der Pandemie im März 2020. Drei neue Mitglieder, sagt Scheit, seien sogar hinzu gekommen. "Man spürt, dass die Menschen wieder etwas unternehmen wollen. Sie wollen zusammen mit anderen etwas machen, die Gemeinschaft erleben. Davon haben wir als Chor freilich profitiert", sagt Scheit. Sonst habe man alle zwei Jahre eine witzige Werbeaktion mit Plakaten gestartet. Dass sei in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht möglich und wie man sehe auch gar nicht nötig gewesen. "Wir haben überlebt und freuen uns auf das, was jetzt kommt", sagt Scheit, der sich seiner doppeldeutigen Aussage durchaus bewusst ist.

Sehr glücklich sei man, dass niemand aus dem Männerchor bisher erkrankt sei. Das liege aber wohl auch daran, dass man sehr darauf achte, alle Regeln einzuhalten. Tut man dies, dann funktioniert das auch, sagt Scheit. Deswegen habe sich der Männerchor auch während der Pandemie zusammen mit dem Sängerkreis Frankfurt dafür eingesetzt, baldmöglichst wieder proben zu können. Und so finden die Proben seit Juni wieder regelmäßig statt. Jeden Montagabend um 20 Uhr im Gemeindehaus, direkt nach der Probe der Happy Singers.

Im vergangenen Jahr habe man nur im Sommer zusammen singen können, beim Schäferhundeverein Praunheim, am Rande der Niedwiesen wurde unter freiem Himmel geprobt. Als auch das nicht möglich war, ging auch der Männerchor, wie viele andere Gesangsvereine, ins Internet. "Wir haben gezoomt", sagt Peter Scheit. Eine Mischung aus Einzelunterricht und einer gemeinsamen Chroprobe sei dies gewesen. Weil stets nur ein Mikro sowie das des Chorleiters geöffnet werden konnten. Man habe trotzdem die ganze Zeit gesungen, während man bei einer normalen Probe auch einmal Pause habe.

"Es war nicht uninteressant, wir freuen uns aber sehr, dass wir uns nun im echten Leben wiedersehen können", sagt Peter Scheit. Zumal die Chroprobe ja nicht nur aus dem Singen bestehe. Es sei zugleich auch die Gemeinschaft, die sie mit sich bringe. Auch wenn der abschließende Absacker, derzeit ausfallen muss. "Noch", sagt Scheit, der guter Hoffnung ist, dass sich auch das bald wieder ändert.

Bis dahin hat der Männerchor schon vorsichtig mit den Planungen für seine erstes Konzert im kommenden Jahr begonnen. Ohne dies genau zu terminieren, habe man bereits Säle gebucht. Man muss ja auf alles vorbereitet, muss flexibel sein, sagt Scheit. Auch für das jährliche Adventssingen in den Pflegeheimen, das im vergangenen Jahr ausfallen musste, suche man derzeit nach einer Möglichkeit. Ob auf dem Hof oder bei offenen Türen. "Wir werden eine Lösung finden. Wie wir sie immer gefunden haben. Zunächst freuen wir uns, dass wir noch da sind und endlich wieder zusammen singen dürfen", sagt Scheit. judith dietermann

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