Ausstieg

Von der Managerin zum Cowgirl

Es war im Jahr 1890, als William Cody, genannt Buffalo Bill, während seines Show-Gastspiels im Palmengarten im Steigenberger Hotel Frankfurter Hof übernachtete.

Es war im Jahr 1890, als William Cody, genannt Buffalo Bill, während seines Show-Gastspiels im Palmengarten im Steigenberger Hotel Frankfurter Hof übernachtete. Und der Zufall will es, dass just an diesem Ort nun eine Frau aus ihrem Buch über die eigene Reise in das Herz des amerikanischen Wilden Westens liest, die sich mit Buffalo Bill besonders intensiv beschäftigt hat: Finanzmanagerin Julia Behringer aus Stuttgart wagte den Ausstieg aus Job und Partnerschaft und schloss sich in Montana einer berittenen Expedition durch die Rocky Mountains an. „Barbecue mit Indianern“, heißt das Buch der Pferdenärrin, in dem sie den kühnen Ritt durch die einsamen Berge schildert. Wochenlang genoss sie das archaische Leben tief in der Natur, lernte Fährten zu lesen und wusch sich im eiskalten White River. „An die Klapperschlagen muss man sich gewöhnen“, weiß sie. Auch mit den massigen Büffeln sei nicht zu spaßen, „sie sind wahnsinnig gefährlich und nicht mit unseren Kühen zu vergleichen.“

Die hessische Filmmacherin Dagmar Titsch , selbst passionierte Reiterin, begleitete die abenteuerliche Reise mit der Kamera. Kaum aus den Wäldern zurück, heuerte Julia Behringer als Gastarbeiterin auf einer Vieh-Ranch an. Manches Black Agnus-Rind auf deutschen Tellern fraß in Montana Präriegras.

„Ich wuchs mit Pferden auf, das Reiten ist mein Leben. Die Reise hat mir den Traum meiner Kindheit bestätigt, dass ich in dieses weite Land gehöre“, sagt Behringer. Mit ihrem Mann, einem Texaner, will sie bald auswandern, eine eigene Gäste-Ranch aufbauen, am liebsten im „erzliberalen“ Oregon: „In Montana verändert sich das Wetter durch den Klimawandel stark, es wird immer schneereicher, daher suchen wir nach Alternativen.“

Bei ihrer Lesung im Rahmen der „Frankfurter Autorengespräche“ am Freitag, 26. Oktober, um 19 Uhr, wird die Autorin auch von ihrem Ausflug nach Cody in Wyoming, jener von Buffalo Bill gegründeten Stadt, berichten: „Der authentische Ort ist für Westernfans ein Traum. Präsentiert wird dort der Sinneswandel von Buffalo Bill vom Jäger, der mehr als 4000 Büffel erschoss, zum Bewahrer dieser alten Welt.“ Als der berühmte Amerikaner seinerzeit nach Frankfurt kam, begleiteten ihn 200 Cowboys und „wilde Sioux-Indianer“, die in Tipis im Palmengarten zelteten. Gefechtsszenen, „Indianergeheul“ und echte Skalps wurden zur Attraktion. Dass die Welt der Indianer bis heute reich an Bräuchen ist, hat Behringer selbst erlebt. „Durch eine Freundin in Montana, die engen Kontakt mit den Crow-Indianern pflegt, bekam ich seltene Einblicke. So war ich bei rituellen Tänzen anwesend, was mich positiv im Kern erschütterte.“

Zurück zu den Schlangen: Da Cowboys nicht lebensmüde sind, wappnen sie sich mit einem Gegengift, erklärt Julia Behringer, „das Präparat wird in den meisten Ranchbetrieben im Kühlschrank aufbewahrt und im Notfall selbst gespritzt“. Sie gibt einen unsanften Tipp: „Schlägt man der Schlange den Kopf ab, muss man ihn vergraben, denn er kann noch eine ganze Weile zubeißen.“ Das Buch, um das sich renommierte Verlage rissen, mausert sich zum Bestseller, nicht zuletzt da erfolgreiche Aussteiger-Berichte boomen. ZDF-Moderator Markus Lanz hat bei ihr schon angeklopft, außerdem einige Fernsehsender.

(fai)

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